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FASTENZEIT: «Der Aschermittwoch fehlt mir jedes Jahr»

Urs Doggwiler (54), Metzgerei Doggwiler, Luzern
Roger Rüegger
Metzgermeister Urs Doggwiler mit einem «Fasten-Hot-Dog». (Bild Roger Rüegger)

Metzgermeister Urs Doggwiler mit einem «Fasten-Hot-Dog». (Bild Roger Rüegger)

Ist Fasten für eine Person, die sich professionell mit Essen oder Esswaren beschäftigt, besonders schwer? Wie fastet beispielsweise ein Metzger? Urs Doggwiler, Metzgermeister und ehemaliger «Rüüdige Lozärner», erklärt, was er unter Fasten versteht.

Urs Doggwiler, die Fasnacht ist vorbei, essen Sie bis Ostern keine Cervelats mehr?

Urs Doggwiler: Die Cervelat ist die Schweizer Volkswurst Nummer eins. Als Metzgermeister muss ich meiner Kundschaft ein gutes Vorbild sein. Und weil die Wurst eingepacktes Vertrauen ist, muss ich mir das Vertrauen so praktisch erarbeiten.

Selbst in der Fastenzeit?

Doggwiler: Jetzt esse ich vielleicht nur jeden zweiten Tag eine Wurst.

Und in den Tagen dazwischen?

Doggwiler: Ich esse rüüdig gerne Milchreis, Fotzelschnitten und Gries.

Das geht unter Fasten?

Doggwiler: Ja, ich meine schon.

Ihre Freundin Susi nimmt es da etwas genauer, nicht wahr?

Doggwiler: Unbedingt. Sie legt Wert darauf, dass an den höchsten Fastentagen Aschermittwoch und Karfreitag kein Fleisch gegessen wird.

Das bedeutet Ihnen nichts?

Doggwiler: Nun, eigentlich schon. Aber weil ich immer der Letzte bin, der am Güdisdienstag aus einem Lokal rausgeschmissen wird, mache ich stets durch und gehe dann direkt zum Zmorge ins «Doorzögli». Deshalb erlebe ich den Aschermittwoch jeweils als Dienstag. Dieses Jahr ging ich nach dem Zmorge gleich zum Mittagessen über und bestellte ein Cordon bleu.

Der Aschermittwoch als Fastentag gilt also erst, wenn man im Bett war und erwacht?

Doggwiler: Genau, das meinte ich.

Das biegen Sie sich aber elegant zurecht. Danke übrigens, danke, dass Sie so kurzfristig einspringen. Wir wollten das Interview mit Peter Fleischli vom FCL führen, aber der Name passt irgendwie nicht zum Thema Fasten. Kennen Sie ihn?

Doggwiler: Der führte doch früher das Kafi Rex? Ja sicher, dort war ich auch oft zum Zmorge nach einem zünftigen Anlass. Stimmt, der war schon immer beim FCL engagiert.

Wir müssen höllisch aufpassen, damit wir beim Thema Fasten bleiben. Als eingefleischter Chottlebotzer-Guuggenmusiker und langjähriges Mitglied der Zunft zu Safran haben Sie aber auch eine Vorbildfunktion?

Doggwiler: Deshalb halte ich mich auch zurück. Aber nicht am Aschermittwoch, weil der mir schlicht jedes Jahr fehlt. Als Kind habe ich jedoch immer mein Fasten­opfersäckli gefüttert. Ich lernte zu teilen, und der Gedanke ist auch heute noch tief in mir drin. So spende ich regelmässig an vier Blindenorganisationen, und auch das Preisgeld als «Rüüdige Lozärner» habe ich gespendet.

Apropos höllisch. Wie heissen die Würste schon wieder, die so scharf sind?

Doggwiler: Sie meinen die Fakirwürste.

Aber auf die verzichten wir ja derzeit. Oder aber Sie fokussieren sich bei diesem schönen Wetter schon auf die Grillsaison. Das wäre eine gute Ausrede?

Doggwiler: Nein, die Grillsaison beginnt nach Ostern.

Da sind Sie strikt, so wie Sie diesen Satz betonen?

Doggwiler: Richtig.

Merken Sie als Metzgermeister die Fastenzeit?

Doggwiler: Das merken wir sogar gut. Der Fleischkonsum ist tatsächlich rückläufig. Die Leute kaufen weniger Fleisch, dafür bewusster und vielleicht auch mal ein besseres Stück. Zudem haben wir auch Brot, Gemüse und Milchprodukte in unserer Metzgerei.

Abgesehen vom Fleisch kann man ja an allen Ecken und Enden verzichten. Worauf verzichten Sie?

Doggwiler: Das Feierabendbier wird bei mir plötzlich zum Henniez oder zur Cola.

Angenommen, ich würde mich ans Fasten halten. Was könnte ich auf den Grill werfen?

Doggwiler: Nehmen Sie einen vorgegarten Maiskolben. Der sieht aus wie eine Wurst. Oder vielleicht Fleischkäse, dabei können Sie das Gewissen mit dem Wort Käse beruhigen.

Oder eben eine Fakirwurst?

Doggwiler: Genau, aber erst nach Ostern.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

mit Urs Doggwiler (54), Metzgerei Doggwiler, Luzern

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