Daniel H. schildert vor Gericht Mord an Lucie

Im Mordprozess Lucie vor Bezirksgericht Baden AG hat der Angeklagte am Dienstagmorgen den Mord am Au-pair Lucie geschildert. Der 28-Jährige bezeichnete seine Tat als «bestialisch und schrecklich». Er will nicht verwahrt werden.

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Daniel H. wird am Dienstagmorgen in diesem Kastenwagen zum Gericht gebracht. (Bild: Keystone)

Daniel H. wird am Dienstagmorgen in diesem Kastenwagen zum Gericht gebracht. (Bild: Keystone)

Er wolle ein «besserer Mensch» werden, gab er vor dem Bezirksgericht Baden zu Protokoll. Er strebe eine Therapie in einer stationären Massnahme an. Der Angeklagte beschrieb den Mord ruhig und sachlich. Er habe kurz vor der Tat am 4. März 2009 gemerkt, dass es mit seinem Alkohol- und Kokainkonsum nicht weitergehen könne. Darauf habe er der Bewährungshilfe angerufen und den Drogenkonsum gemeldet.

Er habe die Entzugsklinik in Neuenhof aufgesucht. Dort sei er jedoch vertröstet worden, weil er eine halbe Stunde zu spät erschienen sei.

Er konnte vor dem Gericht zahlreiche Einzelheiten des Mordes nicht erklären. So wusste er nicht, warum er mit einer Hantelstange derart fest auf den Kopf des Opfers geschlagen habe. Auch konnte er nicht schlüssig erklären, warum Urin- und Spermaspuren an der Leiche gefunden worden seien.

Kein Streit vor Mord

Dem Verbrechen sei kein Streit vorausgegangen. Das Au-pair habe gemerkt, dass das versprochene Foto-Shooting nur eine Täuschung gewesen sei. Dass sie ihn ertappt habe, habe ihn «aggressiv» gemacht. Er habe die 16-Jährige aus der Wohnung werfen wollen.

Sie sei jedoch wieder in die Wohnung zurückgekommen und habe alles ausdiskutieren wollen. Danach erschlug er sie. Der geständige Täter zeigte sich vor Gericht schuldig. «Es tut mir von Herzen leid. Ich denke fast jeden Abend über die Tat nach.»

Als einziger Zeuge sagte der Therapeut der Strafanstalt Lenzburg aus. Dort ist der Angeklagte seit seiner Verhaftung vor drei Jahren im vorzeitigen Strafvollzug.

Nach Aussagen des Therapeuten zeigte der Angeklagte zunächst kein Bedauern und nahm eine «fatalistische Haltung» zum Delikt ein. Er habe sich angesichts der drohenden lebenslänglichen Verwahrung sehr bemüht gezeigt.

Drogenkonsum im Gefängnis

Es sei dem Angeklagten in den zweieinhalb Jahren in der Strafanstalt an Anliegen geworden, sich selber besser zu verstehen. Der Angeklagte habe ihm angegeben, dass er eine gestörte Beziehung zu Frauen habe.

Mit dem Drogenkonsum hörte der Angeklagte auch im Strafvollzug nicht auf. Er sei zwei Mal positiv auf Cannabis getestet worden, sagte der Therapeut. In den vergangenen Wochen habe der Angeklagte eine Urinprobe verweigert.

Der Angeklagte gab vor Gericht zu, im Gefängnis gekifft zu haben. Es sei einfach, im Gefängnis an Cannabis zu kommen.

Anklage forderte lebenslängliche Verwahrung

Die Staatsanwaltschaft Aargau fordert für den Angeklagten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und eine lebenslängliche Verwahrung. Das Gericht tagt in einer fünfköpfigen Besetzung. Der Prozess findet wegen des grossen Medienandrangs im Gemeindesaal von Untersiggenthal statt. Gegen 50 Medienvertreter verfolgen die Verhandlungen. Zwei Dutzend Besucher fanden keinen Platz im Saal.

Anwesend sind aus dem Kanton Freiburg auch die Eltern des getöteten Mädchens sowie die Frau, bei der Lucie 2009 in Pfäffikon SZ als Au-pair tätig gewesen war.

Der Angeklagte war am Morgen von der Polizei in einem weissen Kastenwagen über die Tiefgarage ins Gebäude geführt worden. Die Sicherheitsvorkehrungen am Prozess sind hoch. Auch sind elektronische Geräte wie Handys und portable Computer im Saal verboten.

sda