DAS ANDERE INTERVIEW: «Wir liegen ja nie falsch»

Kari Hediger (60), Muotathaler Wetterschmöcker

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Kari Hediger, Muotathaler Wetterschmöcker, fotografiert in Illgau. (Archivbild Neue LZ)

Kari Hediger, Muotathaler Wetterschmöcker, fotografiert in Illgau. (Archivbild Neue LZ)

Der Dezember werde meist frostig und hochwinterlich, und im Februar halte der Winter Einzug. Dies prophezeite Kari Hediger (60) «Naturmensch» an der Generalversammlung der Muotathaler Wetterschmöcker im Oktober im MythenForum Schwyz. Wir haben nach gefragt, wann der Winter nun wirklich stattfindet.

Kari Hediger, mit Ihrer Prognose liegen Sie ja voll daneben. An der GV sagten Sie, dass im Februar der harte Winter im Anzug sei. Jetzt bin ich mal gespannt, wie Sie sich da herausreden?

Kari Hediger: Ich sagte, dass er kommt, aber nicht wo. Ich meinte den Süden, dort liegt jetzt Schnee. Das habe ich wohl vergessen zu erwähnen im Mythen-Forum.

Ach so, vergessen. Gut, aber Sie sagten auch grosse Kälte voraus und dass die Schnapsbrenner mehr und stärkeren Schnaps brennen sollten, weil das «Güderiwasser vo usse» gefriert. Ich will Ihnen ja nichts unterstellen, aber als Sie dies sagten, wars auch schon etwas später am Abend ...

Hediger: ... und wir hatten schon ein wenig getrunken, aber Hiesiges. Ich meinte, dass das ausländische «Güderiwasser» gefriert, dafür muss es nicht so kalt sein.

Trotzdem liegen Sie nicht ganz richtig mit Ihrer Prophezeiung. Gerade jetzt haben wir Föhn mit irre warmen Temperaturen.

Hediger: Daran sind die Hüsli­schneggen schuld. Ich orientiere mich ja nach denen. Die merken den Föhn aber nicht, haben kein «Grindweh», weshalb ich den Föhn nicht vorhersehen konnte.

Immerhin, im November lagen Sie fast richtig. Besonders mit der Aussage «wenn es am Martini keine Wolken hat, scheint die Sonne» haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

Hediger: Ja, und auch der Dezember war ein Treffer. Den Stefanstag habe ich perfekt vorausgesagt.

Erinnern Sie sich denn noch an das Wetter der einzelnen Tage?

Hediger: An jeden einzelnen. Am Martini hatten wir Sonne.

Ich verrate es Ihnen, wie es in Luzern und Schwyz war: Schneeregen. Es hat «guchset», um es mit Ihren Worten zu sagen.

Hediger: Schneeregen ist typisches Aprilwetter. Da scheint immer wieder die Sonne durch. Das sagte ich doch.

Ihre Stärke ist eigentlich nicht das Vorausschauen, aber Sie können das wüste Wetter schönreden, nicht wahr?

Hediger: Nun, ich schreibe jeden Abend das Tageswetter bei einem Glas Wein auf und studiere es dann.

Und deswegen sollen Ihre Prognosen richtig sein?

Hediger: Genau. Es gibt zwar genug, die studieren, aber zu wenig Gescheite. Bei mir ist das anders, darum stimmen meine Vorhersagen.

Sie sind wirklich nicht auf den Mund gefallen. Sagen Sie mal, was ist eigentlich so faszinierend, über das Wetter zu reden?

Hediger: Dem Wetter bin ich als Bauer und Forstarbeiter jeden Tag ausgesetzt. Darum interessiert es mich.

Ich dachte, man spricht nur übers Wetter, wenn einem nichts Gescheiteres einfällt. So machen es wir Journalisten, wenns keine schlauen Geschichten gibt. So wie jetzt. Glauben Sie, dass dieses Interview überhaupt jemanden anderes als uns zwei interessiert?

Hediger: Das findet ganz sicher Anklang. Vermutlich erzielen Sie damit Verkaufszahlen wie nie. Wetter, Geld und Frauen sind immer Themen.

Meinen Sie? Dann machen wir weiter. Sie und Ihre Kollegen haben mittlerweile Kultstatus, sind praktisch Stars. Passt Ihnen das?

Hediger: Ja, das gefällt mir gut.

Ihre GV sind immer gut besucht. Warum eigentlich?

Hediger: Weil wir die Wetterprophezeiung auf humorvolle Weise ohne Technik bringen. Die Leute wollen nicht immer ernste Themen.

Und auch, weil es bei Ihren Anlässen für 10 Franken Braten, Kartoffelstock und Witze gibt?

Hediger: Richtig, sogar zweimal im Jahr. Das gibt es sonst nirgends. Aber alleine uns anzuschauen, ist einen Besuch wert. Wir haben immer viele Frauen im Publikum.

Aber es gibt keine Wetterschmöckerin. Warum?

Hediger: Weil wir Propheten sind und Frauen keinen Bartwuchs haben.

Ach so. Jetzt aber mal im Ernst. Wann kommt der Winter bei uns?

Hediger: Der müsste von mir aus nicht mehr kommen. Aber Ende Februar ist es so weit, und im März gehts weiter.

Ich glaube Ihnen kein Wort.

Hediger: Nicht?

Die Meteorologen trauen sich kaum Prognosen über fünf Tage hinauszugeben. Denn wenn sie falsch liegen, müssen sie sich rechtfertigen. Ihr Muotathaler dagegen habt keine Berührungsängste. Ihr redet euch locker aus der Affäre. Verzeihen die Leute eure falschen Vorhersagen?

Hediger: Rückmeldungen von den Leuten gibt es schon. Aber wir liegen ja nie falsch. Irgendwo trifft es immer zu. Sollte ich irgendeinmal doch nicht ganz richtig liegen, stinkt es mir wahrscheinlich schon.

Es könnte also vorkommen, dass Sie daneben hauen?

Hediger: Die Schnecken sind zwar langsam, aber manchmal fehlt mir die Zeit, denen nachzurennen und exakte Prognosen zu erstellen.

Dann lasse ich Ihnen die Zeit und wünsche einen schönen Tag.

Hediger: Sie sind gut, es regnet, und ich muss jetzt zurück in den Wald zum Holzen.

Der heutige Regen überrascht Sie aber jetzt nicht?

Hediger: Natürlich nicht, das wusste ich schon im Herbst ...

Interview Roger rüegger