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DAS ANDERE INTERVIEW: «In Thailand habe ich Blut geleckt»

Celina Singer (21), Trägerin des braunen Gurts im Shotokan-Karate und Polydesignerin 3D im 4. Lehrjahr
Celina Singer. (Bild PD)

Celina Singer. (Bild PD)

Celina Singer aus Immensee ist Polydesignerin 3D im 4. Lehr­jahr. Sie ist Braungurt-­Trägerin (2. Kyu) im Shotokan-Karate. Für die Vertiefungsarbeit der Berufsschule reiste sie für drei Wochen nach Thailand zum Thaiboxen, ein Vollkontakt-Kampfsport. Warum Schmerzen eine Lebensschule sind und wie sie sich Respekt in der Fremde verschaffte, erzählte sie uns nach ihrer Rückkehr.

Celina Singer, Sie trainierten Thai­boxen in Thailand. Wann haben Sie diesen Schritt zum ersten Mal bereut?

Celina Singer: Nach dem ersten Training, als ich meine geschundenen Beine begutachtete.

Sie wollten es doch so haben?

Singer: Genau, wenn ich nach Japan zum Shotokan-Karate-Training gegangen wäre, wo ohne Vollkontakt gekämpft wird, wäre es einfacher und weniger schmerzhaft gewesen. Aber ich wählte den Sprung ins kalte Wasser. Es war immer mein Traum, einmal Boxhandschuhe anzuziehen.

Warum nicht hier in einem Boxclub?

Singer: Die Idee mit Thaiboxen in Thailand kam von meiner Mutter. Gesagt, gebucht. So kam ich spontan zu meinem grossen Abenteuer.

Und einem schmerzhaften. Warum tut man sich so etwas an?

Singer: Das fragte ich mich zuerst auch. Es ist ein gutes Gefühl, den Körper derart zu spüren. Und es ist unbeschreiblich, einen Thai in seiner Disziplin mit einem Kick zu treffen und so seine Anerkennung zu gewinnen. Meine Vertiefungsarbeit der Berufsschule befasst sich mit der Verantwortung für den eigenen Körper. So habe ich meinen Traum realisiert und gleichzeitig für meine Arbeit recherchiert. Näher am Thema sein kann man nicht.

Wie hoch ist bei den Thais die Hemmschwelle, eine Frau zu schlagen?

Singer: Die interessiert nicht, dass eine Frau im Ring steht. In der ersten Woche nahmen sie etwas Rücksicht, aber danach gingen die zur Sache. Es war okay, ich war ich nicht dort, um Ferien zu machen.

Das war wirklich okay?

Singer: In den ersten Tagen wünschte ich, dass die Schmerzen bald vorübergehen. Bald merkte ich, dass das Lehrgeld gut investiert ist, und begann es zu geniessen.

Geniessen? Wie denn das?

Singer: Ich hatte viele neue Eindrücke zu verarbeiten. Die Thais reden nicht dieselbe Sprache, aber ich wollte von ihnen lernen. Zudem musste ich mir Respekt verschaffen. Ich hätte mich oft in die Ringecke setzen und losheulen können. Aber ich wollte und konnte mich nicht verstecken. Für mich war es viel mehr als nur Boxen, es war eine Lebensschule.

Sie hatten bestimmt auch keine Hemmungen, zuzuschlagen?

Singer: Nein, ich habe es genossen, richtig loszulegen. Ich lernte im Shotokan-Karate, Schläge abzubremsen. Aber Thaiboxen ist keineswegs blindes Drauflosschlagen. Dieser Sport hat viel mit Respekt zu tun.

Offensichtlich, denn es scheint, dass Sie Feuer gefangen haben. Stimmts?

Singer: Ja, ich habe Blut geleckt.

Sie wurden mit der Karateschule Sursee Vize-Schweizer-Meister im Team. Welchen Aufwand betreiben Sie?

Singer: Von meiner Freizeit geht sehr viel für den Sport drauf. Ein anderes Hobby ist die Guuggenmusig Immo­geister.

Was ist Ihnen wichtiger?

Singer: Ich liebe die Immogeister. Aber es gibt Wochenenden, an denen Karate-turniere wichtiger sind.

Warum betreiben Sie Kampfsport?

Singer: Meine Schwester Julia trainierte Karate. Ich wollte werden wie sie.

Meine Arbeitskollegin will wissen, ob die Männer Angst vor Ihnen haben.

Singer: Ich glaube schon.

Im Ernst?

Singer: Oft habe ich den Eindruck, dass ich anders behandelt werde als die meisten Frauen. Respekt ist bestimmt da.

Hätten Sie einen Tipp, wie man aufdringliche Verehrer los wird?

Singer: Einfach wegdrehen.

Was halten die Jungs von Ihrem Thailand-Trip?

Singer: Am letzten Dorffest wollte einer wissen, was mit mir nicht stimmt.

Was haben Sie geantwortet?

Singer: Gelacht und einen Drink bestellt.

Warum wählten Sie nicht Volleyball oder Kunstturnen?

Singer: Für Ballsport habe ich kein Talent. Und Kunstturnen macht keinen Spass. Mein Sport ist Karate. Ich will nun die Prüfung zum 1. Kyu ablegen und dann den schwarzen Gurt in Angriff nehmen.

Was halten Sie von Chuck-Norris-Witzen?

Singer: Einige sind ganz gut. Aber Vorsicht, in der Guuggenmusig habe ich den Spitznamen Chucky.

Wollten Sie nie Prinzessin oder Ballerina werden?

Singer: Doch, gaaanz früher liebte ich Rössli und Ballett.

Und dann?

Singer: Dann gings bergab mit mir ...

Roger Rüegger

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