DAS ANDERE INTERVIEW: «Ich hüte mich, vor Ostern Richtung Süden zu fahren»

Damian Meier (39), Leiter der Bereitschafts- und Verkehrspolizei Uri

Roger Rüegger
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Wechselt demnächst
von Uri nach Schwyz:
Damian Meier (39). (Bild Florian Arnold)

Wechselt demnächst von Uri nach Schwyz: Damian Meier (39). (Bild Florian Arnold)

Der 39-jährige Rechtsanwalt Damian Meier ist nur noch bis im Sommer Leiter der Bereitschafts- und Verkehrspolizei Uri. Ab 1. Juli übernimmt der aus Wolhusen stammende Meier den Posten des Schwyzer Polizeikommandanten. In unserem Interview erklärt er, welche Ausreden definitiv nicht vor einer Verkehrsbusse schützen.

Damian Meier, wo verbringen Sie Ihre Osterferien?

Damian Meier: In der Karwoche habe ich Pikettdienst. In den Tagen vor Ostern bin ich grösstenteils in Göschenen mit der Leitung der Verkehrsüberwachung engagiert.

Gute Arbeitseinteilung. Meiden Sie also den Gotthardtunnel während der Ferienzeit?

Meier: Zumindest hüte ich mich davor, in den Tagen vor Ostern Richtung Süden zu fahren. Über die Ostertage fahre ich mit meiner Familie gegen Norden.

Wieso hüten Sie sich? Der Stau wird für Sie kaum ein Problem darstellen. Sie haben doch bestimmt so ein schickes Blaulicht wie Kojak, das Sie bei Bedarf auf das Autodach setzen können und Ihnen ermöglicht, elegant auf dem Pannenstreifen durchzufahren ...

Meier: So ein Blaulicht habe ich schon auf meinem Wagen, ich kann es aber natürlich nur für dienstliche Zwecke einsetzen. Privat hat auch der Chef der Verkehrspolizei keine Sonderrechte. Ich habe in den sechs Jahren meiner Dienstzeit in Uri nie Gebrauch von einer Sonderregelung gemacht und würde mir das auch nie erlauben.

Hätte ich an Ihrer Stelle auch gesagt. Doch selbst wenn, ich würde es nicht verraten. Dafür könnten Sie mir Ihre Natelnummer geben. Weil: Am 4. April kehre ich aus Italien zurück. Sollte ich dann am Gotthard stehen bleiben, rufe ich Sie an, damit Sie mich durchlotsen können. Deal?

Meier: Wenn Sie von Süden her kommen, müssten Sie die Nummer meines Tessiner Kollegen haben.

Haben Sie diese nicht?

Meier: Ich schon. Aber ich wäre froh, wenn mein Kollege auch nach Ihren Ferien noch mein Kollege wäre.

Das leuchtet ein. Wenn ich auf dem Pannenstreifen fahre und von einer Patrouille angehalten werde, richte ich den Polizisten einen Gruss für Sie aus. Funktioniert das?

Meier: Sie glauben gar nicht, wie viele Grüsse ich bekomme von Leuten, die ich gar nicht kenne. Funktioniert nicht.

Hmm. Wir sind ja bei unserer Zeitung stets bemüht, den Lesern einen Service zu bieten. Mit welcher Ausrede hätte man die besten Chancen, ungestraft den Stau auf dem Pannenstreifen zu passieren?

Meier: Mit keiner. Wir können kein Auge zudrücken. Verständnis haben wir nur dann, wenn tatsächlich eine Notsituation besteht. Der Pannenstreifen ist für solche Notfälle und vor allem auch für Ambulanz, Polizei, Feuerwehr oder Pannenhilfe vorgesehen. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn diese Spur blockiert wird.

Ich kann mir vorstellen, dass die Leute kreativ sind und alle möglichen Ausreden erfinden, um die Autobahn dennoch dort verlassen zu können oder aber auf dem Pannenstreifen zu fahren. Was sind die beliebtesten?

Meier: Diejenigen, die dringend auf die Toilette müssen, und solche Leute, die behaupten, nicht gewusst zu haben, dass sie auf dem Pannenstreifen fahren.

Nicht gewusst, dass man auf dem Pannenstreifen fährt? Auf so etwas muss man erst mal kommen.

Meier: Sie haben keine Vorstellung.

Werden die gebüsst?

Meier: Ja.

Was also raten Sie den Leuten im Stau, dass sie nicht die Nerven verlieren?

Meier: Cool down, locker bleiben und genug Flüssigkeit mitnehmen. Wenn Kinder dabei sind, für Beschäftigung oder Unterhaltung der Kinder sorgen. Auf keinen Fall aussteigen und sich nie vom Fahrzeug entfernen.

Wenn man stundenlang im Stau steht, muss man vielleicht mal kurz.

Meier: Es gibt genügend Ausstellplätze und Gelegenheiten entlang von Schweizer Autobahnen, um sich zu erleichtern. Zudem gibt es Gaststätten. Ich empfehle, kurz eine Pause einzulegen, sich mit einem Sandwich zu stärken und ausgeruht loszufahren.

Und wenn man dennoch im Stau steckt, besteht immer noch die Gefahr, dass man sich aufregt. Sich die Füsse vertreten liegt also keinesfalls drin?

Meier: Das bringt Ihnen keinen Vorteil, und nein, das Aussteigen ist tabu. Wir haben schon Leute gesehen, die Badminton spielten auf der Fahrspur. Das geht nicht und ist verboten. Zumal verzögern solche Aktionen den Verkehrsfluss zusätzlich. Auf unseren Autobahnen steht man nämlich nie stundenlang.

Dann verraten Sie mir als Stauexperte doch, warum die Staumeldung im Radio immer erst dann kommt, wenn ich schon mittendrin stecke, oder aber dann, wenn der Stau längst vorbei ist und ich mich auf einer 30 Kilometer längeren Alternativroute befinde?

Meier: Wir sind in der Schweiz eigentlich recht schnell mit den Verkehrsmeldungen. Vielleicht nehmen Sie die Staumeldungen immer erst dann zur Kenntnis, wenn Sie drinstecken.

Dann drehe ich immer das Radio an, das stimmt. Noch eine Frage: Wechseln Sie als Kommandant zur Kantonspolizei Schwyz, weil Sie die Nase selber voll haben von den ewigen Staus?

Meier: Überhaupt nicht. Die Leitung des polizeilichen Verkehrsdienstes bei Stau ist zwar nicht meine liebste Tätigkeit. Aber bei der Verkehrspolizei Uri zu arbeiten, ist fast einer der besten Jobs, die man haben kann. Schöner ist vermutlich nur, das Kommando über ein Korps zu haben.

Roger Rüegger