FANSTIMMUNG BASEL: Jonas feiert Geburi – und Murat betet zu Allah

Kuhglocken-Getöse, rot-weisses Fahnenmeer (darunter sogar eine riesige Nidwaldner Flagge) und gleichfarbiger Dress-Code, laute Sprechchöre («Oleee, Schwiizer Natiiiii, oleee», «Türkieee, türkieee, türkieee») – schon Stunden vor Spielbeginn gingen vor dem Basler Euro 08-Stadion St. Jakobspark, dem ehemaligen «Joggeli», die Emotionen hoch.

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Schweizer und türkische Fans machen gemeinsam und friedlich vor dem Spiel beim Basler St. Jakobspark Stimmung. (André Häfliger/Neue LZ)

Schweizer und türkische Fans machen gemeinsam und friedlich vor dem Spiel beim Basler St. Jakobspark Stimmung. (André Häfliger/Neue LZ)

Auffallend friedlich demonstrierten die Fans beider Lager gemeinsam ihre Fussballmacht – fröhlich, laut, engagiert und entschlossen, als ginge es um den EM-Sieg.

Geduldig mussten alle Fans anstehen, nahmen die Kontrollen und Leibesvisitationen ohne Meckern in Kauf – ausnahmslos vom urchigen Bauern bis zum VIP. Scharfe Gegenstände wie Messer oder Profi-Fotoausrüstungen mussten abgegeben werden. Und via Lautsprecher wurde immer wieder vor Taschendieben gewarnt: «Bitte achten sie auf ihre Taschen!» Und immer wieder der Griff nach den Tickets: «Sind sie denn noch da?» Viele kamen ohne Eintrittspapiere. Und setzten ganz auf den (verbotenen) Schwarzmarkt. «Jetzt sind diese Tickets schon von 500 auf 250 Franken gefallen», erzählt Phil aus Bern. «Ich warte, bis sie auf 100 Franken unten sind, dann greife ich zu?»

Stewarts, Polizei und andere Sicherheitskräfte dominieren die Szene. Aber alle lächeln, sind betont freundlich und werden praktisch nur dafür gebraucht, um die Fans in die richtigen Eingangsschleusen zu weisen. «Es möge einfach die bessere Mannschaft gewinnen», gibt sich der deutsche Polizist Knut auf Schweizer Boden ganz neutral. «Okay, das akzeptieren wir», sagt schmunzelnd der kleine Jonas aus Basel, der sein Ticket von seinen Eltern zu seinem gestrigen 12. Geburtstag bekommen hat. «Einen so schönen Geburi habe ich noch nie erlebt – egal, wer gewinnen wird.»

Selbst ein üppiger Gewitterregen kann die herrliche Stimmung im Meer der Fans nicht trüben. Paul aus Ebikon kann sich einen kleinen Seitenhieb auf Thomas Bucheli, dem Luzerner Wetterchef des Schweizer Fernsehens, nicht verkneifen: «Der hatte doch von einem 'ganz trockenen' Abend in Basel gesprochen?» Das alles stört Murat aus Ankara nicht: Im trockenen Fundbüro kniet er auf die türkische Flagge – und betetet ganz leise zu Allah?

André Häfliger, Basel