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ELTERN: Alle in einem Bett: Die einen finden's gut, die andern schlecht

Wenn das Kind nachts immer wieder aufwacht, ziehen manche Eltern ein Nachtlager für alle vor, statt aufstehen zu müssen. Die ganze Familie in einem Bett? Bestimmt nicht, sagen andere.
Diana Hagmann-Bula
Hier darf jeder mit auf die Matratze, auch der Hund. Andere Eltern wollen ihr Bett ganz für sich haben. (Bild: Stephanie Rausser/Getty)

Hier darf jeder mit auf die Matratze, auch der Hund. Andere Eltern wollen ihr Bett ganz für sich haben. (Bild: Stephanie Rausser/Getty)

Diana Hagmann-Bula

Paare, die es nicht zulassen, sind keine guten Eltern, meinen die einen. Zu wenig Verständnis für die kindlichen Ängste vor Dunkelheit, Gewitter und Monstern. Paare, die es zulassen, sind keine guten Eltern, finden die anderen. Zu wenig Durchsetzungskraft. Die Rede ist vom Familienbett, davon also, dass die Kleinen bei den Grossen nächtigen. Im gleichen Nest.

Schon eine Umfrage im Bekanntenkreis zeigt die Fronten auf. Es gibt jene Mütter und Väter, die ihr Kind ab der dritten Woche in ein separates Zimmer legen, aus dem Raum gehen und es bei Musik einschlafen lassen. Andere gewähren befristeten Unterschlupf, nach der Stillzeit müssen die Kinder aus dem Elterngemach ausziehen. «Heute schlafen sie nur bei uns, wenn sie krank sind», sagt eine Mutter. Sie könne sich nicht erholen, wenn ein Zappelphilipp neben ihr liege. «Ausserdem leidet die Zweisamkeit mit dem Mann.»

Bei einer dritten Familie heisst es: «Wir hätten nie geglaubt, dass wir mal im Familienbett schlafen. Heute lieben wir es. Unsere Kinder schlafen entspannter und ­länger.» Eine Mischung aus elterlicher Faulheit, sich nachts aus dem Bett zu quälen, und Unverständnis, weshalb ein Kind unbedingt alleine schlafen soll, habe den Gemeinsamschlaf begünstigt. Die Mutter betont, wie wichtig ihr die Botschaft sei, «dass wir für sie da sind, auch nachts». «Das Umfeld schaut uns manchmal seltsam an». Die Blicke nimmt sie hin, nicht aber die ­Kritik, das Familienbett mache Kinder unselbstständig. «Unsere Tochter schläft immer wieder auswärts, problemlos.»

Starke Bindung, gute Erziehung?

Oskar Jenni kennt viele Eltern, die nur ungerne erwähnen, dass die ganze Familie im gleichen Bett liegt. «Diese Schlafform entspricht nicht unserer gesellschaftlichen Norm», begründet der Leiter der Abteilung Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich. In Indien, China und Japan, in der Mongolei und Zentralafrika hingegen schläft die Mehrheit der Kinder bei den Eltern. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das in westlichen Ländern ebenfalls üblich, dann aber setzte Umdenken ein. Fortan glaubte man, Kinder rasch zur Selbstständigkeit erziehen zu müssen. Dazu kam Wohlstand. Die Familien konnten sich grössere Wohnungen leisten, die Platz für Kinderzimmer boten. Heute runzeln Grossmütter die Stirn, wenn sie von den Schlaf­gewohnheiten junger Familien hören. Das Kind im Ehebett? Damals hätte das als erzieherisches Versagen gegolten.

Das Familienbett ist so etwas wie eine Gegenbewegung. «Wir sind eine hochsensible Gesellschaft. Wir reden mehr über unsere Beobachtungen und Gefühle, wir sind wieder liberaler eingestellt», sagt Jenni. Das spiegelt sich in der Erziehung. «Attachement Parenting» heisst ein Trend. Das Kind lange stillen, es im Tragtuch transportieren, es mit ins Bett nehmen: erfolgreiche Erziehung dank starker Bindung.

Jenni spricht von «Überbe­hütung», betont aber, dass man beim Familienbett weder von Vorteilen noch Nachteilen sprechen kann. «Man darf die, die sich dafür entscheiden, nicht als Hippies verteufeln. Das Bedürfnis nach Geborgenheit unterscheidet sich von Familie zu Familie. Oft spielt die Familien­geschichte mit.» Erwachsene, die als Kind bei Blitz und Donner auf die elterliche Matratze flüchten durften, verwehren ihrem Kind den Zutritt ins Elternbett nicht. Auch nicht, wenn weniger als die Angst vor Gewittern es zwischen Mutter und Vater kriechen lässt. Sie berufen sich dabei nicht nur auf ihr Bauchgefühl, sondern auf Theorien wie sie der deutsche Kinderarzt Herbert Renz-Polster vertritt. Kinder, sagt er, kommen mit einem uralten Betriebs­system auf die Welt. «Abseits der Sicherheit des Clans zu schlafen, hätte früher den Tod bedeutet.»

30 Zentimeter für die Eltern, der Rest für das Kind

Auch wenn das Familienbett eine gute Sache für Kind und Eltern sein kann: Familien landen deswegen immer wieder bei Oskar Jenni in der Beratung. «Meist sind es Familien, die das Familienbett nicht freiwillig wählen, sondern damit auf unruhige Nächte reagieren», sagt er. Die Eltern geniessen es, wenn das Kleine tiefenentspannt neben ihnen liegt und sie sein zufriedenes Gesichtchen bewundern können, wann immer ihnen danach ist. Rollt das Kind aber nervös im Bett hin und her, liegen Mutter und Vater schlaflos im Dunkeln. 30 Zentimeter Matratze sind zu wenig für einen tiefen Schlaf. «Es gibt Menschen, die sich schon eingeengt fühlen, wenn sie das Bett mit dem Partner teilen. Wie ergeht es ihnen erst, wenn zwei Kinder dazukommen?», so Jenni.

«Wie sind deine Nächte?» Eine Frage, ohne die kein Gespräch unter und mit Müttern verläuft. Kein Wunder, angesichts der Zahlen, die Jenni präsentiert. 15 bis 20 Prozent der Kinder in der Schweiz kraxeln nachts ins ­elterliche Bett. In Frankreich sind es 40 Prozent, in England und Deutschland «eher weniger als bei uns». Sogenannte Babyschlafcoaches wittern ein Geschäft und bieten Hilfe an. Jenni rät davon ab und empfiehlt stattdessen ein Schlafprotokoll. Während zwei Wochen ist zu notieren, wann und wie lange das Kind schläft. «So stellen Eltern fest, ob das Kind noch keinen Rhythmus hat und ob es zu viel Zeit im Bett verbringt. Zwei ­Faktoren, die kindliche Schlafprobleme oft schon lösen.»

Sex abseits vom Bett

Wenn ein Kind nachts häufig aufwacht, empfiehlt auch Beatrice Seyr, Mütterberaterin beim Ostschweizer Verein für das Kind, das Familienbett: «Der Geruch der Eltern, ihr Puls, das beruhigt ein Kind.» Allerdings gebe es Mädchen und Buben, die sich gestört fühlen, wenn die Eltern auf die Toilette müssen oder später unter die Decke schlüpfen. «Sie schlafen alleine besser. Das muss man respektieren.» Umgekehrt dürfe es nicht sein, dass ein wilder kleiner Schläfer die Eltern wach halte und sie gereizt in den Tag starten würden. «Eine zusätzlich Matratze hilft. Im Notfall zügelt der Mann ins Gästezimmer – keine Variante für immer.»

Im Internet liefern sich Eltern Wortgefechte, wenn es ums Familienbett geht. «Das ist nur ­etwas für Paare, die keine Lust auf Sex mehr haben, sich das aber nicht eingestehen wollen», ist zu lesen. Die Hebamme Gabriela Correll-Wick ist anderer Meinung: «Wer sagt, dass man Sex im Bett haben muss? Ein Anlass, mit mehr Kreativität dahinter zu gehen.» Eltern mit Augen­ringen schütteln nun den Kopf: Ideen hätten sie schon, wenn sie nicht zu müde fürs Liebemachen wären.

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