Der heilige Valentin kann nichts dafür

Josef Kurz/Idw
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Es gibt eine ganze Reihe von Anekdoten und Hinweisen auf den Bezug des Valentinsbrauchs zum heiligen Valentin, dem Bischof von Terni aus dem 3. Jahrhundert. Es gibt drei Heilige mit Namen Valentin, aber die beiden anderen spielen in Zusammenhang mit dem Valentinstag keine Rolle.

Und der Bischof von Terni? Er soll als Bischof in Rom durch eine Krankenheilung viele Leute für den christlichen Glauben gewonnen haben. Dies trug ihm eine Anklage vor Gericht ein und darauf auch den Märtyrertod durch Enthauptung. Der heilige Valentin gilt in der katholischen Heiligenkunde als Schutzpatron gegen Fallsucht (Epilepsie). Den Liebenden oder Verliebten hingegen ist er überhaupt nicht als Schutzpatron nahezubringen.

Dass der heilige Valentin nichts mit dem heutigen Tag der Liebenden zu tun hat, zeigt sich auch darin, dass die ersten Valentinsbräuche aus dem 14. Jahrhundert in Frankreich überliefert sind. Dass ein Brauchtum über 1100 Jahre verschüttet ist und dann wieder lebendig wird, zudem in einem anderen Land, scheint doch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist deshalb die Entstehung des Festes aus anderen Anlässen.

Kirchliche Grundlage für den Tag des heiligen Valentin ist der auf Epiphanie (6. Januar) der Ostkirche folgende vierzigste Tag des Festes der Darstellung des Herrn, nämlich der 14. Februar. Dieser Tag entspricht dem Fest Lichtmess in der Westkirche (2. Februar).

Im Zuge der kulturellen Auswirkungen der Kreuzzüge kam im 14. Jahrhundert das Brauchtum des 14. Februar nach Frankreich, hatte jedoch keinen religiösen Bezug und wurde zu einem ausserkirchlichen Fest gemacht. Vieles spricht dafür, dass die im 12. und 13. Jahrhundert von Frankreich ausgehende Minne im Sinne eines «liebenden Gedenkens» für den niederen Adel und das Bürgertum «institutionalisiert» wurde, was sich am besten durch einen Brauchtumstag machen liess. In Abwandlung eines dem Fest zu Grunde liegenden liturgischen Begriffes wurde der Tag dann nach dem am 14. Februar zu feiernden Gedenktag des heiligen Valentin (Bischof von Terni) benannt.

Für eine Entstehung des Valentinstags ausserhalb der kirchlichen Einflusssphäre spricht auch der unter den seinerzeitigen Moralbegriffen fragwürdige Inhalt, indem junge Paare durch Los füreinander bestimmt wurden und nach Austausch von Geschenken für ein Jahr in einem verlobungsähnlichen Verhältnis verbunden sein sollten.

Josef Kurz/IDW