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DAVOS: Schindler-Chef geht am Wef auf Talentsuche

Zum Jubiläum ist auch Schindler-CEO und -Verwaltungsrats-Präsident Alfred N. Schindler am Wef. Er erklärt. was es bringt.
Schindler-CEO und -Verwaltungsrats-Präsident Alfred N. Schindler. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Schindler-CEO und -Verwaltungsrats-Präsident Alfred N. Schindler. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Wie oft sind Sie am Wef anzutreffen?

Alfred N. Schindler: Früher war ich regelmässiger am Wef, nicht aber die letzen fünf oder sechs Jahre. Angesichts der vorliegenden Krise fand ich einen Besuch zum 40-Jahr-Jubiläumsforum angebracht. Allerdings bin ich nur zweieinhalb Tage hier.

Das klingt nach einem Marathon-Programm. Haben Sie die Anzahl Meetings gezählt?

Schindler: Nein. Ich habe sehr sorgfältig geplant. Davos bietet den Vorteil, dass ich wichtige Geschäftspartner treffen kann, ohne weit reisen zu müssen. Das ist sehr effizient und für mich ein wichtiger Grund am Wef teilzunehmen.

Eine Vorbereitung aufs Wef lohnt sich also?

Schindler: Ganz bestimmt. Ich habe mich gezielt auf ein Treffen vorbereitet. Daneben habe ich Meetings geplant, bei denen ich zufrieden bin, wenn sie tatsächlich stattfinden. Davos steht nicht zuletzt auch für einen grossen Rummel. Aber ich bin sehr zufrieden, ich habe erreicht, was ich erreichen wollte.

Also bleibt noch etwas Zeit, um den Rummel auch zu geniessen?

Schindler: Nein, ich reise rasch wieder ab. Ich bin weder am Rummel noch an Partys sonderlich interessiert. Zutreffend wurde über mich schon geschrieben, dass ich zu den stillen Schaffern gehöre.

Treffen Sie hier mehr Politiker oder Wirtschaftvertreter?

Schindler: Beides. Abseits vom Rummel besteht die Möglichkeit ungestört zu diskutieren. Die Meetings haben absoluten Verhandlungscharakter. Sie dienen hauptsächlich dem Abtasten und zur Begutachtung, beispielsweise von neuen Märkten. Wichtig ist für mich weiter das spontane Networking, das sich in der enormen Dichte von Menschen geradezu aufdrängt. Es ist immer wertvoll sich zu sehen, auch wenn es nur kurz ist. Diese Möglichkeit ist am Wef gegeben.

Gehen Sie auch auf Talentsuche?

Schindler: Ja, sicher. Dies ist für mich mit ein Grund hier zu sein. Ich besuche auch ähnliche Veranstaltungen, um nach hoch qualifizierten Managern Ausschau zu halten. Tatsächlich habe ich auch Mitglieder des aktuellen Schindler Verwaltungsrats an derartigen Veranstaltungen kennen gelernt. Allerdings nicht in Davos.

Gibt es noch andere Gründe für Sie, ans Wef zu reisen?

Schindler: Ja, es geht mir auch darum, die Temperatur dieser Krise aufzunehmen. Ich bin jetzt rund 30 Jahre im Geschäft und habe vieles gesehen, aber diese Krise ist enorm komplex. Sie findet auf vier, wenn nicht fünf Ebenen statt und ist noch längst nicht vorbei.

Welche Temperatur herrscht denn?

Schindler: Nun, es gibt die chronischen Optimisten, die chronischen Pessimisten und diejenigen, welche versuchen der Sache analytisch auf den Grund zu gehen. Aus meiner Sicht hat die Krise die Komplexität von mindestens fünf Ebenen.

Welches sind diese?

Schindler: An erster Stelle stehen die Bankenrisiken als solche, bei denen die akute Phase klar hinter uns liegt. Zweitens sind es die vielen Rettungsaktionen, die zu einer massiven Verschuldung von zahlreichen Staaten geführt haben. Die dritte Ebene ist die Mainstreet-Krise. Also die Rezession ausserhalb des Bankensystems. Viertens ist die Vertrauenskrise zu nennen. Der Vertrauensverlust ist gewaltig. Zuerst betraf der Vertrauensverlust die Banken. Sehr schnell hat sich dieser Vertrauensverlust allgemein auf sämtliche Führungskräfte ausgedehnt. Das Ausmass ist gigantisch. Die fünfte Ebene der Krise ist die Migration der Märkte, und zwar weg von Europa und den USA in Richtung Asien. Das ist eine immense Bewegung, die im Moment ob all den andern Problemen ein wenig vergessen geht.

Viele sehen also die Krise nicht in ihrer komplexen Ganzheit?

Schindler: So ist es. Nur ganz wenige, so stelle ich es fest, schauen sich die Krise gesamthaft an. Es wird über die Börse oder eine der erwähnten Ebenen gesprochen. Zusätzlich gibt es noch weitere Krisenelemente, etwa das Klima. Gesamthaft betrachtet ist die Situation kritisch.

Wie lautet denn Ihr Rezept?

Schindler: Das Gefährlichste wäre, jetzt die Köpfe in den Sand zu stecken. Es gilt auf die ganz normalen Tugenden wie Fleiss, Produktivität, gute Risikoanalysen, Qualität der Produkte sowie vor allem auf den Kundennutzen zurückzukommen. Im Vergleich zu früher stelle ich allgemein fest, dass die Stimmung gedrückt ist. Nicht unbedingt für dieses Jahr, aber – je nach dem mit wem man redet – auf längerfristige Sicht.

Interview von André Häfliger, Davos

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