DIÄT: Plötzlich purzelten die Pfunde

Abnehmen ist ein beliebter Neujahrsvorsatz. Wir erzählen hier die Geschichte von zwei Menschen, die nach einer langen Leidensgeschichte viele Kilos verloren haben.

Simone Hinnen
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Gaby Laimbacher und Charly Freitag nahmen 14 bzw. 40 Kilo ab. (Bild: Manuela Jans)

Gaby Laimbacher und Charly Freitag nahmen 14 bzw. 40 Kilo ab. (Bild: Manuela Jans)

Gaby Laimbacher: 14 Kilo abgenommen

Egal ob Trennkost, Trinkkur oder Popcorn-Kur: Die Küssnachterin Gaby Laimbacher (32) hat so ziemlich jede Diät ausprobiert, die sich auf dem Markt finden liess. Ohne Erfolg. Stets hat sie sich nach erfolgreichem Abnehmen die Kilos wieder angegessen und brachte im schlechtesten Fall noch einige zusätzlich auf die Waage. Kurzum: Die 75 Kilo bei 1,63 Metern wollten einfach nicht weniger werden.

Mutter zur Diät überredet

Dann, vor etwas mehr als neun Jahren, wollte sie ihre übergewichtige Mutter unterstützen und überredete diese zu einer Diät. Es war nicht die erste. Die angepeilte Diät hatte die Mutter schon einmal ausprobiert und dank dieser 40 Kilogramm verloren. «Ich ging da mehr oder weniger wegen meiner Mutter hin», sagt Ga-
by Laimbacher rückblickend. Der Weight-Watchers-Methode stand sie eher skeptisch gegenüber. Denn der Erfolg basierte damals noch auf dem Addieren einer bestimmten Punktezahl pro konsumiertes Lebensmittel, was sich im ersten Augenblick als etwas kompliziert anhört. Doch: «Sobald man das Programm verinnerlicht hat, weiss man genau, was noch drinliegt. Man muss auf kein Lebensmittel generell verzichten, sondern nur richtig einteilen.»

Innert einem halben Jahr hatte sie ihr Wunschgewicht erreicht und 14 Kilogramm abgenommen. Quasi im Gleichschritt mit den purzelnden Kilos begann sich auch ihr Äusseres zu verändern: Aus der burschikosen Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt wurde eine feminine, langhaarige Blondine. «Plötzlich fühlte ich mich attraktiv und schön und verfügte somit über sehr viel Ausstrahlung.»

Lange Zeit Single

Gaby Laimbacher ist seit ihrem 22. Lebensjahr mit ihrem heutigen Mann zusammen. Anders als vielleicht andere junge Frauen hatte sie in ihrer Jugend keinen Freund. «Das fand meine Mutter beunruhigend und machte mich traurig.» Bereits als Jugendliche hatte Gaby Laimbacher das Bedürfnis abzunehmen. Darüber geredet hat sie nie. Dafür versuchte sie schon damals, nicht zu viel zu essen. Und sie zog lockere Kleider an, die vieles kaschierten.

Ein striktes Ess-Konzept

Die 61 Kilos hält sie nun seit über neun Jahren. «Das geht nur, weil ich weiss, wie ich mein Essen geschickt plane und mich nach Feiertagen wie Weihnachten strikte an das Esskonzept von Weight Watchers halte.» Sie versucht, sich so gesund wie möglich zu ernähren. Auf einem Wochenplan hält sie die einzelnen Menüs fest. Am Morgen sind dies ein Milchkaffee mit Rahm sowie ein Magerjoghurt mit Früchten. Im Geschäft isst sie am Mittag selber Mitgebrachtes aus dem Tupperware, etwa Reis mit einer Pouletbrust und Salat. Früchte gibts am Nachmittag und ein gemeinsames Nachtessen mit ihrem Mann am Abend.

Ihr Mann hat nicht die Veranlagung zum Zunehmen. «Das ist schön für ihn, aber für mich nicht immer ganz einfach», gibt Gaby Laimbacher unumwunden zu. Ihr Mann habe zwar viel Verständnis für ihren Wunsch, ja nicht zuzunehmen. Es sei aber auch nicht so, dass er sie in Bezug auf die Essgewohnheiten unterstütze. «Frage ich ihn, was er heute essen will, so sagt er oft: ‹Cervelat-Salat mit Käse›.»

Charly Freitag: 40 Kilo abgenommen

Schon als Kind hat Charly Freitag (36) gerne und gut gegessen. Der Luzerner FDP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Beromünster hatte dazu genügend Gelegenheit. Da beide Eltern berufstätig waren, kochte für ihn stets die Grossmutter. Und die war gelernte Köchin. So gab es in seiner Kindheit Nüdeli mit viel Butter, leckere Brotaufstriche, feine Desserts, ja, eigentlich alles, was sein Herz begehrte.
Während andere Kinder an seiner Stelle vielleicht schlank geblieben wären, nahm Charly Freitag aufgrund seiner Veranlagung bereits als junger Bursche zu. «Eingeschränkt fühlte ich mich deswegen nie», sagt er rückblickend. «Auch hatte ich viele Freunde.» Kam hinzu, dass er sich mit 21 Jahren verliebte und sie seine Liebe erwiderte. Inzwischen sind die beiden glücklich verheiratet. «Ich hatte entsprechend nie einen grossen Leidensdruck», sagt er. Zumindest eine Zeit lang nicht.

Mühsames Treppensteigen

Mit weiteren Kilos und ab einem gewissen Alter bekundete er zunehmend Mühe, den Berg hochzulaufen oder Treppen zu steigen. Auch wurde das Einkaufen von Kleidern mühsam, ja eigentlich bereitete so ziemlich vieles Mühe. «Ist der Sitz im Flugzeug genügend breit für mich?» Oder: «Kann ich diese Telefonkabine betreten?» Dies waren Fragen, die sich dem beliebten und geselligen Politiker im Alltag stellten. Und so probierte er die eine oder andere Diät aus – auch in Begleitung seines Arztes. Der Erfolg war stets von kurzer Dauer. 2011 hatte er genug von all den erfolglosen Versuchen. Charly Freitag wollte vorübergehend nichts mehr vom Abnehmen wissen – und nahm im Vorfeld der Gemeinderatswahlen noch einmal kräftig zu. Sein damaliges Gewicht bleibt sein Geheimnis.

Arzt riet zum Magenbypass

Dann kam der Tag, als ihm der Hausarzt zu einer Operation riet. Und Charly Freitag nach reichlicher Bedenkzeit zusagte. Die Operation, bei welcher sein Magen quasi um die Hälfte verkleinert und der Darm verkürzt wurde, verlief erfolgreich. Zu Komplikationen kam es nicht. Und so begann für den damals 34-Jährigen im Oktober 2012 eine neue Zeitrechnung. Charly Freitag nahm wöchentlich ein Kilogramm ab. Inzwischen hat er über 40 Kilogramm verloren.

Mit der Operation ist es vorbei mit seinen Essgelüsten. An Nussgipfeln, die er vorher heiss geliebt hatte, kann er vorbeilaufen. Sie schmecken ihm ohnehin nicht mehr. Dafür mag er Oliven, die ihm vor seiner Operation überhaupt nicht behagt hatten. «Es ist unglaublich, aber ich verfüge heute über sehr viel mehr Lebensqualität», sagt Charly Freitag.

Der Wille reichte nicht aus

Mit jedem verlorenen Kilogramm wurde es offensichtlicher, dass Charly Freitag extrem abgenommen hatte. Und die Leute sprachen ihn darauf an. «Alle reagierten sehr positiv», sagt Freitag, der nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er sich einer Operation unterzogen hatte. Einziger Wermutstropfen: Er musste sich quasi im Monatsrhythmus neue Kleider kaufen. Das ging zwar ins Geld, doch nahm er dies gelassen angesichts der Tatsache, dass er nun viel agiler durchs Leben gehen konnte. Was ihn nach wie vor beschäftigt, ist der Umstand, dass eine Operation möglich machte, wozu sein Willen nicht ausreichte.