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ERHOLUNG: Adieu Ferien, hallo Stress

Ferien gelten als die schönste Zeit des Jahres. Der Effekt der Erholung verpufft jedoch sofort, wenn man nicht ein paar Regeln beachtet. Die möglichen Folgen sind körperliche und psychische Beschwerden.
Adrian Zeller
Am «Post-Holiday-Syndrom» leidet, wer nach den Ferien den Tritt im Beruf nicht mehr findet, an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leidet. Vorbeugen kann man dem Ferien-Blues aber schon in den Ferien selbst. (Bild: Jeffrey Coolidge/Getty)

Am «Post-Holiday-Syndrom» leidet, wer nach den Ferien den Tritt im Beruf nicht mehr findet, an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leidet. Vorbeugen kann man dem Ferien-Blues aber schon in den Ferien selbst. (Bild: Jeffrey Coolidge/Getty)

Adrian Zeller

Laut Umfragen fühlen sich mindestens 35 Prozent der Ferienheimkehrer am Arbeitsplatz schlapp und missmutig. Bereits am zweiten Tag möchten sie am liebsten ihre Koffer wieder packen. Ihre ersten Tage im Büro, im Labor oder an der Werkbank scheinen öd und endlos lange. Forscher nennen dieses Stimmungstief «Post-Holiday-Syndrom» oder «Post-Ferien-Blues». Diese Gesundheitsstörung macht sich durch ­Appe­tit- und Konzentrationsstörungen, Antriebschwäche, Schlafprobleme sowie mit Herzklopfen und Muskelschmerzen bemerkbar.

Die Probleme beim Wiedereinstieg nach Ferien können auch das Ergebnis von falsch angepackter Erholungszeit sowie von einem überhasteten Start in den Alltag sein. Wie der niederländische Tourismusexperte Jeoren Nawijn erforschte, brauchen Körper und Psyche zu Beginn der Ferien ungefähr drei Tage, um sich der veränderten Situation anzupassen. Am Ende der Ferien dauert es wiederum drei Tage, bis man auf Alltag umgestellt hat. Einige Verhaltensweisen erleichtern diesen Prozess, andere erschweren ihn. Wer Stunden nach dem Abflug aus einer Destination mit tropischem Klima wieder am Schreibtisch in der kühlen Heimat sitzt, darf sich nicht wundern, wenn der Kreislauf seine Balance zuerst wieder finden muss.

Routine erleichtert den Einstieg nach den Ferien

Experten raten, den Wiedereinstieg moderat anzugehen und nicht schon am ersten Tag die Agenda mit Terminen prall zu füllen und sämtliche angesammelten E-Mails umgehend zu beantworten. Besser ist es, mit Routinearbeiten zu starten, durch ­ sie findet man leichter in den Arbeitsalltag zurück. Auch gewohnte Rituale am Arbeitsplatz erleichtern den Übergang. Der Appetit und die Verdauung können durch die Zeitverschiebung etwas aus dem Takt geraten sein. Leicht verdauliche Speisen und Kräutertees belasten Magen und Darm weniger. Nach Wochen voller neuer Einrücke für Gaumen, Nase, Augen und Ohren sind auch Konzentrationsprobleme nichts Ungewöhnliches. Die vielen Anregungen für die Sinne müssen sich allmählich setzen können.

Ideal wäre, erst am Mittwoch wieder anzufangen

Es hilft, sich für die ersten Tage Prioritäten zu setzen und sich nicht gleich auf alles Unerledigte zu stürzen. Falls möglich, ist ein Arbeitsbeginn am Mittwoch zweckmässig, dann muss man nur drei Tage bis zum Wochenende durchhalten. Wenn die Stimmung deutlich sinkt, kann man sich für das kommende Wochenende etwas besonders schönes vornehmen, auf das man sich freuen kann. Die Psychologieprofessorin Carmen Binnewies beschäftigt sich aus beruflichen Gründen mit den Ferien. An der Universität Münster untersucht sie seit Jahren, was die Erholung fördert und was ihr schadet. Für eine wirkungsvolle Regeneration rät sie, in den Ferien keine beruflichen Akten zu studieren und keine E-Mails zu lesen.

Den Schnappschuss vom üppigen Buffet in den sozialen Medien posten und die Freunde wenigstens optisch daran teilhaben lassen, auf Whatsapp bei der Enkelin nachfragen, ob sie die Prüfung bestanden hat – dank digitalen Kommunikationskanälen ist man auf den Malediven, in Miami und auch in Mallorca leicht erreichbar. In Notfällen erweist sich die Online-Verbindung als Segen, doch sie kann auch zum Fluch werden, speziell dann, wenn man immer wieder mit dem Arbeitsplatz in Verbindung steht. Alles, was mit der Arbeit zu tun hat oder an sie erinnert, sollte man gemäss Expertin Binnewies meiden. Insbesondere Gedanken an die negativen Aspekte der Arbeit beeinträchtigen die Erholung. In den Ferien sei es wichtig, Dinge zu tun, die mit den Alltagsbelastungen möglichst wenig zu tun hätten, sagte sie.

Abwechslung verlängert die Ferien subjektiv

Auch in den Ferien erweist sich die Lebensregel «weniger ist oft mehr» als zutreffend. Es sei wichtig, aktive und passive Erholung zu kombinieren, betonen Freizeitforscher. Beim Kanufahren, im Klettergarten, im Museum, beim Ponyreiten und beim Glace-Schlecken kommt man auf andere Gedanken, sammelt neue Eindrücke und kann sich vom Alltag abreagieren. Und auch die Horizonterweiterung wirkt entspannend, denn sie lockert die Routine und wirkt eingefleischten Denk- und Handlungsmustern entgegen.

Wer hat sich in den Ferien nicht schon vorgenommen, nach deren Ende alles etwas ruhiger anzugehen? Doch schon bald ertappt man sich wieder im alten Fahrwasser. Laut Studien ist die Erholungswirkung von Ferien nach spätestens drei Wochen verpufft. Carmen Binnewies rät, bewusst zu experimentieren, wie man im Alltag Erholung findet, etwa mit kleinen Ritualen wie dem Gang zum Getränkeautomaten.

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