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EFEU: Tarzans kleine Schwester

In unseren Gärten sind die Abkömmlinge der Lianen allgegenwärtig – und Lebensraum für viele Tiere.
Rolf App
Efeu. (Bild: Keystone)

Efeu. (Bild: Keystone)

Rolf App

Eigentlich sollte O’Connor Wahlkampf machen für seinen Kandidaten. Doch erstens hat er bisher kein Geld gesehen, und zweitens lassen seine Schuhe das Wasser durch. Das Wetter in Dublin ist scheusslich. Also sitzt er am Kaminfeuer, als Hynes vorbeikommt. Sie reden über den bevorstehenden Besuch des englischen Königs und finden einen Empfang für ihn abscheulich. «Wenn dieser Mann noch lebte», sagt Hynes, und deutet auf das Efeublatt an seinem Revers, «dann wäre hier keine Rede von einer feierlichen Begrüssung.»

Dieser Mann: Das ist Charles Stewart Parnell, Anführer der Nationalisten im irischen Unabhängigkeitskampf. Mit einem Efeublatt zum Todestag gedenken seine Anhänger seiner. Auch James Joyce tut es hier 1905 in der Erzählung «Efeu-Tag im Sitzungszimmer». Noch lange wird es dauern, bis Irland nach einem blutigen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit von England erlangt.

Sie legten gläubige Verstorbene auf Efeu

Doch warum Efeu, um an Parnell zu erinnern? Das hängt an der Symbolik einer Pflanze, die sich schwer bändigen lässt und im Herbst ihre Blätter nicht verliert. Die ersten Christen legten gläubige Verstorbene auf Efeu, Nichtgläubige auf Zypressen. Denn Zypressen wachsen nicht mehr nach, wenn sie einmal gefällt sind. Auf frühchristlichen Sarkophagen und in den Katakomben finden sich oft Darstellungen von Efeu. Er bedeutet, dass die Seele lebt, wenn auch der Körper tot ist. Auf ihre Weise, das heisst sehr diesseitig, haben auch Ägypter, Griechen und Römer den Aspekt des Lebendigen betont: Sowohl der altägyptische Osiris als auch der griechische Dionysos und der römische Bacchus wurden mit Wein- und Efeulaub bekränzt. Früh wusste man schliesslich auch, dass Efeu zwar giftig ist, aber bei richtiger Dosierung auch Schmerzen lindert.

Der Gartenfreund denkt an derlei Dinge nicht, wenn er sich am Efeu zu schaffen macht. Vielleicht ärgert er sich über eine Schlingpflanze, die nirgends ihr Ende zu finden scheint. Vielleicht fürchtet er um die Gesundheit jener Bäume, an denen der Efeu in die Höhe rankt. Vielleicht sieht er auch jene Hauswand in Gefahr, die der Efeu in Beschlag genommen hat.

Andere Pflanzen klettern auch – zum Beispiel Hopfen

Um solche Befürchtungen abschätzen zu können, lohnt es sich, einen Blick zu werfen auf die Pflanze, die wir Efeu nennen – was sich, so vermutet man, vom althochdeutschen «phihouwi» ableitet, zu Deutsch «ewiges Heu». Schon hier wird Bezug genommen auf das ungewöhnliche Alter, das der Efeu erreichen kann: Bis zu 450 Jahre kann er wachsen und gedeihen, wobei er schattige Standorte bevorzugt.

Efeu zählt zur Familie der Araliengewächse und ist verwandt mit jenen Lianen, an denen Tarzan herumturnt. Dies erinnert daran, dass einst auch in Europa tropische Verhältnisse herrschten. Doch noch eine andere Beziehung kann man herstellen: jene zum Hopfen und zur Weinrebe. Alle drei haben sie sich aufs Klettern spezialisiert, freilich jede auf ihre Art. Der Hopfen legt in wenigen Monaten an seinen Stangen bis zu sechs Meter zurück, und stirbt dann im Herbst wieder ab. Die Weinrebe ist in ihrer wilden Form eine zehn Meter hohe Kletterpflanze, die sich mit ihren Ranken festhält.

Anders geht der Efeu vor, der bis zu zwanzig Meter in die Höhe klettern kann. Sobald er eine Unterlage berührt, bildet er feine Haftwurzeln, mit denen er sich verankert. Erst dann lässt er Blätter spriessen. So klettert er virtuos nach oben, oder er bildet in der Fläche dichte Netze, mal knapp über dem Erdboden, mal darunter.

Schon bei Tarzans Lianen zeigt sich: Diese Form der Aneignung schadet den Bäumen gar nicht, in deren Kronen die Lianen von Ast zu Ast führen. «Das Leben eines Tropenwaldes spielt sich in den Baumkronen ab», schreibt Ewald Weber in seinem «Buch der botanischen Wunder». «Hier findet man die allermeisten Arten an Pflanzen und Tieren des Urwalds vor.»

«Efeu liefert den Insekten Nektar»

Ähnlich segensreich wirkt der Efeu in unseren Breiten. «Der Efeu schädigt die Bäume, an denen er hinaufklettert, nicht», stellt Eva Bächli von der Abteilung Wald des Kantons Aargau fest. «Im Gegenteil: Die Efeupflanze liefert mit ihrer späten Blüte im Herbst verschiedenen Insekten Nektar, und in den Wintermonaten sind ihre Beeren wertvolles Futter für die Vögel.» Denn im Unterschied etwa zur Mistel sauge er die Rinde nicht aus, sondern verankere sich nur in ihr. Sterben Bäume ab, dann liegt es nicht am Efeu, sondern am Baum selbst.

Für die Vögel ist Efeu noch aus einem andern Grund wichtig: Sie nisten gern auf seinen verholzten Ästen. Wer sie also besonders nah beobachten will, lässt Efeu auch die Hausmauer hochklettern – achtet aber darauf, dass er nicht überbordet. Denn Efeu dringt gerne in Fugen und unter Dächer. Und hinterlässt, wo er entfernt wird, seine Haftwurzeln als bleibende Spur.

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