FERDY KÜBLER WIRD 90: «Ferdy, willst du den Klausenpass kaufen?»

Grosse Eriegnisse werfen ihre Schatten voraus: Radlegende Ferdy Kübler hat die erste Feier zu seinem 90. Geburtstag im Juli schon hinter sich...

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Ferdinand «Ferdy» Kübler, der älteste noch lebende Tour-de-France-Sieger, mit seiner Ehefrau Christina in Zürich. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ferdinand «Ferdy» Kübler, der älteste noch lebende Tour-de-France-Sieger, mit seiner Ehefrau Christina in Zürich. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Das wird ein anstrengendes Jahr für Ferdinand Kübler, geboren am 24. Juli 1919 in Marthalen ZH. Erst in 79 Tagen wird der älteste noch lebende Tour-de-France-Sieger (1950 als erster Schweizer) 90 Jahre alt. Der grosse Reigen von Feiern und Ehrungen für den neben alt Bundesrat Adolf Ogi wohl beliebtesten Schweizer Bürger begann indes bereits gestern: Gegen 200 Radsportfans, Freunde und Weggefährten feierten «Ferdy National» im Zürcher In-Lokal «Kaufleuten». Und sie gedachten gleichzeitig dem unvergessenen Hugo Koblet, Küblers langjähriger, Stadtzürcher Erzrivale, der vor bald 45 Jahren bei einem Autounfall starb.

«Wir waren nicht Feinde - aber auch keine Freunde»
«Erzrivale? Naja», schmunzelte «Ferdinando» Kübler, der Zeit seines Lebens nie einer Fliege etwas antun konnte und seit zwei Jahren in Birmensdorf ZH Nachbar von Ex-Fussball-Naticoach Köbi Kuhn ist. «Hugo und ich waren keine Feinde – aber auch keine Freunde. Während zehn Jahren haben praktisch Rad an Rad gekämpft und uns nichts geschenkt. Hugo und ich haben einander einfach immer angestachelt, oder, schöner gesagt, inspiriert.» Auf pointierte Weise, wie Kübler der Neuen Luzerner Zeitung erzählte: «Fast eine Stunde steil bergauf gings bei 40 Grad Hitze. Da ging mir das Wasser aus», erinnerte sich der Strassenweltmeister von 1951 und dreifache Tour-de-Suisse-Sieger (1942, 1948, 1951). «Verzweifelt bat ich Hugo um einen Schluck Wasser.» Da nahm Koblet den Behälter, leerte den Inhalt über das Vorderrad seines Widersachers und sagte: «Hey, Ferdy, hast du Durst?»

Eine Anekdote nach der anderen...
Stundenlang kann «mein allerliebster Schatz», wie ihn seine 28 Jahre jüngere Ehefrau Christina liebevoll nennt, «herrliche Anekdoten» erzählen. Etwa jene vom Urner Bauer, der 1951, als Ferdy mehrere Tage den Klausenpass rauf und runter pedalte, plötzlich mal am Strassenrand fragte: «Hey, Ferdy, willst du eigentlich den Klausen kaufen?» Oder jene eines Teamkollegen, der Ferdy seine Hilfe beim Flicken eines platten Pneus anbot – und Ferdy sagte: «Nein, nein, das mache ich schon selber hier. Geh du lieber ganz nach vorne bremsen!» Köstlich kann da Christina lachen. 1969 haben sich die beiden in Davos beim Skifahren kennen gelernt, 25 Jahre später heirateten sie.

Lang soll er leben, der liebe Ferdinando!
Und jetzt wird Ferdy 90. Der Schwyzer Ex-Politstar Melchior Ehrler, heute Präsident von Swiss Cycling, überbrachte das erste Geburtstagsgeschenk: ein riesiger Bergkristall. Die Bündner Radiofrau Riccarda Simonett präsentierte die Meilensteine von Kübler/Koblet und Schauspieler Max Rüdlinger las Buchtexte über die beiden vor. Wenn Kübler, der trotz Gehproblemen immer noch wacker Golf (Handicap 22) spielt, so weitermache, werde er «nicht 100 Jahre alt», schmunzelte der Urner Ex-Skirennfahrer Walter Tresch. «Sondern 110 Jahre!» Da schmunzelte die Krienser Sportreporterlegende Sepp Renggli: «Naja, Abraham in der Bibel ist auch 160 geworden.» Und der hat ja bekanntlich etliche Velokilometer weniger hinter sich? 

André Häfliger, Zürich