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ENERGIE: China bohrt nach «brennbarem Eis»

Forschern ist im Südchinesischen Meer erstmals der Abbau von Methanhydraten gelungen. Das spezielle Erdgas könnte den Energiebedarf der nächsten Jahrhunderte decken – doch fürs Klima wäre es verheerend.
Felix Lee, Peking
Das aus dem Eis auf dem Meeresgrund gewonnene Erdgas entströmt dieser Bohrinsel im Südchinesischen Meer. (Bild: Liang Xu/AP (16. Mai 2017))

Das aus dem Eis auf dem Meeresgrund gewonnene Erdgas entströmt dieser Bohrinsel im Südchinesischen Meer. (Bild: Liang Xu/AP (16. Mai 2017))

Felix Lee, Peking

Seit Jahren streiten China und die Staaten Ostasiens ums Südchinesische Meer. Den Anrainerstaaten geht es bei diesem Konflikt keineswegs nur um die Kontrolle eines der meistbefahrenen Gewässer der Welt. Immer wieder führen sie auch angebliche Rohstoffvorkommen als Grund für ihr Begehren auf. Was tatsächlich an Schätzen in der Tiefe schlummert, war bislang allerdings nicht so recht erwiesen. Nun sind die Chinesen fündig geworden.

Eigenen Angaben zufolge ist China erstmals der Abbau von sogenanntem brennbarem Eis gelungen. Unter Fachleuten auch bekannt als Methanhydrat, handelt es sich dabei um ein Gemisch aus Eis und Methan. Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, chinesische Forscher hätten seit Ende März im Südchinesischen Meer in einer Tiefe von bis zu 1266 Metern gebohrt und täglich rund 16000 Kubikmeter von diesem kostbaren Stoff fördern können. Der chinesische Minister, zuständig für Rohstoffe, Jiang Daming, spricht von einem «grossen Durchbruch». Er werde zu einer «globalen Energiewende» beitragen.

1000 Jahre Energie für die gesamte Menschheit

Methanhydrate treten in der Tiefe in Klumpenform auf. An der Erdoberfläche hingegen zerfällt das Gemisch ohne entsprechende Kühlung schnell in seine Bestandteile Wasser und Gas. Was Methanhydrat so attraktiv macht: Wird es entzündet, entsteht eine lange brennende Flamme. Es handelt sich also um hochwertiges Erdgas zur Energiegewinnung. Zumindest in bestimmten Tiefen ist das Meer voll davon. Schätzungen US-amerikanischer Geologen zufolge könnten auf dem Meeresgrund zehnmal so viel Erdgas in Form von Methanhydrat lagern als in allen herkömmlichen Gasquellen zusammen. Der Energiebedarf von über 1000 Jahren wäre gedeckt – für die gesamte Menschheit.

Schwierige Bedingungen für den Abbau

Trotz der Menge werden Methanhydrate nur in bestimmten Meeresgegenden vermutet. Hydrate halten sich nur unter kalten Temperaturen und hohen Druckstärken, also erst unterhalb einer Wassertiefe von 500 Metern. Als vielversprechend gilt ihr Vorkommen vor allem an den Stellen, wo die Küstensäume rasch in die Tiefsee übergehen. Denn Methan wiederum entsteht meist nur in Küstennähe, wo nämlich genug Nährstoffe ins Meer gelangen. Die Mikroorganismen sterben ab, sinken zu Boden und werden im Schlamm begraben. Im Meeressediment geht das Gas dann mit dem kalten Wasser eine extrem dichte Mischung ein. Chinesische Forscher sprechen von einem «eigenen Käfig aus Wassermolekülen, in dem jedes Gasmolekül praktisch sitzt». Ein Kubikmeter Methanhydrat kann auf diese Weise bis zu 160 Kubikmeter Gas speichern.

Das Hauptproblem: Das tief im Meeresboden sitzende Methangas ist bislang nur unter äusserst schweren Bedingungen abzubauen. Um das hoch entzündliche Methangas aus den Tiefen gewinnen zu können, müssen Löcher in die Hydratschichten am Meeresgrund gebohrt werden. Pumpen müssen den Druck senken. Erst dann kann das Gas kontrolliert entweichen. In den Tiefen des Meeres ist das ein höchst aufwendiges Verfahren.

Deutlich schädlicher als Kohlendioxid

Bislang war das nur japanischen Forschern gelungen. Wegen des grossen Aufwands hat Japan bislang vom kommerziellen Abbau aber abgesehen. Denn in den Tiefen müssten fussballfeldgrosse Unterwasserfabriken entstehen, die das bislang unerreichte Gasvorkommen erschliessen. Auch Südkorea bemüht sich um diese Technik, hat eigenen Angaben zufolge aber ebenfalls noch keinen Durchbruch erzielt.

Zudem ist Methangas extrem klimaschädlich. Wird das Gas nicht verbrannt, sondern entweicht in die Atmosphäre, hat es eine 25 Mal so starke Treibhauswirkung wie Kohlendioxid. Schon jetzt werden in Kläranlagen und bei der Erdgasförderung grosse Mengen Methangas freigesetzt. Massentierhaltung verursacht die bislang schlimmste menschengemachte Methanemission. Umweltschützer befürchten beim Abbau von Methan im Meer daher nicht nur grosse Zerstörungen in der Tiefsee, sondern verhängnisvolle Auswirkungen auf den Klimawandel.

Die Erschliessung immer neuer fossiler Energiequellen stehe dem Ziel entgegen, die erneuerbaren Energien schnell vor­anzubringen, kritisiert die Umweltstiftung WWF.

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