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FALL RUPPERSWIL: Vierfachmord von Rupperswil: Angeklagter hatte nächste Familien im Visier

Am Dienstag beginnt der Prozess gegen den Vierfachmörder von Rupperswil. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, spionierte der 34-Jährige am Tag vor seiner Verhaftung eine Solothurner Familie aus.
Andreas Maurer
Eine Polizistin und ein Kriminaltechniker vor dem Wohnhaus im aargauischen Rupperswil: Nach einem Brand wurden in dem Haus vier Leichen entdeckt; sie alle sind Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens geworden. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone (Rupperswil, 21. Dezember 2015))

Eine Polizistin und ein Kriminaltechniker vor dem Wohnhaus im aargauischen Rupperswil: Nach einem Brand wurden in dem Haus vier Leichen entdeckt; sie alle sind Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens geworden. (Bild: Patrick B. Krämer/Keystone (Rupperswil, 21. Dezember 2015))

Andreas Maurer

Die Aargauer Gerichte publizierten gestern die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. Sie zeigt nicht nur, wie der Vierfachmord aus Sicht der Strafverfolgungsbehörde ablief, sondern enthüllt auch das Geheimnis des Rucksacks, den die Polizei bei der Hausdurchsuchung sicherstellte.

Während im Dezember 2015 ein Schock durch die Schweiz geht und die Polizei mit einem Grossaufgebot nach den Tätern von Rupperswil fahndet – damals konnte man sich nicht vorstellen, dass einer allein dazu fähig sein könnte –, führt Thomas N. sein Leben weiter wie bisher. Die Blutspritzer auf seinem Rucksack übermalt er mit einem schwarzen Filzstift. Während die Feuerwehr den Brand löscht und dabei vier Leichen entdeckt, nimmt er fünfhundert Meter davon entfernt eine Dusche. Der damals 32-Jährige wohnt bei seiner Mutter. Nach dem Mittag macht er mit ihr und seinen beiden Hunden einen Spaziergang. Am Abend fährt er mit zwei Kollegen nach Zürich, wo sie zusammen dinieren und ins Casino gehen. Er bezahlt mit Hunderternoten, die er am Morgen erbeutet hat. In seiner Fantasie ist Thomas N. beim 13-jährigen Jungen, den er sexuell missbraucht und getötet hat. Er googelt nach 11- bis 15-jährigen Buben, die ähnlich aussehen.

Liste mit Buben erstellt

Im Januar 2016 stellt Thomas N. in seinem Zimmer seinen Rucksack bereit. Der Inhalt: Seile, ­Kabelbinder, Anzündwürfel, Klebeband, sechs Flaschen Fackel- öl, Handschuhe, Sexspielzeug, Feuerzeug und eine Pistole. Mit diesen Utensilien hat er am 21. Dezember 2015 seine Tat durchgeführt. Was er verbraucht hat, kauft er sich neu.

In seinem Notizblock legt sich N. eine Liste mit Buben an, die ihn interessieren. Er hinterlegt jeweils ein Bild, Name, Alter, Wohnort, Schule. Bei zwei Familien aus den Kantonen Solothurn und Bern gedeihen seine Pläne am weitesten. Er will diese wie in Rupperswil in seine Gewalt bringen, die Anwesenden fesseln, Geld erpressen, den Buben sexuell missbrauchen, alle Personen töten und das Haus anzünden. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Sie stützt sich unter anderem auf ein Geständnis von Thomas N. Für die Solothurner Familie bereitet er eine ähnliche List vor wie in Rupperswil. An seinem Computer im Haus seiner Mutter fälscht er ein Schreiben, das er mit dem Briefkopf einer Solothurner Schule und Unterschriften der Schuldirektorin und der Schulleiterin versieht. Er teilt den Eltern darin mit, dass sich eine Schülerin wegen Mobbing das Leben nehmen wollte. Falls sich jemand vom Schulpsychologischen Dienst melden werde, seien die Eltern um ihre Mithilfe gebeten. Thomas N. inspiziert das Quartier und macht einen Eintrag in sein Notizbuch: «Di 7:40 alle zu Hause, wach». Er wählt zweimal die Festnetznummer der Familie. Als jemand abnimmt, gibt er an, sich verwählt zu haben.

Durchs Quartier gestreift

Am 11. Mai 2016, am Tag vor seiner Verhaftung, fährt N. in den Kanton Solothurn. Dabei hat er seinen Rucksack, den gefälschten Brief sowie eine Visitenkarte, mit der er sich als Doktor des Schulpsychologischen Dienstes ausgibt. Von seinem Handy ruft er erneut zweimal auf die Festnetznummer der Familie an. Zuerst kommt keine Verbindung zu Stande. Danach nimmt jemand ab, doch N. gibt an, sich verwählt zu haben. Er fährt wieder nach Hause. Was ihn von seinem Plan abhält, ist nicht bekannt.

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