Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EXTREMISMUS: Radikaler Prediger oder «naiver Junge»?

Gestern stand der 25-jährige Imam, der in der An’Nur-Moschee zu Gewalt an «schlechten Muslimen» aufgerufen hatte, vor dem Winterthurer Bezirksgericht. Mit seinem Urteil folgte das Gericht weitgehend der Staatsanwaltschaft.

Den ersten Kontakt zur An’Nur-Moschee hatte der Äthiopier während des Ramadans 2016, kurz nachdem er über Griechenland und Serbien in die Schweiz geflüchtet war. Abends sei gekocht worden, da sei er eben hingegangen, sagte er mit knappen Worten vor Gericht.

Weil die An’Nur-Moschee gerade keinen Imam gehabt habe, sei er angefragt worden, ob er gelegentlich Gebete leiten wolle. «Er kannte den Koran, und er hat eine schöne Stimme», sagte sein Anwalt über das Auswahlprozedere. Der junge Mann sei aber keineswegs eine Respektsperson gewesen und habe auch keinerlei Einfluss gehabt. «Ich war dort niemals Imam», betonte der Beschuldigte. Er könnte das gar nicht, weil er den Koran nur auswendig gelernt habe. Inhaltlich habe er wegen seiner begrenzten Sprachkenntnisse keine Ahnung. In einer früheren Befragung gab er an, die Predigt lediglich aus Textbausteinen aus dem Internet zusammengestellt zu haben.

Vor rund 60 Zuhörern rief er im Oktober 2016 dazu auf, Muslime, die nicht in Gemeinschaft beten, zu meiden, zu verleumden und in ihren Häusern zu verbrennen. Bestraft werden sollten auch jene, die nicht fünf Mal am Tag beten, sondern Gebete «zusammenlegen». Zudem teilte er auf Facebook Aufnahmen, auf denen Menschen getötet werden.

Seit einem Jahr ­ in Sicherheitshaft

Sein Mandant sei kein fanatischer Prediger, sondern ein ahnungsloser Asylbewerber, «ein naiver Junge», sagte der Anwalt. Dass der «naive Junge» ins Visier der Justiz geriet, erklärt sich der Anwalt mit dem öffentlichen Druck auf Polizei und Staats­anwaltschaft. Er forderte einen Freispruch und die sofortige Freilassung aus der Sicherheitshaft. Dort sitzt der Äthiopier seit einem Jahr wegen Fluchtgefahr. Sein Asylgesuch wurde inzwischen abgelehnt.

Die Darstellung der Staatsanwältin widersprach den Schilderungen des Anwalts diametral. «Mit seinen religiösen Ansichten stellt dieser Mann eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar.» Dass er nicht genau gewusst habe, was er predigt, ist gemäss ihrer Darstellung gelogen. Ein Gutachten, das den Text und eine Tonaufnahme auswertete, kam zum Schluss, dass der Beschuldigte sehr gute Kenntnisse des klassischen Arabischen besitzt und auch den Inhalt versteht. Die Anzahl der Fehler sei gering, der Text «geradezu souverän» gemeistert worden. Zwar habe er eine Hadith zitiert, also eine Überlieferung des islamischen Propheten Mohammed. Er habe diese aber so ausgewählt, weil sie seinem religiösen Verständnis entsprochen habe.

Hoch ansteckende ­ Krankheit

Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einen Landesverweis von 15 Jahren. So urteilte auch das Gericht, wobei der Landesverweis auf 10 Jahre heruntergesetzt wurde. Wegen des ab­gelehnten Asylantrags muss das Migrationsamt über das weitere Vorgehen entscheiden.

Da der Beschuldigte an hoch ansteckender Lymphknoten-Tuberkulose leidet, war die Durchführung des Prozesses lange unklar. Jüngste ärztliche Abklärungen ergaben jedoch, dass für Journalisten und Publikum keine Ansteckungsgefahr bestand.

Die An’Nur-Moschee ist seit Mitte dieses Jahres geschlossen, der Verein aufgelöst. Die Vermieterin des Industriegebäudes kündigte den Mietvertrag, nachdem die Moschee mehrmals in den Schlagzeilen war. Mehrere Jugendliche, die in der An’Nur-Moschee verkehrten, sollen nach Syrien gereist sein und sich dem IS angeschlossen haben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.