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Eleganz im Möbel-«Weltraum»

Die Möbelmesse Mailand erhöht ihre Strahlkraft weiter: An noch mehr Orten in der Metropole wurden Designs gefeiert und Wohnideen präsentiert. Dabei setzen auch Schweizer Kreative Massstäbe. Hier die wichtigsten Trends.
Edith Arnold und Rita Imwinkelried, Mailand
Die 40-Kubikmeter-Wohnzelle von Artek – die finnischen Designer gehören zur Schweizer Vitra-Gruppe. (Bild: PD)

Die 40-Kubikmeter-Wohnzelle von Artek – die finnischen Designer gehören zur Schweizer Vitra-Gruppe. (Bild: PD)

Edith Arnold und Rita Imwinkelried, Mailand

Authentische Kulissen und Häuser in Bewegung

Die Mailänder Design-Exkursion führt immer auch an ungewohnte Orte. «Ventura Centrale» öffnete unter den Gleisen des Hauptbahnhofs hundertjährige Depots – normalerweise Rückzugsorte für Penner. «Ventura Future» stationierte etwas weiter bei Loreto und bot Forschungsprojekten eine Location.

Die Ausstellungen ausserhalb des «Salone» im Messezentrum Rho heissen «Fuorisalone». Und dieser begann offiziell in der Università degli Studi an der via Festa del Perdono. Thema war «House in Motion», das Haus als mobiler, leichter, provisorischer Ort. Zu den Exponaten in den Renaissance-Innenhöfen gehörten gestapelte Container-Module, futuristische Glasgebilde, Koffer, aus denen sich Tische, Küchen, Betten klappen lassen.

Exzentrische Textilien und Ethno-Cocktails

In einer Welt der Globalisierung zeigen sich Einflüsse von Ethnokulturen. Im hippen Spazio Rossana Orlandi stellte das Pet Lamp Studio Objekte von Aborigines aus: neuartige Deckenbeleuchtungen, geflochten aus Pflanzenfasern und Plastikstreifen. Trendsetter Moroso überraschte im Showroom an der Via Pontaccio mit exzentrischen Textilien, Teppichen, Tapeten und Vasen vom britischen Shootingstar Bethan Laura Wood. Ein echter, an Mexikos Volkskultur inspirierter Farbenrausch, der bis in die servierten Häppchen und Cocktails hineinwirkte.

7 Riesen mit Zwerg und 150 000 Kacheln

In einer der «Ventura Centrale»-Höhlen überraschte das Studio Stephan Hürlemann aus Zürich (Ex-Wettstein). Im Schummerlicht bei kühlen Temperaturen bewegten sich seine sieben «Riesen mit Zwerg». Die bis 2,5 Meter hohen Marionetten fertigte er aus Holzelementen von Horgenglarus, der ältesten Stuhl- und Tischmanufaktur der Schweiz. Das internationale Publikum reagierte begeistert; Hürlemann wurde mit dem «Milano Design Award 2018» (Kategorie Unicorn) ausgezeichnet.

Design als Kunst auch hier: Hermès, das französische Luxuslabel, okkupierte das Museo della Permanente an der Via Filippo Turati. In der riesigen Halle liess die Szenografin Charlotte Macaux Perelman sieben Pavillons errichten. Jeder anders im Volumen, mit unterschiedlichen Treppen, die teilweise in den luftleeren Raum führten. Die Gebilde waren mit 150 000 handgefertigten Kacheln aus Marokko eingekleidet. Ihre Farben interagierten mit der wie nebenbei inszenierten «Home Collection».

Wie viel Material braucht es wirklich?

Angedeutete Vitrinen oder Wohnwände aus Gestängen und dünnsten Tablaren: Wie viel Material braucht es wirklich?, fragte man sich angesichts der reduzierten Ästhetik im Messezentrum Rho. Doch auf Möbelskeletten lässt sich’s sogar sitzen, wie sich herausstellte. Zanotti empfiehlt eine Lounge aus feinen Polsterschichten. Das Exponat von Diesel/Moroso besteht aus Kissen auf einer Metallstruktur. Und die Sofas von Arper und Viccarbe sind so dünn, dass sie fast zweidimensional wirken. Wird durch die leichten, fast fliegenden Möbel der Raum anders wahrgenommen? Schwerelosigkeit suggerierte Artek. Die finnischen Designer, die zur Schweizer Vitra-Gruppe gehören, präsentierten eine 40-Kubikmeter-Wohnzelle. Oben war quasi unten, der Boden um die Wände erweitert, das minimalistische Mobiliar multifunktional.

Küchen sehen nicht mehr nach Kochen aus

Was kann man bei der Sonderausstellung «Eurocucina» erwarten, in Italy, das auch als Eataly bekannt ist? Die Küche als Begegnungszone, Ausstellung, Powerbar! Jedenfalls sahen viele Küchen so aus. Viele Leute standen bei «Valcucine» hinter respektive vor Herden. «Logica Celate», versteckte Systeme, war beim italienischen Anbieter angesagt. Per Handbewegung schiebt sich eine Wand vor Spüle, Esswaren und Kochfeld. «Es verschwindet alles», sagt die Hostess, «so kann man Küche und Wohnraum zusammenbauen.» Und der Geschmack? «Modernste Dunstabzüge!», antwortet die Dame verheissungsvoll. Wobei die Küchen kaum nach Kochen aussehen. Bei Boffi, ein weite-res Luxuslabel, fahren per Knopfdruck Holztischplatten über vertiefte Wasser- hahnen. Pünktlich zur Essenszeit um 18 Uhr 30 schliesst Eurocucina. Die Küche kurz wegzaubern: Noch konsequenter ist V-Zug. Die Schweizer Firma stellte ihre 100-jährige Forschungs- und Innovationsgeschichte im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia aus – virtuell, als Projektion.

Zukunftswohnung mit XXL-Himmelbett

Kaum eine Messe bietet interessantere Sitzmöglichkeiten. Am Corso Venezia wehte vor dem neoklassischen Palast Bovara eine rosa Fahne. «Onlife – Millennials at Home» stand drauf. Mehr als die Ausstellung lockte zunächst der Innenhof: Stuhlgeflechte aus weichstem Leder inmitten von tropischen Pflanzen. Wieder aufzustehen lohnte sich trotzdem. Der Paradiesgarten stellte sich als «Strange Garden» heraus und war bereits Teil der Ausstellung.

Das Zentrum des futuristischen Wohnkonzepts bildete ein XXL-Himmelbett. Dieses steht hier für das Klischee, wonach Junge am liebsten einem liegenden Lebensstil frönen. Im Halbdunkel, auf Kissen und Matratzen konnte man also in den mentalen Raum der Millennials eintauchen. Zu den weiteren Themen gehörten: Sachen teilen, zusammenarbeiten, digital und analog kommunizieren. Die Zukunftswohnung wurde durch Elle Decor, Future Concept Lab, DWA Design Studio, AKQA und Landscape Design materialisiert – und wohl von Google als «Hauptpartner» etwas überwacht.

Zwischen Licht und Spiegeln: Weitere Schweizer Highlights

In der Zona Tortona stellten zehn Unternehmer im neu geschaffenen «Swiss Design District» aus. Im renommierten Palazzo Litta bespielten junge Designerinnen und Designer den zentralen Saal. Die Inszenierung wurde von Pro Helvetia unterstützt. Schweizer Kreative fielen auch durch internationale Kollaborationen auf. Studenten der Lausanner Hochschule Ecal rückten mit dem weltbekannten Lampenhersteller Foscarini ans Licht: sie zeigten Entstehungsprozesse von neuen Produkten. Big Game war gar mit unterschiedlichsten Produkten bei sechs Firmen präsent, darunter Alessi, Magis, Japan Creative.

Völlig überlaufen war der Showroom von Kartell by Laufen an der Via Pontaccio: Inmitten von Kartell-Spiegeln und eleganten Becken und Wannen aus Mineralgusswerkstoff oder Saphir- keramik schlürften Designfreaks bis tief in die Nacht hinein Prosecco und vieles mehr.

Spiegel und Waschbecken von Kartell by Laufen. (Bild: PD)

Spiegel und Waschbecken von Kartell by Laufen. (Bild: PD)

Bethan Laura Woods Farbenrausch für Moroso. (Bild: PD)

Bethan Laura Woods Farbenrausch für Moroso. (Bild: PD)

Design als Kunst aus dem Studio Stephan Hürlemann aus Zürich. (Bild: PD)

Design als Kunst aus dem Studio Stephan Hürlemann aus Zürich. (Bild: PD)

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