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DIALOGE: Gemeinde Baar ist besonders aktiv bei Woche der Religionen

Während der Woche der Religionen bringt sich die Zentralschweizer Gemeinde Baar besonders aktiv ein. Die Organisatoren sind überzeugt: Begegnung und Austausch sind die Essenz des interreligiösen Miteinanders.
Andreas Faessler
Sie gestalten die Woche der Religionen aktiv mit: Religionspädagoge Robert Pally (links) und Dilaver Çiçek, Präsident der Moschee Baar. Hier in der Pfarrkirche St. Martin. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 30. Oktober 2017))

Sie gestalten die Woche der Religionen aktiv mit: Religionspädagoge Robert Pally (links) und Dilaver Çiçek, Präsident der Moschee Baar. Hier in der Pfarrkirche St. Martin. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 30. Oktober 2017))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Interreligiöses Verständnis spielt in einer Gesellschaft, die zunehmend multikulturell geprägt ist, eine immer wichtigere und nicht zuletzt friedensstiftende Rolle. Die jährliche Woche der Religionen (siehe Kasten) will genau hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Vorurteilen und Ängsten entgegenwirken und Respekt fördern will.

Besonders aktiv innerhalb dieser landesweiten Veranstaltungsreihe in diesem Jahr ist die Gemeinde Baar – mit insgesamt 14 thematischen Anlässen an fünf Tagen. Der Anstoss zu diesem ­Engagement kam vom Baarer ­Religionspädagogen Robert Pally. «Wir sollten endlich erkennen, dass im Grunde alle Religionen auf einem gemeinsamen Weg sind, weil sie im Grunde ein und dasselbe Ziel haben», sagt Pally. Er verbildlicht es mit einem Berg, dessen Spitze in den Wolken liegt. Auf allen Seiten bewegen sich die unterschiedlichen Religionen die Bergflanken empor – auf der Suche nach dem Geheimnis in den Wolken. Wie wichtig solche Veranstaltungen sind, wie sie im Rahmen der Woche der Religionen stattfinden, zeigen dem Baarer Religionslehrer nicht zuletzt einschlägige Erfahrungen. Pally führt ein Beispiel an: «Es gibt selbst in unseren Breitengraden noch immer Leute, die ernsthaft die Juden für den Tod Jesu verantwortlich machen!» Solchen und anderen Vorurteilen und Auffassungen soll entgegengewirkt werden.

Gezielte Einbindung von Schulklassen

In Baar wird jeden Tag eine Weltreligion im Mittelpunkt stehen – das Christentum, das Judentum, der Islam und als nicht abrahamitische Religion der Hinduismus. Vorträge, Begegnungen und Besuche von Gotteshäusern respektive Tempeln werden den Besuchern die jeweilige Religion näherbringen. Die Breite der Anlässe ist bewusst so gewählt, damit alle Generationen angesprochen sind. Jeweils vormittags findet ein Veranstaltungsblock eigens für Schulklassen statt. «Dass die Jugend mit eingebunden wird, ist mir besonders wichtig», sagt der Religionspädagoge, der unter der Schülerschaft ein reges Interesse am Thema feststellt.

Auch Dilaver Çiçek, Präsident der Moschee Baar und Mitglied des Organisationskomitees, begrüsst die aktive Teilnahme des Nachwuchses. Schon viele Schulklassen, Vereine und andere Gruppen hat er in seiner Moschee in Blickensdorf begrüsst, ihnen das Gotteshaus ­gezeigt und den Islam nähergebracht. «Bezüglich interreligiösen Dialogs stelle ich im Kanton Zug eine vorbildliche Situation fest», sagt Çiçek. Er sieht die die Offenheit der Schulen und der Jugend als starkes Zeichen für das interkulturelle Miteinander.

Mehr gemeinsam, als man denkt

Auch für Dilaver Çiçek selbst als gläubigen Moslem bringt die Woche der Religionen ganz neue Einsichten. Çiçek: «Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben eine Synagoge von innen sehen.» Darauf freut er sich. «Das Judentum und der Islam haben viel mehr gemein, als man denkt», so Çiçek. Dasselbe gelte fürs Christentum. «Dass Jesus für die Moslems einer der wichtigsten Propheten ist und Maria im Koran als eine der höchsten Frauen angeführt wird, ist leider vielen nicht bewusst.» Religiöse Unkenntnis sei daher ein allgemeines Problem. Dieses Manko werde immer wieder politisch ausgenützt, bedauert Dilaver Çiçek.

Dem Frieden verpflichtet

«In Zeiten wie jetzt, wo etwa der IS immer wieder im Zentrum der Berichterstattung steht, ist es besonders wichtig, über den wirklichen Islam Bescheid zu wissen», findet Robert Pally, der sich selbst über Jahre hinweg mit dem Islam auseinandergesetzt hat und ein ganz anderes Bild zeichnet – eines, das dem Frieden verpflichtet ist. Wie es im Grunde jede Religion ist.

Das Thema der Woche der Religionen in der Gemeinde Baar ist die Stille. Denn Stille im Sinne von Meditation und In-sich-Kehren gebe es in jeder Religion gleichermassen – «Stille ist verbindend und gibt den Menschen Kraft», betont Robert Pally.

Hinweis

Die Anlässe in Baar finden vom 6. bis 10. November statt. Organisiert und durchgeführt werden sie von Michel Bollag (Judentum), Dilaver Çiçek (Islam), Krsna Premarupa Dasa (Hinduismus), Manuel Bieler (Reformierte), Robert Pally (Katholiken) und Anthony Chukwu (Katholiken, Pfarrer von Baar).

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