BUNDESRAT AM WEF: Volle Agenda statt Ski- und Sonnenplausch

Skifahren, Langlaufen oder Sonnenbad bei wolkenlosem Himmel? Weit gefehlt! Sechs Schweizer Regierungsmitglieder haben am World Economic Forum in Davos alles andere als eine Plausch-Agenda.

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Lange Arbeitstage in Davos: Bundesrätin Doris Leuthard bei einem Interview-Marathon zwischen den vielen Meetings, Vorträgen und Pannels, am World Economic Forum in Davos. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Lange Arbeitstage in Davos: Bundesrätin Doris Leuthard bei einem Interview-Marathon zwischen den vielen Meetings, Vorträgen und Pannels, am World Economic Forum in Davos. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Das sah man etwa bei Bundesrätin Doris Leuthard am spannenden Pannel der Schweiz-Amerikanischen Wirtschaftskammer, wo es statt Apéro dann noch einen fast einstündigen Medien-Marathon gab. Die langen Davos-Tage beginnen bei der Wirtschaftministerin schon nach 7 Uhr morgens und dauern in der Regel bis Mitternacht. Mit ABB-Konzernchef Fred Kindle, der am Pannel unter anderen ebenfalls mitmachte, hat die Magistratin damit eines gemeinsam, nämlich nur rund sechs Stunden Schlaf. «Obwohl ich eigentlich acht Stunden bräuchte», schmunzelte Kindle und zeigte seinen komplett ausgebuchten Meeting-Plan. «Aber dazu komme ich ja auch sonst nicht.»

Leuthards Unterschrift
Leuthard, wie alle Regierungemitglieder mit täglich bis über einem Dutzend Terminen in der Agenda, ist seit Mittwoch da und geht erst heute, nach Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens zwischen der EFTA und Kanada und gleichzeitiger Verhandlungsaufnahme mit Indien, wieder. Rund 20 Wirtschaftsminister lädt Leuthard daneben noch zum Mittagessen ein. Gestern unterzeichnete Leuthard unter anderem einen Aktionsplan zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland und traf dazwischen ständig weitere Minister und Wirtschaftskapitäne.

Begeehrter Uno-Chef
Bundespräsident Pascal Couchepin trifft sich unter anderen mit Staatsoberhäuptern wie Pervez Musharraf (Pakistan), Gloria Arroyo (Philippinen), Alvaro Uribe (Kolumbien), die Ministerpräsidenten François Fillion (Frankreich) und Yasuo Fukuda (Japan) sowie Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon ist bei Couchepin ebenso zu Gast wie bei Micheline Calmy-Rey, die gestern anreiste.

Merz meets Gates
Bundesrat Hans-Rudolf Merz kommt erstmals mit seiner französischen Kollegin Christine Lagarde zusammen und trifft unter vielen anderen auch Microsoft-Chef Bill Gates. Bundesrat Moritz Leuneberger ist am Donnerstag und gestern zum Wef-Energiegipfel eingeladen worden und bespricht sich unter anderen auch mit EU-Kommissionsmitglied Viviane Reding.

Mit Ideen aufgetankt
EU-Kommissionsvize Günter Verheugen machte übrigens nur einen «Blitzbesuch mit zwei Meetings» an einem Morgen. Bundesrat Samuel Schmid wird heute die gegen 5000 Bewachungs-Soldaten besuchen. «Ein Tag genügt mir auch vollauf», erklärte Credit Suisse-CEO Urs Rohner unserer Zeitung. Trotzdem ist er sich mit Nationalrätin Christa Markwalder und dem neuen Seco-Chef Jean-Daniel Gerber unisono einig: «Von hier gehe ich immer wieder aufgetankt mit neuen Ideen heim.»

André Häfliger / Neue LZ