FEIERTAG: St. Valentin und sein Gärtchen

Man mag den Blumenkult um den Valentinstag als pure Geschäftemacherei ansehen. Ob dem nun so ist oder nicht: Auch dieses Fest wurzelt – zum Teil – im christlichen Glauben.

Andreas Faessler
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Der heilige Valentin. Verdanken ihm die Blumenläden jeweils ihr grosses Geschäft am 14. Februar? (Bild: PD)

Der heilige Valentin. Verdanken ihm die Blumenläden jeweils ihr grosses Geschäft am 14. Februar? (Bild: PD)

Andreas Fässler

Bereits heute wird der Sturm auf die Blumenhändler einsetzen, morgen Samstag dürfte er seinen Höhepunkt erreichen, und Sonntag gleich noch mal. Denn die Blumengeschäfte haben diese «Not» erkannt, weshalb viele von ihnen auch an diesem Sonntag offen sein werden: Schliesslich ist es kein geringerer Feiertag als St. Valentin. Wieder werden Millionen Liebende weltweit ihre Verbundenheit miteinander bezeugen, indem sie sich mit Blumen beschenken – vor allem sind es an diesem Tag die Männer, die ihre Angebetete damit überraschen. Für die Händler alljährlich ein riesiges Geschäft. Der Valentinstag ist – oberflächlich betrachtet – schon lange zu einem Tag des puren Kommerzes verkommen, zumal es ja oft nicht bei Blumen bleibt. Süsse Dickmacher werden mitgeliefert, alles reich geschmückt mit roten Herzchen en masse. Der Valentinstag: für viele ein bedeutendes Datum, um ihre Liebe unter Beweis zu stellen, für andere auf gut Neudeutsch nichts als kitschbehaftetes Gedöns.

Zwei Figuren – eine Person?

Doch trotz der wohl nicht ganz unberechtigten Annahme, dass der Valentinstag eine geschickte Erfindung der Blumenhändler sei, um das grosse Geld zu machen, hat auch diese heute weltweite, von jeglicher Konfession entkoppelte Tradition einen religiösen Hintergrund. Dieser liegt jedoch insofern im Dunkeln, als der Zusammenhang mit dem heutigen Brauchtum lediglich auf kaum belegten Überlieferungen beruht. Die Krux bei der Herleitung beginnt bereits bei der Definition des heiligen Valentin, der dem Ganzen Pate steht. Überliefert sind in diesem Kontext nämlich zwei kirchliche Figuren selben Namens, wobei unklar ist, ob es tatsächlich zwei unterschiedliche Personen waren oder ob es sich um ein und denselben Valentin gehandelte. Die Rede ist einerseits von Bischof Valentin von Interamna Nahars (Terni) und andererseits von einem Valentin von Rom. Da zu beiden Namen ähnliche Lebensdaten notiert sind, wird oft angenommen, dass es sich um ein und denselben Valentin handeln dürfte, der damals im 3. Jahrhundert wie so viele hohe Vertreter der frühchristlichen Kirche in Rom den Märtyrertod erlitten hat.

Valentin der Märtyrer

Die Essenz der heutigen Tradition am Valentinstag bildet eine reizende Geschichte um Valentin, die zwar gänzlich im Reich der Sagen und Legenden anzusiedeln ist, jedoch einst ausreichend Bedeutung erlangte, um den anhaltenden Blumenkult zu befeuern oder wenigstens zu erklären. So soll Valentin, der in vereinzelten Quellen auch als armer, ehrenwerter Priester in Rom beschrieben wird, zu Lebzeiten Verliebte christlich getraut haben. Darunter auch römische Soldaten, die per kaiserlichem Gesetz unvermählt zu bleiben hatten. Weiter berichtet die im Laufe der Jahrhunderte mit allerhand Details angereicherte Sage, dass Valentin neben seinem Haus ein eigenes Gärtchen pflegte und jedem neuen Paar gleich nach dem Jawort daraus eine Blume schenkte. Von Valentin getraute Ehen galten als unter einem besonders guten Stern stehend. Er soll auch Paare seelsorgerisch unterstützt haben, die in einer Liebeskrise standen. Kaiser Claudius II. sah, wie Valentin sich seinen Vorgaben widersetzte und liess ihn – so überliefert – am 14. Februar 269 per Enthauptung hinrichten. Ob es Zufall ist, dass der 14. Februar einerseits ein Feiertag zu Ehren der römischen Ehegöttin Juno war, an dem Blumenopfer ihr zu Ehren dargebracht wurden, und andererseits just am darauffolgenden Tag in Rom die Lupercalien gefeiert wurden? Es war dies das heidnische Fest der Liebe und der Fruchtbarkeit. Alles Zutaten, die für die Legendenbildung um den heiligen Valentin Stoff lieferten.

Rund um den 14. Februar

Mancherorts herrscht noch der alte Volksglaube, dass ein Mädchen die Frau desjenigen Mannes werde, den es am Valentinstag als ersten zu Gesicht bekommt. Die liebestollen Männer bringen daher an diesem Tag ihrer Angebeteten in aller Herrgottsfrühe einen Blumenstrauss. In England und Frankreich verbreitete sich der Glaube, dass am Valentinstag die Paarungszeit der Vögel beginnt. Von ebendiesen Ländern aus verbreitete sich die Gepflogenheit, am 14. Februar Blumen zu verschenken, besonders stark. Durch Emigration fasste der Brauch in Amerika Fuss, erlebte einen Höhenflug und wurde später wieder zurück nach Europa gebracht – vor allem durch Kriegssoldaten. Um 1950 machten sich Blumenhändler diese alte neue Tradition zu Nutze und erklärten den Valentinstag zum Tag der Liebenden – das Motiv dazu ist selbsterklärend.

Kein Valentins-Gedenktag

Abschliessend bleibt festzuhalten, dass der heute gepflegte Brauch des Blumenschenkens am Valentinstag mit dem eigentlichen Namensgeber, dem heiligen Valentin, kaum in einen direkten Zusammenhang gestellt werden kann, sondern das Produkt mehrerer Einflüsse und Herleitungen ist. Die Ungewissheit über den heiligen Valentin hat die katholische Kirche veranlasst, den 14. Februar nicht als Valentins-­Gedenktag offiziell anzuerkennen. Die historisch nicht nachweislich belegte Heiligenfigur diente jedoch immerhin der Bildung jener Legende, aus der sich im Laufe der Zeit das so stark verbreitete Brauchtum gebildet hat, von dem die Blumenhändler und in zweiter Linie auch die Confiseure heute Profit schlagen.