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«Die Paarbeziehung muss entlastet werden»

Matthias Horx möchte in der Liebe auch das Risiko erhalten. (Bild: PD)

Matthias Horx möchte in der Liebe auch das Risiko erhalten. (Bild: PD)

Matthias Horx, die Zukunft der Liebe entscheidet sich zwischen unserer Fortbestandsprogrammierung und Trends im Sinne von Individualisierung und Hedonismus. Was wird gewinnen?

Unter den Bedingungen moderner Kommunikations- und Individualgesellschaften evolutioniert die Liebeskultur einerseits in extreme Nischen hinein. Aber auch die Vorstellung von Romantik passt sich modernen Verhältnissen an. Hierbei widersprechen sich meiner Meinung nach nicht Individualität oder Hedonismus mit der Liebe. Eher widerspricht sich die Isolation der Liebesbeziehungen mit dem vielfältigen sozialen Wesen des Menschen.

Wie meinen Sie das?

Wenn wir in Kleingruppen ein reiches Bindungsleben führen, mit guten Freunden und in Gemeinschaften, entlastet das die Paarbeziehung. Die romantische Liebe geht oft an ihren Erlösungsansprüchen in die Brüche: Der Partner soll bester Freund, lebenslanger Leidenschaftsbringer, Ratgeber, Coach, perfekter Reproduktionspartner sein. Wir müssen die Liebe resozialisieren.

Und zwischen Paaren selber?

Wir brauchen wieder Techniken der Distanz, um die Leidenschaft zu erhalten. Deren schlimmster Feind ist das Klammern, das Sicherheitsstreben. Wir müssen sozusagen auch die Gefährlichkeit, das ewige Risiko der Liebe kultivieren. Denn wenn man den Partner «hat», ist die Liebe vorbei.

Eines der von Ihnen geschilderten Zukunftsszenarien ist die Digitalisierung der Leidenschaft. Kann es dazu kommen?

Ersatzerotik gibt es ja immer schon in der Pornografie, aber jetzt entstehen ganze virtuelle Pornowelten, in denen wir sogar noch den Charakter eines Menschen simulieren. Das geht schief im Sinne der Liebe, es bleibt elektronische Masturbation.

Das zweite Szenario heisst «Liquid Love» – eine flexible Liebe ohne Beharren auf längerfristigen Vereinbarungen. Sind wir Menschen dafür gemacht?

Viele Menschen experimentieren in jüngeren Jahren mit eher zarten Liebeskontrakten, die sich noch nicht auf ein «fertiges» Modell festlegen wollen, dazu gehören etwa Freundschaftsliebe oder Distanzliebe. In der modernen Welt sind wir quasi wieder in der höfischen Kultur angelangt, können uns leisten, was sich früher nur Aristokraten leisten konnten.

Wird es mehr Polyamorie geben? Im Buch hat man den Eindruck, dass Sie ihr eher skeptisch gegenüberstehen.

Polyamorie ist ein – auch nicht neuer – Versuch, das Liebesdilemma ganz aufzulösen und die Lügerei beim Fremdgehen abzuschaffen. Freie Liebe hiess das früher. Aber Liebe ist nie nur frei, sie ist auch Bindung, und dadurch entstehen Ungleichheiten, die schnell zu Machtdramen werden. Polyamorie wird künftig indes in manchen Lebensphasen häufiger vorkommen, als eine Art Liebeslaboratorium für die «heisse» Zeit des Lebens.

Sie selber hoffen offenbar auf das dritte Szenario, die «Co-Evolutionäre Liebe».

Dies ist die reife Liebe in der Individualität. Sie ist häufiger, als man denkt, die Paare, die lange und glücklich zusammenbleiben, beherrschen sie. Und ich glaube, man kann sie erlernen. Alle drei Szenarien repräsentieren logische Entwicklungen, die auf verschiedene Muster und Gruppen zutreffen. Ein Teil der Menschen geht in virtuelle erotische Ersatzwelten, weil sie es mit realen Menschen gar nicht aushalten. In Japan etwa sieht man, dass das eine halbe Männergeneration befallen kann. Bei uns in Europa glaube ich hingegen eher an Szenario 2 und 3. Einstweilen bleibt das Standardmodell aber weiterhin das «serielle Verlieben». (are)

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