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Das Feuerwehrauto ist sein Heim

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Roger Rüegger
Claudio Röllin vor seinem zum Wohnmobil umgebauten Tanklöschfahrzeug auf dem Parkplatz beim Sedel. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 26. Juni 2017))

Claudio Röllin vor seinem zum Wohnmobil umgebauten Tanklöschfahrzeug auf dem Parkplatz beim Sedel. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 26. Juni 2017))

Ein Feuerwehrauto ohne Blaulicht und Signalhorn sorgt kaum für Aufsehen. Ein Wohnmobil lockt auch keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Eine andere Geschichte ist es, wenn der rote Wohnlastwagen von Claudio Röllin auftaucht. Der 26-jährige Zuger hat ein Tanklöschfahrzeug zu einem Heim umgebaut. «Meine Vorstellung ist seit längerer Zeit, günstig und mobil zu wohnen. Ich brauche tiefe Fixkosten, weil ich weniger für Geld arbeite, aber mehr Zeit mit Familie und mit eigenen Projekten verbringe», sagt der Zimmermann.

Vor drei Jahren erstand er bei der Feuerwehr in Friedberg bei Stuttgart einen Mercedes Kurzhauber des Typs 1113 mit Baujahr 1973. «Der war genau richtig für mein Projekt», erklärt Röllin. Er habe auch bewusst ein älteres Modell gesucht, weil man an denen noch selber schrauben könne. Zudem sei die Maschine lang­lebiger und zuverlässiger als die heutigen. Entsprechend seien Motor, Getriebe und Chassis in hervorragendem Zustand gewesen.

Der Handwerker arbeitet als selbstständiger Zimmermann und betreut in seiner zweiten Tätigkeit ausserdem Kinder. Demnächst fährt er für zwei Monate in den Norden Europas. Aber nicht etwa, um sich ein schönes Leben abseits der Baustellen zu machen, sondern um die Schweden und die Norweger mit Schweizer Handwerk zu unterstützen. Arbeit in Skandinavien hat er sich bereits gesichert.

Dass er etwas vom Holzbau versteht, liegt angesichts seiner Ausbildung ja auf der Hand. Wir konnten uns davon überzeugen. Auf der Sedelstrasse in Richtung Autobahn liess Claudio Röllin dieser Tage eine Anhalterin zusteigen, was es un­serem Reporter-Team ermöglichte, ebenfalls anzuhalten und ihn spontan anzusprechen. Freundlicherweise war er gerne bereit, uns Zutritt zu seinem Wohnmobil zu gewähren. Er­staunlicherweise war die Temperatur im Inneren des Holzaufbaus angenehm, obwohl die Aussentemperatur gut 30 Grad betrug. «Ich habe den Wandaufbau wie bei einem Haus konstruiert. Nämlich mit einer hinterlüfteten Fassade, damit die Luft zirkulieren kann», beschreibt Röllin den Fachbau.

Dass er demnächst nach Skandinavien aufbrechen wird, hat auch besagte Anhalterin interessiert. Nach einem kurzen Schwatz mit ihr war klar, weshalb. Sie heisse Isabelle und stamme aus Schweden, sagte sie. Ob das zu einem Gegen­besuch führt, werde sich zeigen, so Röllin. Er ist übrigens auch Chauffeur bei der Feuerwehr in Menzingen. Hinter dem Steuer seines «Laschtis», wie er seinen Eigenbau nennt, ist er also quasi daheim. Sogar das Martinshorn ist noch auf dem Dach der Fahrerkabine montiert. Ob es funktioniert, kommentiert er jedoch nur knapp: «Dazu sage ich nichts.»

Ist auch egal, für Aufsehen sorgt er mit seinem Feuerwehrwohnmobil auch ohne Blaulicht und Signalhorn.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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