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CLOWN: «Clowns sterben nicht»

David Larible (59) ist das Aushängeschild des Circus Knie. Der Experte in Sachen Humor gibt sich bescheiden und warmherzig: Statt sich über Preise zu freuen, weint er lieber – besonders gerne zu Verdis «La traviata».
Interview Susanne Holz
Er mag die Oper und Amerika. David Larible hinter dem Künstler­eingang des Circus Knie: der Clown als Mensch. (Bild Nadia Schärli)

Er mag die Oper und Amerika. David Larible hinter dem Künstler­eingang des Circus Knie: der Clown als Mensch. (Bild Nadia Schärli)

Interview susanne holz

David Larible, der Circus Knie scheint Sie zu mögen: Nach 2014 stehen Sie erneut im Mittelpunkt des Programms. Was mögen Sie am Circus Knie?

David Larible: Der Circus Knie ist der Rolls Royce unter den Zirkussen der Welt. Alle Zirkusartisten wollen hier mal arbeiten. Er hat einen grossen Namen und eine grosse Reputation.

Ist der Circus Knie besonders gut organisiert?

Larible: (lacht) Er ist ein Schweizer Zirkus, was denken Sie!

Wo haben Sie eigentlich 2015 die Leute zum Lachen gebracht?

Larible: Im Bolschoi-Zirkus in Moskau. Abwechslung tut immer gut. Es war mein drittes Mal in Moskau. Ich habe eigens dafür russische Lieder gelernt.

Und wo wird man Sie 2017 antreffen?

Larible: Da bin ich global unterwegs. Auf Tournee mit meiner One-Man-Show «The Clown of Clowns». Man wird mich und meinen Pianisten in Europa, Amerika oder Dubai finden können.

Unterscheidet sich das Publikum von Region zu Region?

Larible: Nur in Bern lachen die Leute langsamer (grinst und freut sich über diesen Witz). Aber im Ernst: Jeder Abend ist ein Cocktail. Und jedes Publikum ist ein Cocktail. Die Mischung macht es aus.

Und von Nation zu Nation – gibt es da gar keine Unterschiede, was den Humor und die Aufnahme desselben betrifft?

Larible: (überlegt) Hmm. Also, die Amerikaner, die schreien und pfeifen oft wie die Cowboys, wenn ihnen etwas sehr gut gefällt. Die Chinesen wiederum sind sehr schüchtern: Sie halten beim Lachen gerne die Hand vor den Mund.

Sie waren lange Jahre die Haupt­attraktion im grössten Zirkus der USA und haben 1999 als erster Nicht­chinese einen Preis für bedeutende artistische Leistungen beim Festival von Quan Yang in China erhalten. Steigt einem so viel Erfolg zu Kopf?

Larible: Der Preis der ältesten akrobatischen Schule der Welt – diese ist in China – hat mich gefreut als Clown. Als Mensch habe ich den Preis am nächsten Tag wieder vergessen. Das muss man, denn Preise sind gefährlich. Erzählen werde ich frühestens meinen Enkelkindern von ihnen, irgendwann einmal.

2001 hatten Sie im Film «Ocean’s Eleven» einen Cameo-Auftritt. Wie ist Ihnen die Hollywood-Luft bekommen?

Larible: Das waren nur drei Tage Dreh. Schön war es trotzdem. Danach wusste ich etwa, dass Brad Pitt tatsächlich ein netter Kerl ist, mit dem man zusammen Kaffee trinken und plaudern kann.

Zurück von Hollywood zu Ihrem ur­eigenen Metier, dem Humor. Sind Clowns fröhliche Menschen, oder tun sie nur so?

Larible: Clowns sind ganz normale Menschen, manchmal haben sie gute und manchmal haben sie schlechte Laune. Ein Clown lehrt uns, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Kinder tun das übrigens auch. Prinzipiell ist Humor eine sehr gute Medizin für alles. Ob man nun Clown ist oder nicht.

Stimmt es, dass Clowns die Menschen zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen?

Larible: Ja, das stimmt. Ein Clown hat nicht nur ein Ziel. Er sollte schöne Gefühle verbreiten, muss aber keine Nachrichten überbringen. Wichtig ist, mit ihm lachen zu können.

Gibt es Dinge, über die Sie nicht lachen können?

Larible: Jemand sagte mal, früher oder später könne alles lustig sein. Aber ich denke da anders. Es gibt eine Grenze. Terrorismus beispielsweise werde ich nie lustig finden, auch in 100 Jahren nicht.

Sie sind Clown und Vater. Als Ihre Kinder klein waren, gab es da manchmal Probleme mit der Autorität? Rauben einem die Dummheiten in der Manege ein Stück weit die Ernsthaftigkeit als Vater?

Larible: Das war nie ein Problem. Meine Kinder haben mich vom Moment ihrer Geburt an mit und ohne Schminke gesehen. Was nie einen Unterschied gemacht hat: Ich war immer ihr Vater.

Bleibt man eigentlich immer der Spassmacher für alle? Auch im Alltag, auf der Strasse, in der Warteschlange? Erwarten die Menschen immer und überall einen humorvollen Auftritt von einem Clown?

Larible: Ich versuche stets, ein guter und schöner Mensch zu sein – aber nicht unbedingt ein lustiger. Ich fühle mich nicht verpflichtet, stets meine humorvolle Seite zu zeigen. Aber wenn ich Lust darauf habe, dann mache ich es.

Kommt es auch vor, dass das Publikum im Zirkus etwas nicht lustig findet?

Larible: Am Anfang meiner Karriere ist mir das oft passiert. Als ich noch meinen Weg suchte. Heute passiert mir das nicht mehr. Die Erfahrung macht hier den Unterschied. Ohne Erfahrung ist es schwierig, schnell in eine neue, eine witzigere Situation zu finden.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Produktionen?

Larible: Die Ideen hole ich mir jeden Tag aus dem Leben, aus der Welt, aus dem Fernsehen, aus einem Konzertbesuch, bei einem Essen im Restaurant, und, und, und. Früher auch sehr oft von meinen Kindern. Man muss nur die Augen weit aufmachen. Dann kann jeden Moment etwas Lustiges passieren.

Sie sind ja bekannt dafür, Leute aus dem Publikum zu holen und zu Ihren Mitspielern zu machen. Gab es auch schon welche, die Ihnen das übel nahmen?

Larible: Normalerweise merke ich sofort, wenn jemand nicht mitmachen möchte. Meistens jedoch kommen die Leute gern mit mir in die Manege. Sie wissen, dass ich Respekt vor ihnen habe.

Wie wichtig ist Ihnen Respekt?

Larible: Sehr wichtig. Respekt ist elementar. Ohne Respekt und Liebe erreicht man sein Publikum nicht. Und ohne Publikum ist ein Clown nichts.

Wie wählen Sie die Leute aus?

Larible: Das geschieht sehr spontan. Ich gehe ins Publikum und schaue genau. Denn ich muss es gut machen, nicht sie. Weil ich der Regisseur und der Drama­-turg bin.

Was macht ein Clown, wenn er gerade nicht arbeitet? Was sind Ihre Hobbys?

Larible: Ich spiele Golf und Fussball, gehe gern ins Theater und in die Oper. Ich mag Museen und lese gerne. Ich liebe Musicals. Überhaupt gute Musik, Klassik oder Pop, aber es muss eine Melodie haben. Ich bin kein Fan von Techno oder Hip-Hop. Bin ich in New York, wo ich einen Gesangslehrer habe, dann liebe ich es, den Broadway zu besuchen.

Sie mögen die USA generell?

Larible: Amerika ist ein faszinierendes Land, der ganze Kontinent ist es. Amerika ist nicht nur «Cowboys und Texas». Ich mag die vielen verschiedenen Landschaften und die Leichtigkeit des Seins, die es dort einfach hat.

Wie war die Zirkusarbeit in den USA?

Larible: Dort bin ich in Sporthallen vor 18 000 Leuten aufgetreten. Das hat nicht dieselbe Intimität, wie sie ein Zirkuszelt in Europa vermittelt. In Asien wiederum ist das Visuelle sehr wichtig – die Kostüme, all das, was das Auge anspricht.

Apropos Kostüme. Sie outeten sich vorhin als grosser Freund der Oper. Was mag ein Clown an der Oper?

Larible: Es ist die Kombination aus Musik und Text, das Melodram. Oper touchiert das Herz sehr tief. Verdis «La traviata» habe ich nun schon fünfzehn Mal gesehen, und jedes einzelne Mal davon musste ich weinen. Ich liebe die Emotion, die Schönheit, die Ästhetik. Schönheit ist das Einzige, was unsere Welt retten kann.

Sind Clowns schön, weil sie so unschuldig sind?

Larible: Kindliche Unschuld ist natürlich etwas Schönes, etwas Fantastisches. Wir verlieren sie viel zu schnell. Sind Clowns schön? Clowns haben immer eine Harmonie in ihrer Bewegung. Sie vermitteln dem Publikum Emotion – das ist schön.

Singen oder tanzen Sie lieber?

Larible: (schmunzelt) Ich tanze, weil ich singe. Und ich singe, weil ich tanze. Warum sich für eines entscheiden, wenn man beides machen kann?

Zu Ihren Vorbildern zählen Charlie Chaplin und Charlie Rivel. Was mögen Sie an Charlie Chaplin?

Larible: Alles. Er konnte lustig sein nur mit seinem Körper – er war Meister darin. Er war ein Genie, das in zwei Sekunden von der Komödie in die Tragödie wechseln konnte. Das hat er uns gelehrt.

Und Charlie Rivel?

Larible: Charlie Rivel war der klassische Clown. Seine Leichtigkeit war unglaublich. Er war sehr süss, er war ein Kind.

Leicht war auch die Kunst des Schweizer Clowns Dimitri, der am 19. Juli ganz überraschend verstarb.

Larible: Das hat mich wie alle anderen sehr betroffen gemacht. Ich bin erschrocken. Ich habe Dimitri sehr gut gekannt – er war immer sehr gut zu mir. Er war ein süsser Mensch und ein grosser Artist. Aber Clowns sterben nicht. Ihre Seelen sind immer mit uns, weil sie uns so oft zum Lachen gebracht haben.

Was haben Sie an Dimitri geschätzt?

Larible: Sein Lachen, seinen Humor. Er war naiv, süss und leicht. In diese Richtung hat er uns den Weg gewiesen.

David Larible, Sie spielen acht Instrumente und sprechen sechs Sprachen. Sie könnten Ihr Geld auch als Dolmetscher verdienen.

Larible: (lacht) Oder in der Lobby eines Hotels. Nein, ich wollte immer nur Clown sein. Vielleicht führe ich eines Tages mehr Regie, wie ich es für eine Theatershow in Italien bereits gemacht habe. Ein Traum wäre, einmal eine Oper zu inszenieren.

In der aktuellen Tournee des Circus Knie treten Sie erstmals mit Ihren beiden Kindern in einem Programm auf. Aufgeregt?

Larible: Ja, es ist das allererste Mal, dass wir alle drei an einem Abend zu sehen sind. Mein Sohn als Jongleur, meine Tochter als Luftakrobatin. Natürlich bin ich nervös – mehr, was die Auftritte meiner Kinder betrifft als meinen eigenen.

Sind Sie zufrieden mit der Berufswahl Ihrer Kinder?

Larible: Ich bin zufrieden, weil meine Kinder das machen, was sie von Herzen gern möchten.

Sie sagten mal, der Zirkus sei ein ehrliches Metier, alle seien hier gleich. Steckt in Ihnen ein Revolutionär oder gar ein Kommunist?

Larible: Was ich damit angesprochen habe, hat nichts mit Revolution oder Kommunismus zu tun. Sondern mit Respekt vor dem menschlichen Wesen. Andere zu respektieren, bedeutet Frieden. Ohne Respekt gibt es Krieg.

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