Die Leiden des jungen Gärtners

Tobias Hänni über das Hobbygärtnern.

Tobias Hänni
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Tobias Hänni (Archivbild: LZ)

Tobias Hänni (Archivbild: LZ)

Gärtnern ist ein höchst emotionales Hobby. Angefangen beim Glücksgefühl, nach der sensorisch mageren Winterzeit mit blossen Händen Töpfe mit Erde zu füllen, sie zwischen den Fingern zu spüren und ihren schweren Geruch zu riechen.

Dann die beinahe elterliche Fürsorge, mit der Tomaten-, Zucchini- und Rüeblisamen vorsichtig in die Erde gesteckt werden. Später die Vorfreude auf den Moment, in dem die Pflänzchen sich aus der Dunkelheit des Humus an die Oberfläche gekämpft haben und ihre Blättchen der Sonne hinter der Fensterscheibe entgegenstrecken. Und schliesslich der Stolz, wenn die Setzlinge in wenigen Tagen Zentimeter in die Höhe schiessen.

Doch die Freude über den Erfolg kann schnell in Enttäuschung umschlagen. Dann nämlich, wenn den Hobbygärtner die Ungeduld packt: Möglichst rasch sollen die zarten Pflänzchen ins Freie gebracht werden. In den Anzuchttöpfen haben ihre Wurzeln ohnehin keinen Platz mehr. Und im Garten wartet ein neues Hochbeet mit frischer Erde darauf, bepflanzt zu werden. Die Bedenken, dass es in der Nacht womöglich nochmals kalt werden könnte, werden in den warmen Frühlingswind geschlagen. Schliesslich wurde im Radio verkündet, dass die Eisheiligen dieses Jahr besonders milde gestimmt sind. Doch dann, die Harke ins Gärtnerherz: Nach zwei Tagen liegen die Setzlinge flach, die Blätter vom Frost weiss verfärbt. Nach einer Phase der verzweifelten Hoffnung folgt der zerknirschte Gang zum Gartencenter, um frische Setzlinge zu kaufen. Gärtnern – eine Achterbahn der Gefühle.

Tobias Hänni