DAS ANDERE INTERVIEW: «Die Musik gibt mir Kraft»

Semino Rossi, Schlagersänger

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Semino Rossi singt «Rot sind die Rosen» in der Fernseh-Show «Frühlingsfest der Volksmusik» in Halle. (Bild: AP / Eckehard Schulz)

Semino Rossi singt «Rot sind die Rosen» in der Fernseh-Show «Frühlingsfest der Volksmusik» in Halle. (Bild: AP / Eckehard Schulz)

Interview Roger Rüegger

Semino Rossi ist einer der populärsten Schlagersänger der Welt. Der Italo- Argentinier hat soeben seine neue CD «Symphonie des Lebens» veröffentlicht, die bereits in den Charts ist, und kommt am 8. August ans Volksschlager-Open-Air Heitere. Im Interview spricht er über den Papst und über Lionel Messi.

Semino Rossi, Sie sind aus Zürich angereist. Kurzer Aufenthalt in Luzern, dann gehts weiter. Sie sind derzeit ein viel beschäftigter Mann. Reisen Sie alleine, ohne Ihre Frau?
Semino Rossi:
Ja, während der Promotion- Tour für meine neue CD bin ich alleine mit meinem Manager unterwegs. Mein Frau Gabi ist zu Hause im Tirol bei unseren beiden Töchtern.

Sie begleitet Sie nicht?
Rossi:
Während der Tournee ist sie für einige Tage dabei. Für mich ist wichtig, dass sie bei meiner ersten Show in meiner Nähe ist. Dann fühle ich mich aufgehoben.

Dafür, dass Sie sehr viel über die Liebe singen, müssen Sie diese oft entbehren. Besingen Sie die Sehnsucht nach Ihrer Frau?
Rossi:
Nicht nur. Aber natürlich sind ein paar Lieder meiner Gabi gewidmet. Die Liebe ist wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Sie bezieht sich auch auf Familie und Freunde.

Sie haben Gabi 1991 geheiratet. 2007 haben Sie in Ihrer Heimat Argentinien zum zweiten Mal geheiratet. Warum? Rossi: Als eine Bestätigung unserer Liebe. Beim ersten Mal hatte ich kein Geld, um meine Familie, die in Argentinien lebt, an unserem Glück teilhaben zu lassen. Bei der zweiten Feier holten wir dies mit 22 Freunden und Familienmitgliedern nach.

Dann wissen Sie genau, wovon Sie singen?
Rossi:
Ja. Es wäre nicht möglich, von der Liebe zu singen, wenn ich sie nicht fühle. Meine Fans würden merken, dass es nicht authentisch ist.

Sie waren Strassenmusiker, als Ihre Frau Ihnen zum ersten Mal begegnete?
Rossi:
Ich spielte mit der Gitarre bei jedem Wetter auf den Strassen. Auch in der Schweiz, Italien und Österreich. Damals war es keine gute Zeit für mich. In einem Hotel in Innsbruck begegnete ich Gabi. Als ich mit einem Teller die Runde machte, gab sie mir ein paar Schilling.

War es Liebe auf den ersten Blick?
Rossi:
Nein, aber wir verabredeten uns für die kommende Woche.

Vermutlich erhalten Sie unzählige Liebesbriefe von weiblichen Fans. Dann ist es doch eher schlecht für das Geschäft, wenn Sie uns von der grossen Liebe zu Ihrer Frau erzählen?
Rossi:
Sicher nicht. Meine Fans sind glücklich, dass ich glücklich mit meiner Familie bin. In vielen Briefen lassen sie meine Frau und die Kinder grüssen. Die Leute bedanken sich sogar bei Gabi und den Töchtern, dass sie ihren Mann und Papa herumreisen und für sie singen lassen.

Apropos Geschäft. Dieter Bohlen hat Ihre neue CD «Symphonie des Lebens» produziert. Wie stehen Sie zu ihm? Rossi:Das ist eine Geschäftsbeziehung.

Als er anfragte, haben Sie zuerst gezögert?
Rossi:
Ich fragte mich tatsächlich, ob er der Richtige sei. Ich ordnete ihn in der Popmusik ein. Aber nach drei Minuten wusste ich, dass es funktioniert mit uns. In Österreich sind wir mit der neuen CD auf Platz eins und in Deutschland auf Platz zwei in den Charts. Dieter hat mit Künstlern wie Peter Alexander, Andrea Berg oder Chris Norman gearbeitet. Er ist ein positiver und kreativer Mensch.

Sie spielen im Sommer beim Volksschlager Heitere Open Air in Zofingen. Erfahrungsgemäss reisen Schlagerfans von weither an. Erkennen Sie Ihre Fans im Publikum?
Rossi:
Ja, die Fans kommen immer wieder. Natürlich kenne ich viele von ihnen. Wir treffen uns nach Konzerten oft zu Autogrammstunden und Gesprächen.

Was auffällt, ist, dass die Musik oft ab Band spielt. Sie selber spielen aber auch Gitarre. Wann nehmen Sie Ihre Gitarre zur Hand?
Rossi:
Bei Kurzauftritten ohne meine Musiker an Festivals mit anderen Künstlern ist es technisch einfacher, mit Halb-Playback zu arbeiten. Bei meinen eigenen Shows spielt aber die ganze Band live. Dort singe ich immer die letzten drei Lieder in meiner Sprache und begleitete mich auf meiner Gitarre.

Sie sind ein gläubiger Mensch. Was bedeutet es für Sie, dass der Papst ein Argentinier ist?
Rossi:
Das macht mich sehr stolz. Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber ich glaube, er ist ein einfacher Mensch, der die Herzen der Menschen erreicht.

Denken Sie, dass er durch seine Herkunft etwas auslöst in der katholischen Kirche?
Rossi:
Ja, das glaube ich. Sein Name Franziskus deutet darauf hin. Der heilige Franziskus hat sich für die Armen eingesetzt.

Sie selber setzten sich ebenfalls für die Ärmsten der Armen ein und haben früher mit Ihrer Mutter Essen in den Slums verteilt. Wie helfen Sie heute?
Rossi:
Bis heute klopfen Leute zu Hause bei meinen Eltern an die Tür. Auch selber spende ich Leuten in Not etwas. Ich finde es übrigens eindrücklich, wie in der Schweiz, in Deutschland und Österreich für Bedürftige gespendet wird. Es ist nicht wichtig, wie viel, sondern dass man etwas gibt.

Für die Argentinier ist ja auch der Fussball eine Religion. Messi ist beinahe ein Messias. Wie stehen Sie zum Fussball im Allgemeinen und zu Messi im Wesentlichen?
Rossi:
Lionel Messi stammt wie ich aus Rosario. Er ist ein genialer Fussballer, und er ist ein bescheidener Mensch. Das mag ich besonders an ihm.

Und Diego Maradona?
Rossi:
Ich habe grossen Respekt vor seiner fussballerischen Leistung. Jeder Argentinier ist stolz auf ihn.

1985 reisten Sie mit einem One- Way-Ticket aus Ihrer Heimat nach Europa. Sie lebten zuerst in Spanien. Was haben Sie vom Leben erwartet?
Rossi:
Mein Traum war, Sänger zu werden und von der Musik leben zu können.

Mussten Sie viel entbehren?
Rossi:
Ja. Ich glaubte, dass es einfach wird und ich als 21-Jähriger einen Vertrag erhalte. Ich musste 20 Jahre warten. Das war eine harte Lebensschule. Deshalb schätze ich heute, dass ich Erfolg habe und mir keine Sorgen machen muss. Ich werde nie vergessen, woher ich stamme.

Wie verkrafteten Sie die Trennung von Ihrer Familie in Argentinien?
Rossi:
Die Musik gibt mir die Kraft. Doch die Sehnsucht ist gross.

Wie bekannt ist Semino Rossi in Argentinien?
Rossi:
Fast gar nicht. Ich hatte einmal einen Auftritt bei den Wasserfällen von Iguasu mit Andrea Berg und Kenny Logins vor 5000 Leuten.