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COMPUTER-GESCHICHTE: Wie der Computer Alltag wurde

Am Anfang konnte man mit ihm nur rechnen. Heute aber geschieht kaum etwas, ohne dass Computer daran beteiligt sind. Wie das gekommen ist, erzählt David Gugerli von der ETH.
Rolf App
Computer begleiten uns heute überall hin. Aus Grossrechnern sind Kleingeräte geworden – Segen und Fluch zugleich, als Ware schnell veraltet. (Bild: Getty)

Computer begleiten uns heute überall hin. Aus Grossrechnern sind Kleingeräte geworden – Segen und Fluch zugleich, als Ware schnell veraltet. (Bild: Getty)

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Dieser Text wird auf einem Laptop geschrieben, der übers Internet mit der Redaktion verbunden ist. Die Kollegen werden ihn ­später am Tag gegenlesen und weiterschicken in die Korrektur. Abends spät wird er dann gedruckt werden. Etliche Leserinnen und Leser werden ihn auch online anklicken, wie man so schön sagt. Sie sehen ihn dann auf einem Bildschirm. Ist mir beim Schreiben etwas unklar, dann kann ich googeln – und mir den Gang zum Bücherregal sparen, wo ein möglicherweise bereits veraltetes Lexikon wartet. Natürlich finde ich im Internet auch jede Menge Schrott.

Ich weiss gar nicht, was sich da abspielt

Doch wie auch immer: Ich verstehe ganz wenig von dem, was sich da technisch in meinem potenten Kästchen abspielt, Ihnen wird es wohl ähnlich gehen. Der Computer ist zum Teil unseres Alltags geworden. Er erleichtert so vieles, dass wir schon gar nicht mehr wissen, wo überall Computer drin ist. Aber er macht auch Angst. Was soll aus unserer Arbeit werden, wenn die Computer noch besser werden und mitzudenken lernen, fragen wir uns. Und wissen auch gar nicht mehr, wann und wie der Computer begonnen hat, die Wirklichkeit auf eine ganz unvorhersehbare Weise umzupflügen.

Es ist diese Geschichte, die David Gugerli, Technikhistoriker an der ETH Zürich, in seinem neuen Buch erzählt. Es handelt von einem chaotischen Prozess voller Krisen und Engpässen, dessen einzelne Schritte sich am Ende zu einer grossen, tiefgreifenden Veränderung der Welt summieren. Es ist eine Veränderung, die Hoffnungen weckt, aber auch Ängste.

Das Bundeskriminalamt rüstet auf

Und zwar schon früh. 1969 ­bekommt die Bundesrepublik Deutschland einen neuen Bundeskanzler. Der Sozialdemokrat Willy Brandt sieht sich mit steigender Kriminalität konfrontiert. Er verspricht, mit den modernsten Mitteln dagegen anzugehen. Die modernsten Mittel: Das sind Computer. Die Lage ist ernst. Wollen sie eines Verbrechers habhaft werden, dann müssen die Beamten des Bundeskriminalamts Aktenschränke mit Millionen von Karteikarten durch­suchen. Eine Datenverarbeitungsanlage muss her. Siemens installiert zwei Grossrechner, 35 übers Land verteilte Terminals nehmen neue Informationen auf oder dienen der Abfrage. Anfang 1975 hat das Fahndungssystem 160000 Personen erfasst. Die Menschen im Land atmen auf.

Aber sie bekommen dann Sorgenfalten auf der Stirn, als sie erfahren, dass das Bundeskriminalamt angesichts des Terrorismus begonnen hat, auch jene zu registrieren, die mit den Terroristen sympathisieren. Am Ende wird es 4,7 Millionen Namen verzeichnet haben. Es ist die Janusgesichtigkeit des Computers, die sich hier zeigt. Was sich wiederholen wird, bis heute, da die grossen Tech-Giganten einen Datenberg sammeln, von dem man nicht weiss, wie er ge- oder auch missbraucht wird. Für den Missbrauch kann der Computer nichts, er ist nur ein Werkzeug, das unter der Regie von Spezialisten gross wird und in einer weiteren Phase als Personal Computer in unser aller Hände übergeht.

1951 verspricht der erste Werbespot der Computergeschichte, man könne mit dem Computer «in weniger als vier Stunden und mit wenig Bedienungspersonal eine Lohnabrechnung für 15000 Angestellte erledigen». Er ist ein über Lochkarten gesteuerter und von Operatricen bedienter Grossrechner, der, wie der Name sagt, hauptsächlich rechnen kann.

Dann bestätigt sich, wie David Gugerli erklärt, ein erstes Mal «die alte sportliche Gewissheit, dass auch in der digitalen Welt nach dem Spiel immer vor dem Spiel ist». Weil die Geschöpfe der führenden Firma IBM enorm teuer sind, taucht schon bald die Idee auf, dass mehr als eine Person sie aufs Mal benutzen können soll. Und es tauchen Herausforderungen auf, die ohne diese Maschinen nicht zu bewältigen sind.

Die Nasa schreibt Computergeschichte

Will man tatsächlich Raketen ins All schicken, dann geht das nur mit einem Computer, der blitzschnell rechnen und einen Flug auch überwachen kann. Das «Mission Control Center» der US-Raumfahrtbehörde Nasa wird zum Ort, an dem in den späten Sechzigerjahren Computergeschichte geschrieben wird.

Mit dem Erfolg wachsen auch die Bedürfnisse, beides lockt Konkurrenten an. Minicomputer werden entwickelt, und auch die Software bleibt nicht lange die Domäne der dominanten IBM. Und dann tritt etwas ins Zentrum, was bisher bestenfalls am Rande eine Rolle gespielt hat: die Verbindung zwischen Computern und Computersystemen. Rechnergestützte Telekommunikationstechnologien beginnen den Fernverkehr im digitalen Raum zu regeln. Die Computerfachleute «hatten das Übertragungsproblem marginalisiert, weil sie Leitungen und Kabel für etwas Triviales hielten».

Die Tüftler übernehmen die Regie

Was sie auch unterschätzen, das sind jene Tüftler, die sich zusammentun und anfangen, sich ihre eigenen kleinen Computer zu basteln. Ein erster Bausatz verkauft sich rasend schnell, so wird der Computer zum Konsumgut. Und was als Hobby angefangen hat, endet beim Personal Computer. Er sagt «Hello» und hat einen richtigen Namen: Macintosh.

Die letzte Geschichte schreibt Tim Berners-Lee am Atomforschungszentrum Cern. Dort wird das Speichern grosser Datenmengen perfektioniert, und es entsteht mit der Hypertextstruktur des World Wide Web die Möglichkeit, Datenbestände zu verknüpfen. Jetzt hat der Computer auch ein Gedächtnis – was auch wieder seine Schattenseiten hat.

David Gugerli: Wie die Welt in den Computer kam. Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit. S. Fischer, 250 S., Fr. 39.–.

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