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CHIC: Die Kombination macht’s

Haben Sie schon wieder nichts zum Anziehen in Ihrem Schrank? Dann liegt es vielleicht daran, dass Sie Ihren persönlichen Stil noch nicht gefunden haben. Anleitung gibt’s auch in Büchern.
Silvia Schaub
Schuhe, Hose, Bluse, dazu ein Hut als überraschendes Accessoire – fertig ist der Look. (Bild: Anna Rose Hankow aus «Das Kleiderschrank-Projekt»)

Schuhe, Hose, Bluse, dazu ein Hut als überraschendes Accessoire – fertig ist der Look. (Bild: Anna Rose Hankow aus «Das Kleiderschrank-Projekt»)

Silvia Schaub

Man hat ihn oder man hat ihn nicht. So einfach war bisher die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Stil. Aber stimmt das auch? Natürlich nicht. Warum sonst würde uns der Sachbüchermarkt schon seit geraumer Zeit mit einer ganzen Flut von Stilbüchern eindecken? Wenn man all den Autorinnen glaubt, ist Stil tatsächlich lernbar. Und ist auch dringend nötig. Schliesslich leben wir im Zeitalter des Normcore – dieses Trends zum Einheitslook. Da ist etwas mehr Individualität durchaus erwünscht. Davon ist auch die Zürcher Stylistin Luisa Rossi überzeugt. Weshalb sich also den Schliff nicht aus Stilbüchern holen? In ihren Anfängen hat auch Rossi wichtige Tipps aus Büchern geholt. Etwa aus «Chic – die 10 ultimativen Basics» von Cinzia Felicetti. «Das war sozusagen meine Bibel», meint sie lachend. Inzwischen ist sie selbst zu einer kompetenten Anlaufstelle geworden, die Kunden in der ganzen Schweiz zu einem ihrer Persönlichkeit angepassten Stil verhilft.

Seinen Stil zu finden ist allerdings kein 100-m-Lauf, schon eher ein Marathon. Ausser man schlägt das Buch «Was ziehe ich heute an?» der französischen Stil-Ikone und des früheren Chanel-Models Inès de la Fressange auf. Bereits ihr Vorgängerbuch «Pariser Chic – der ­Style-Guide» war ziemlich erfolgreich – wohl vor allem deshalb, weil es bei ihr nichts Einfacheres zu geben scheint, als stets das Richtige im Schrank zu haben. Und das sieht dann auch noch unheimlich nonchalant aus.

Modische Fauxpas und modische Kniffe

Inès de la Fressange setzt auf schlichte Basisteile wie Blazer, Bluse, Jeans und Matrosenpulli, sozusagen die Essentials der Pariserin, und zeigt anhand einer Liste an Zutaten, wie man für jeden Anlass gerüstet ist. Das liest sich leicht und stets mit einer Prise Ironie, etwa wenn der Anlass lautet: «Ich brauche eine Gehaltserhöhung» (statt Glitter lieber mit Schlabberjeans und T-Shirt auf Understatement machen). Praktisch auch die 20 modischen Fauxpas (den Daunenmantel und die Leggings werde ich nun definitiv aussortieren!) oder ihre modischen Kniffe. Dazu braucht es nicht viel: Schon eine Perlenkette als Gürtel getragen, wirkt überraschend. Aber die Französinnen haben ja ohnehin dieses charmante Stil-Gen.

Da hat es unsereiner schon etwas schwerer, und man muss am persönlichen Stil noch etwas arbeiten. Dieses Gefühl bekommt man jedenfalls, wenn man das Buch «Das Kleiderschrank-Projekt» der deutschen Bloggerin Anuschka Rees liest. Sie geht die Sache sehr systematisch an und versteht ihr Buch als Werkzeugkasten voller Tipps, Strategien – und Übungen. Das wirkt dann zwar eher demotivierend, wenn man nach dem Ausmisten des Schrankes erst mal seine gewählte Kleidung der letzten zwei Wochen analysieren und auf Recherche nach dem gewünschten Stil gehen soll. Da ist Selbstreflexion gefragt. Aber schliesslich geht es der Psychologin darum, dass wir bewusster konsumieren, gute Qualität erkennen und auch noch unseren ganz persönlichen Stil finden.

«Poschti-Zettel» für den Kleiderkauf

Dass weniger eindeutig mehr ist, zeigt auch das Buch «Stilvoll» von Marlene Sørensen. Darin geben Frauen ihre Tipps weiter, die ihren Stil bereits gefunden haben. Sie verbinde, so schreibt Sørensen, dass sie anderes zu tun hätten, als über Klamotten nachzudenken. Mode soll also nicht kompliziert sein, sondern dabei helfen, Klarheit über sich zu gewinnen. Und das geht nun nur, wenn man genau weiss, was im Kleiderschrank hängt.

Eine solide Grundgarderobe ist deshalb das A und O. «Statt einer hippen Bomberjacke lieber in einen Blazer investieren, der ist auch in drei Jahren noch aktuell», rät Rossi. Deshalb: «Kaufen Sie rational und nicht emotional ein!» Am besten geht man mit einer «Poschti-Liste» einkaufen. Ebenso wichtig: Die einzelnen Kombinationen fertigdenken. Also: Lässt sich die Bluse auch mit der Chino-Hose oder der Jeans kombinieren? Und zu welchem Jupe passt sie? Das bedeutet nun aber nicht, dass man die aktuelle Mode nicht im Auge behalten soll. «Guter Stil ist das Spiel zwischen soliden Basics und modischen Teilen», betont Rossi. Die Basics sind das Steak, die Beilage die modischen Teile oder Accessoires, die je nach Lust und Laune hinzugefügt werden.

Dass Stil nicht allein eine Frage der Mode und eines prall gefüllten Kleiderschranks ist, zieht sich wie ein roter Faden durch die Stilbücher. Es ist sogar einfacher, wenn man aus einer übersichtlichen Anzahl, dafür ausgesuchten Stücken, kombinieren kann. Der Weg dahin klingt etwas aufwendig und zeitintensiv. Aber tatsächlich ist es so, dass man die Suche des eigenen Stils mit dem Lösen dieser farbigen Zauberwürfel vergleichen kann. Wenn man mal den Dreh raushat, geht’s wie von alleine.

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