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DÄNEMARK: Monsterratte im Königsgarten

Schusswaffen, Schwefelbomben, elektronische Fallen und Eulen: Dänemark kämpft mit immer neuen Methoden gegen eine enorme Rattenplage. In Kopenhagen macht eine Monsterratte einen beliebten Park unsicher. Auch die Regierung reagiert.
Niels Anner, Kopenhagen
Rattenplage im Tierheim: Eine Auffangstation für Tiere im amerikanischen Fruitport, Michigan, wurde deswegen geschlossen. Kaninchen, Enten und Katzen wurden in andere Heime verfrachtet (5. Juni 2015). (Bild: Keystone)

Rattenplage im Tierheim: Eine Auffangstation für Tiere im amerikanischen Fruitport, Michigan, wurde deswegen geschlossen. Kaninchen, Enten und Katzen wurden in andere Heime verfrachtet (5. Juni 2015). (Bild: Keystone)

Niels Anner, Kopenhagen

Claus Carlsen hält die Hände weit auseinander und macht eine ernste Miene. «60 Zentimeter, die grösste Ratte, die wir je gesehen haben», sagt er. Seine Einschätzung hat Gewicht, denn er kennt sich aus mit den Nagetieren: Carlsen bekämpft sie professionell in Kopenhagen, wo eine regelrechte Plage ausgebrochen ist. Besonders schlimm ist die Lage im zentralen Kongens Have, dem Königsgarten. In dem ­beliebten Park haben die Rattenfänger die konventionellen Giftfallen längst aufgegeben; sie greifen zu härteren Methoden.

Der Park wird nachts ­geschlossen. Carlsen und sein Team rücken dann mit Gewehren mit Zielfernrohr an und erlegen die Tiere auf der Wiese, in Abfalleimern oder auch mal auf ­Bäumen. Damit sich die Ratten weniger gut verstecken können, wurden im Park ganze Beete voller Rhododendren und anderen Büsche entfernt.

Fast 8000 Meldungen im letzten Jahr

In die Löcher im Boden werfen die Schädlingsbekämpfer Schwefelbomben, die innert einiger Minuten tödlich wirken sollen. Auch speziell trainierte Hunde haben sich als effektiv erwiesen: Sie ­können die Nager aufspüren und ihnen nachsetzen. Ein Problem dabei allerdings: Manchmal werden die Hunde krank, wenn sie in Ratten beissen, da diese diverse Erreger übertragen.

Mit all den Massnahmen wurden in den letzten Monaten 600 Ratten zur Strecke gebracht, jedoch nicht die Monsterratte vom Kongens Have. Sie wird zum Entsetzen der Gärtner immer wieder gesehen. «Die ist schneller und klüger als alle anderen», sagt Claus Carlsen. Nicht angewendet hat er bisher ein Mittel der Gemeinde Skanderborg: Eulen. In dem ländlichen Gebiet wurden mehrere der Raubvögel ausgesetzt, dafür verzichtet man auf Gift. In der Grossstadt sind Eulen allerdings keine Alternative; eher noch elektronische Fallen: Diese registrieren die Ratten und spiessen sie auf, wenn sie durch die Kanalisation huschen.

Dänemark leidet mit seinen langen Küsten, vielen Häfen und Gewässern generell unter einem enormen Rattenaufkommen – und es wird immer schlimmer. Laut einer Erhebung des dänischen Fernsehens ist in der Region Stevns südlich der Hauptstadt die Anzahl Meldungen ­wegen Ratten in den letzten fünf Jahren um 200 Prozent nach oben geschnellt. In der Stadt Aarhus und diversen Gemeinden gab es 80 bis 90 Prozent häufiger Rattenalarm als 2012, in den anderen grösseren Städten 40 bis 50 Prozent mal mehr.

In Kopenhagen gab es 2017 fast 8000 Meldungen. Das Problem hat sich verschärft, seit in grossen Teilen der Stadt neue Metrolinien und -stationen angelegt werden. Die Nager werden durch die unterirdischen Bautätigkeiten gestört und drängen vermehrt nach oben. Dass sie zunehmend auch die Nähe zum Menschen ­suchen, führt immer wieder zu Panik. So sind Fälle bekannt, in denen die Tiere über die Kanalisation in Badezimmer gelangten. Im Dezember wurde auf der Insel Bornholm ein Kindergarten geschlossen, nachdem Ratten über Abflussrohre ins Gebäude eingedrungen waren. Danach mussten sämtliche Lokale inklusive Spielzeug desinfiziert werden, um ­sicherzustellen, dass nichts von dem bisweilen gefährlichen Kot oder Urin der Nager zurückblieb.

Hauptsächlich schuld an der Plage sind laut Experten die ­milden Winter der letzten Jahre. Wenn es weniger lang kalt ist, überlebt der Nachwuchs der Ratten besser, wobei von einem einzigen Rattenpaar in einem Jahr über 800 Junge abstammen können. Andere Probleme sind hausgemacht: Schädlingsbekämpfer sehen das in Dänemark sehr beliebte Füttern von Vögeln geradezu als Einladung für die Ratten. Ausserdem sorgen Nachlässigkeiten bei der Abfallentsorgung für ein Schlaraffenland für die Nager. Bei guten Bedingungen erstaunt es daher nicht, dass sie sich explosionsartig vermehren.

Gemeinden und Wohnquartiere merken dies deutlich: Ratten zerstören Kellertüren, Böden, Kanalisationsrohre, Leitungen – und sie können auch Krankheiten übertragen. Das Problem ist so gross, dass die dänische Regierung unterdessen einen nationalen Massnahmenplan erstellt hat. Dieser verpflichtet die Gemeindebehörden neu, rund um die Uhr auf Meldungen von Bürgern bezüglich Ratten zu reagieren.

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