DÄNEMARK: Austernplage begeistert Chinesen

Asiatische Austern gefährden in Dänemark einheimische Arten. Seit das Problem nun in China bekannt geworden ist, wittern Firmen das grosse Geschäft mit einer Delikatesse.

Niels Anner, Kopenhagen
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China wittert das grosse Geschäft mit der Austernplage in Dänemark. (Symbolbild LZ)

China wittert das grosse Geschäft mit der Austernplage in Dänemark. (Symbolbild LZ)

Niels Anner, Kopenhagen

Kristian Borbjerggaard ist im Stress. Und er weiss nicht recht, ob er und andere dänische Meeresfrüchte-Fischer sich über die Unmengen von Anrufen freuen sollen oder nicht. Am anderen Ende der Leitung bestürmen ihn in den letzten Tagen chinesische, aber auch einheimische Geschäftsleute. Die Ursache liegt auf dem Grund des beschaulichen Limfjords in Norddänemark und ist relativ klein: Austern. Sie sind eine Spezialität der Region im nördlichen Jütland – jedenfalls die Limfjord-Austern. Diese sind allerdings von der invasiven Pazifischen Felsenauster bedroht; deren grosse Exemplare sind vor einigen Jahren im Limfjord entdeckt worden und auf dem besten Weg dazu, zur Plage zu werden. Die schnell wachsende Art aus Asien ist widerstandsfähig und überlebt Parasiten. Meeresbiologen und dänische Austernfischer warnen deshalb immer dringender vor den aggressiven Eindringlingen, da sie auch ganze Ökosysteme verändern können. Wegen ihrer scharfen Kanten sind die Pazifischen Austern zudem gefährlich für Badegäste; einige Strände sind deshalb bereits nur noch mit Badeschuhen zugänglich.

In Asien und vielen anderen Teilen der Welt hat man allerdings einen anderen Blick auf die Felsenauster. Sie gilt nämlich als wertvolle Delikatesse. Die Dänen aber finden ihre einheimische Art im Limfjord wesentlich schmackhafter – und suchen deshalb verzweifelt nach einer Lösung, um die Eindringlinge zu stoppen.

«Essen bis zur Ausrottung»

Findige Diplomaten hatten nun eine an sich naheliegende Idee: ernten und exportieren, vor allem die in China besonders beliebten gross gewachsenen Exemplare. Die dänische Botschaft in Peking publizierte in chinesischen sozialen Medien eine Meldung über die invasiven Artgenossen – und löste eine Welle von Reaktionen aus. Die Meldung verbreitete sich rasend schnell, und Nutzer reagierten mit Vorschlägen: Man würde den Dänen doch gerne helfen und die ungeliebten Austern «bis zur Ausrottung essen», schrieb einer. An die Botschaft wurden Anfragen gerichtet, ob «Austern-Visa» erhältlich seien. Die Angestellten dort spielten eifrig mit und antworteten, sie würden sich mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen.

Schliesslich sprangen Firmen im chinesischen Meeresfrüchte-Markt auf: Sie bringen nun die Telefonleitungen von Kristian Borbjerggaard und anderen dänischen Unternehmern in der Limfjordregion zum Glühen. Sören Mattesen, Geschäftsführer von Vildsund Blue, dem grössten Meeresfrüchte-Exporteur Dänemarks, spricht von einem «positiven Shitstorm». Allerdings gibt es da ein paar Probleme. «Die ganze Geschichte kommt zu früh», sagt Mattesen. Denn die kleine Branche sei nicht auf kommerzielle Fischerei von Pazifischen Austern eingestellt. Ausserdem, sagt sein Kollege Borbjerggaard, hätten die Chinesen nun das Gefühl, man wolle die Austern gratis abgeben. Für eine richtige Fischerei und Export bräuchte es aber natürlich Investitionen und eine Einigung auf einen anständigen Preis. Zudem bestehe dann immer noch das Problem mit der langen Lieferdistanz nach China – wo man die Austern so frisch wie nur möglich haben will.