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DÄNEMARK: Leiche sollte im Meer bleiben

Die makabre Fortsetzung des Krimis bringt Gewissheit: Die schwedische Journalistin starb im U-Boot. Ihre zerstückelte Leiche sollte indes nie mehr auftauchen.
Niels Anner, Kopenhagen

Niels Anner, Kopenhagen

Was zunächst wie ein rätselhafter, tragischer Unfall wirkte, sieht immer mehr nach einer kaltblütigen Tat aus. Die dänische Polizei bestätigte gestern aufgrund von DNA-Analysen, dass es sich bei der südlich von Kopenhagen im Meer gefundenen Leiche um die vermisste schwedische Journalistin handelt. Vergleiche mit ihrer Zahn- und Haarbürste führten zur schlimmen Gewissheit. Die 30-Jährige war verschwunden, nachdem sie am 10. August mit dem dänischen Erfinder Peter Madsen den Hafen in dessen privatem U-Boot verlassen hatte.

Fast zwei Wochen später ist der Leichnam der Journalistin, die unter anderem für die «New York Times» schrieb, also wieder aufgetaucht – laut Polizeiangaben von einem Menschen grausig zerstückelt. Bisher wurde lediglich ihr Oberkörper gefunden, Arme, Beine und der Kopf fehlen. Zudem erklärte die Polizei gestern, der Torso sei mit einem Metallgegenstand versehen gewesen, der ihn wohl am Meeresgrund hätte halten sollen. Zahlreiche Verletzungen deuten darauf hin, dass die Leiche so präpariert wurde, dass Luft und Gase entweichen konnten.

Bisherige Aussagen wackeln immer mehr

Damit scheint die bisherige Aussage von U-Boot-Kapitän Madsen, die Schwedin sei bei einem Unfall umgekommen, noch stärker zu wackeln. Er habe, sagte der 46-Jährige vor Gericht, die Leiche «im Meer begraben». Warum er dazu Gliedmassen abschnitt und warum er nicht die Rettungsdienste alarmierte, ist bisher unklar. Madsen liess über seine Anwältin mitteilen, er sei froh, dass die Leiche nun gefunden sei; er behauptet weiterhin, er sei unschuldig.

Selbst gebautes U-Boot absichtlich versenkt

Der Erfinder hatte, so weiss man unterdessen, sein selbst gebautes, 18 Meter langes U-Boot Nautilus nach einer 16-stündigen Fahrt im Öresund versenkt. Die Ermittler fanden in dem geborgenen U-Boot Blut der Schwedin. Sie öffnen nun – standardmässig – alte, ungeklärte Fälle, insbesondere jenen einer 1986 tot im Hafen von Kopenhagen gefundenen japanischen Touristin. Auch von ihr tauchte nur der Oberkörper auf.

Ein dänischer Psychiater attestierte Peter Madsen entweder eine panische und unüberlegte Reaktion, falls sich wirklich ein Unfall ereignet hatte. Oder aber er sei ein zynischer Mörder, der nach seiner Rettung den Medien vor laufender Kamera sagte, es sei alles in Ordnung. Madsen war seit seiner Kindheit besessen von technischen Herausforderungen, wie es Leute schildern, die ihn kennen. Er experimentierte unter anderem mit Wasserstoffballonen und Schiesspulver, um Raketen anzutreiben. Und damit machte er nach der Schule weiter; ein Ingenieurstudium brach er ­indes ab. Stattdessen begann er, richtige Raketen zu bauen – mit dem erklärten Ziel, sich selber in den Weltraum zu schiessen.

Er sammelte Enthusiasten um sich, fand Geldgeber. Doch was für die anderen nur ein Freizeitspass ist, war für «Raketen-Madsen» ein Lebenszweck. Tatsächlich gelang es 2011, eine selbst gebaute, unbemannte Rakete von einer Plattform im Meer rund 3 Kilometer in die Höhe zu schiessen. Ein Hilfsmittel dazu hatte Madsen ebenfalls selber gebaut: das U-Boot Nautilus, das die Rakete in Position brachte.

Der Tüftler wird auch als temperamentvoll beschrieben, als einer, der sich auf seinem Weg mit vielen verkrachte. Der, so schildern ihn Weggefährten, immer wieder Grenzen suchte – und sich nicht zu schade war, sie zu überschreiten.

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