EUROVISION SONG CONTEST: Paolo Meneguzzi tut es weh – wie weiter jetzt?

Die Enttäuschung bei Paolo Meneguzzi nach dem Eurosong-Aus in Belgrad ist gross. Bange Frage jetzt: Soll die Schweiz denn überhaupt noch mitmachen?

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Paolo Meneguzzi bei seinem nicht von Erfolg gekrönten Auftritt. (Bild Keystone)

Paolo Meneguzzi bei seinem nicht von Erfolg gekrönten Auftritt. (Bild Keystone)

«Es tut so weh, dass es nicht gereicht hat», erklärte der Tessiner, nachdem er am Donnerstagabend unter 19 Ländern nicht unter die 10 Nationen kam, die am Samstagabend (SF 2 live ab 20.30 Uhr) ebenfalls im Final des 53. Eurovision Song Contest stehen. «Wir alle hier haben viel Zeit und Energie ins Projekt Belgrad gesteckt. Für sie, meine Fans, Freunde und Supporter tut es mir wirklich leid.» Deshalb blieb der 31-jährige Tessiner gestern noch in Belgrad und lud am Abend zu einer Party, an der «trotz allem» die Korken knallen liess.

Paolo: «Es war schliesslich doch eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich konnte hier tolle Kontakte, die wichtig sind für meine Karriere, knüpfen. Es hat wirklich etwas gebracht. So gesehen fände ich es schade, wenn die Schweiz jetzt resignieren würde und nicht mehr an den Start gehen würde.» Klar also, dass diese Laufbahn weiter geht? «Ja sicher», lachte Meneguzzi. «Vielleicht aber mehr in der Richtung wie bisher, also im italienischen Raum. Zudem will ich in Lateinamerika besser Fuss fassen und liebäugle auch mit dem grossen und weiten Amerika selber.»

Schweiz als schwarzes Schaf?
BoBo letztes Jahr nicht im Final, Meneguzzi jetzt auch wieder nicht, 1998 und 2004 wurden Gunvor Guggisberg und Piero Esteriore mit «zero points» zu Nullnummern degradiert. «Wird die Schweiz zum schwarzen Schaf der Grand-Prix-Familie?», fragt der deutsche «Spiegel» schon ironisch. Soll sie denn wirklich eisern durchhalten und weiterhin starten? «Ja sicher», erklärte Lys Assia unserer Zeitung. Die Siegerin des ersten Wettbewerbes 1956 in Lugano (mit dem Lied «Refrain») weilt gerade als Ehrengast in Belgrad. «Wenn wir jetzt nur noch zu Hause blieben und rumhocken, kommen wir keinen Zentimeter weiter», fügte Prix-Walo-Ehrenpreisträgerin 2007 an und riet: «Jetzt nur nicht den Kopf hängen lassen. Hauptsache, man ist dabei!» Das hatte sie auch Paolo Meneguzzi kurz nach dem Aus gesagt: «Ich habe ihn in die Arme genommen und getröstet. Sein Auftritt war sehr schön und emotional. Ich zweifle keinen Moment daran, dass er seinen Weg als Sänger mit Erfolg gehen wird.»

Assia: Zu hohe Beteiligung
Dass es für die Schweiz wieder nicht gereicht hat, liegt nach Ansicht Assias daran, dass es mit 43 Ländern heute eine «viel zu hohe Beteiligung» am Wettbewerb hat. «Es braucht vielleicht einfach etwas mehr Wucht, Sensation, Aufsehen, eventuell mehr nackte Haut – ich weiss es doch nicht», meinte Lys Assia, die sich in Belgrad «wie eine Königin» empfangen fühlt, weiter. Beim Schweizer Fernsehen will man jetzt zuerst Fakten sammeln, um später über das Mitmachen im nächsten Jahr zu entscheiden. Sprecher Marco Meroni: «Wir wollen zuerst eine genaue Analyse machen. Wie hoch war die Einschaltquote? Wer hat für uns abgestimmt? Meiner Meinung nach wäre ein Verzicht trotz allem sehr schade. Eine Option ist, ob wir künftig in der Schweiz einen Publikums-Ausscheidung für den Eurosong machen werden.»

Nun, die Quote spricht eigentlich auch fürs Weitermachen: Sie lag nämlich am Donnerstag mit 221'000 TV-Fans im guten Durchschnitt einer Unterhaltungssendung im Schweizer Fernsehen?

André Häfliger