EMPFANG IM SCHWEIZER HAUS: Starkoch Mosimann tröstete Bruno und Franco

Etwas brauchten die Radstars Bruno Risi und Franco Marvulli gestern Abend beim offiziellen Empfang von Swiss Olympic im Schweizer Gästehaus dringend: Ein Bierchen und viel, viel Trost.

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Freuen sich über ihre Olympiadiplome (v.l.): Kunstturnerin Ariella Kaeslin (5.) und die Triathletinnen Nicola Spirig (6.) und Daniela Ryf (7.). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Freuen sich über ihre Olympiadiplome (v.l.): Kunstturnerin Ariella Kaeslin (5.) und die Triathletinnen Nicola Spirig (6.) und Daniela Ryf (7.). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Nach ihrem enttäuschenden 11. Olympiaplatz brachte es besonders einer fertig, Bruno Risi und Franco Marvulli wieder zum Lachen zu bringen: Starkoch Anton Mosimann. «Der schlimmste Fall ist eingetreten», sagte Franco dem Freund und Koch des britischen Thronfolgers Prinz Charles. «Ich hatte eine totale Blockade.»

Da nahm Mosimann die zwei in die Arme und sagte: «Hört mal zu, ich hab doch auch schon oft eine Suppe versalzen – sogar im Königshaus. Und ich lebe noch. Schaut nach vorne, vergesst was passiert ist und geniesst die Zeit hier noch!»

Der Starkoch der Könige
Grosse Worte eines grossen Mannes. Worte, die Risi und Marvulli schnell wieder zum Lachen brachten. Gut so, denn gleich nach dem Mosimann-Trost mussten sie gleich vors TV-Mikrophon des Teams um Sportchef Urs Leutert, der am Empfang am Tisch mit Mosimann und Ex-Ruderweltmeister Stefan Netzle sass. Der Starkoch hatte viel zu erzählen: «Ich koche hier in einem chinesischen Palast fürs Internationale Olympische Komitee.» Oh, wer war denn schon da? «Die Könige von Schweden und Norwegen mit ihren Familien und ihren Landesbotschaftern. Am gleichen Abend genossen sie getrennt ihre Fünfgang-Menus.» Aha, und was waren die Hauptgänge für Carl XVI. Gustav von Schweden und Harald V. von Norwegen? «Gefüllte Pouletbrust mit Champignons an Rahmsauce und viel Gemüse aus der Region», erzählte Mosimann.

Bill Gates mag Rindsfilets
Und wer war noch da? Mosimann: «Bill Gates, der aber wie IOC-Chef Jacques Rogge leichte Business-Menus mit höchstens drei Gängen bevorzugt.» Und was mag der reichste Mann der Welt am liebsten? «Ein hauchzartes Rindsfilet, medium, an einer Meerrettichsauce.» Interessant. Aber all das half Teamchef Michel Ansermet nach dem schlechten Abschneiden seiner Schützentruppe hier nicht über die Enttäuschung hinweg. «Aus Frust habe ich mich im Olympiadorf 18 Stunden in mein Zimmer eingeschlossen», erzählte der Obwaldner dem Luzerner Team-Chefarzt Beat Villiger. Der schaffte es immerhin, den Vize-Olympiasieger von 2000 wieder zum Lachen zu bringen.

Sergei ohne Medaille?
Es gab aber auch drei, die den ganzen Abend lachten: Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schildüberreichte Kunstturnerin Ariella Kaeslin (5.) sowie den Triathletinnen Nicola Spirig (6.) und Daniela Ryf (7.) die wohlverdienten Olympiadiplome. «Wo sind denn eigentlich die Medaillen?», schmunzelte Starkoch Mosimann plötzlich. «Oh, wir erwarten noch zwei hier in Peking», antworteten Delegationsleiter Werner Augsburger und Schild unisono. «Aber ich möchte doch noch eine anfassen», wünschte sich der König der Kochkellen. Da wurde Sergei Aschwanden, der einzig anwesende Medaillengewinner, etwas verlegen: «Ach, ich wusste gar nicht, dass man sie mitnehmen sollte. Keine Sorge: Mein Bronze liegt sehr gut aufgehoben in meinem Zimmer.» 

André Häfliger, Peking