DAS ANDERE INTERVIEW: «Die Knutwilerhöhe wird beben»

Daniel Kunz (39), OK-Präsident Knuwiler Powerdays

Interview Roger Rüegger
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Daniel Kunz ist OK-Präsident der Knutwiler Powerdays. (Bild Boris Bürgisser)

Daniel Kunz ist OK-Präsident der Knutwiler Powerdays. (Bild Boris Bürgisser)

Daniel Kunz ist OK-Präsident der Knutwiler Powerdays. An diesem Zugkraftwettbewerb vom 8. bis 10. August messen sich über 100 Traktorfahrer in 13 Kategorien. Beim Tractor-Pulling geht es darum, den stärksten Traktor in Kombination mit dem geschicktesten Fahrer zu bestimmen. Der 39-jährige Kunz handelt beruflich mit Werkzeug und Militärmaterial. Er betreibt diesen Sport seit 17 Jahren. Die Powerdays organisiert er heuer zum fünften Mal. Sein Lebensziel ist, dereinst 10 000 Pferdestärken auf die Knutwiler Höhe zu locken.

Daniel Kunz, welche Leute sitzen hinter dem Steuer der Traktoren?

Daniel Kunz: Das sind technikbegeisterte Motorsportfreunde. Viele sind Wahnsinnige, und bei manchen sitzt auch eine Schraube locker.

Sie meinen, bei den Maschinen, bei den Vibrationen der kräftigen Motoren löst sich sicher ab und zu eine Schraube oder Mutter?

Kunz: Ja, bei den Traktoren auch ...

Sind bei diesen Wettbewerben vorwiegend Bauern am Start?

Kunz: Bei der Klasse Standard, also bei den serienmässig produzierten Traktoren, sind dies die meisten.

Sitzen die während der Woche denn nicht oft genug auf ihren Traktoren, dass sie auch an freien Wochenenden darauf abfahren?

Kunz: Vermutlich schon. Aber wie gesagt, das sind Technik-Freaks, die müssen und wollen jede freie Minute an ihren Traktoren herumschrauben und tüfteln. Zudem gibt es auch viele andere Berufsleute. Die Maschinen in den anderen Klassen sind keine landwirtschaftlichen Geräte.

Beim Tractor-Pulling geht es darum, einen Anhänger über eine gewisse Distanz zu ziehen. Was ist daran so spannend?

Kunz: Das ist ein Bremswagen mit Gewichten, der von einem Fahrer bedient wird. Der Ehrgeiz ist, gegen die andern zu fahren und das Maximum aus der eigenen Maschine herauszuholen.

Was wird denn so getunt an den Traktoren?

Kunz: Das ist unterschiedlich. Da werden verschiedene Modifikationen an Motoren vorgenommen, und oft hantieren die Jungs mit Messern und anderen Schneidgeräten an den Reifen und kreieren neue Profile. Es ist erstaunlich, wie viel durch geringfügige Änderungen am Luftdruck der Reifen optimiert werden kann.

Reicht es denn nicht, den stärksten Motor unter dem Hintern zu haben?

Kunz: Es gewinnt nicht zwingend der mit dem heissesten Motor, sondern jener, der die Kraft am besten auf den Boden bringt.

In Knutwil sind aber schon spezielle Traktoren mit richtig Power am Start?

Kunz: Darauf können Sie wetten. Es werden einige mit über 2000 PS antreten. Der Berg wird beben.

Ich bin ja auch zu begeistern für starke Motoren. Die Faszination für Traktoren geht mir dennoch etwas ab.

Kunz: Sind Sie je mit einem solchen Ungetüm gefahren?

Natürlich nicht. Sollte ich?

Kunz: Unbedingt. Erst dann wissen Sie, wovon ich spreche. Beim Start drückt es den Piloten in den Sitz. Wenn der Auspuff dann noch Feuer spuckt, geht die Post aber richtig ab. Tractor-Pulling ist der stärkste Motorsport, den es gibt.

Und einer der lautesten wohl auch. Gibt es keine Beschwerden gegen Ihren Anlass?

Kunz: Es sind schon einige wenige, denen die Veranstaltung nicht passt. Das hat verschiedene Gründe. Aber es gibt viel mehr Begeisterte. An einem Wochenende hatten wir 9000 Besucher. Diese Zahl spricht doch für sich. Und wenn sich jemand Sorgen wegen der Umwelt macht, muss ich anfügen, dass sämtliche Traktoren, die in einer Saison antreten, weniger Treibstoff verbrauchen als zwei Pistenfahrzeuge in einem Winter.

Sind auch Frauen am Start?

Kunz: Es sind einige Frauen dabei. Eine deutsche Fahrerin wird mit einem ganz dicken Traktor anreisen. Und es fahren auch Kinder.

Bitte?

Kunz: Ja, in der Kategorie Garden-Pulling fahren Kinder ab 5 Jahren auf Rasenmähern. Nachwuchssorgen haben wir nicht.

Und Sie selber werden auch dabei sein?

Kunz: Nur auf dem Bremswagen. Aber ich habe ein Projekt in der Garage, mit dem ich vielleicht nächstes Jahr antreten kann.

Ein heisses Gerät?

Kunz: Mit rund 600 PS ziemlich heiss.

Was gibt es für ein Ziel für Sie?

Kunz: Dass wir auf der Knutwiler­höhe 10 000 PS am Start haben und dass wir eine zweite Bahn haben können. Aber zuallererst, dass wir Wetterglück haben. Denn es wird nur bei trockenem Boden gefahren.

Interview Roger Rüegger

Hinweis

www.knutwiler-powerdays.ch