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FERIENZEIT: Reisen: Unsichere Schritte ausserhalb des Alltagstrotts

Der Aufbruch in die Ferien ist auch im mobilen Zeitalter eine emotionale Angelegenheit. In die Vorfreude mischt sich Verunsicherung – weil die Leitplanken des Alltagstrotts plötzlich weg sind.
Beda Hanimann
Nicht mehr zu Hause, noch nicht am Zielort: Auf Reisen begleitet viele Menschen eine vage Verunsicherung. (Bild: Willie B. Thomas/Getty)

Nicht mehr zu Hause, noch nicht am Zielort: Auf Reisen begleitet viele Menschen eine vage Verunsicherung. (Bild: Willie B. Thomas/Getty)

Beda Hanimann

Die unruhige Nacht ist das untrügliche Zeichen. Wälzen im zerknitterten Laken, obwohl weder eine Prüfung noch eine heikle Sitzung bevorstehen. Oder hat es schon vorher angefangen, ist das Fieber schon am Vorabend beim Packen gestiegen? Wie auch immer: Nun, mit der letzten Drehung des Schlüssels, ist es endgültig, diesmal werden wir nicht in fünf Stunden zurück sein. In fünf Stunden sind wir irgendwo. Irgendwo in der Schwebe, nicht mehr zu Hause, noch nicht am Ferienort.

Der Aufbruch in die Ferien, er ist auch im Zeitalter der selbstverständlichen Mobilität noch eine emotionale Angelegenheit. Wie ein Sprung über einen Bach, wir können nicht mehr zurück, wissen aber nicht, wie wir drüben landen werden. Eine gewisse Nervosität, Unruhe, Verunsicherung, aber es ist nicht nur das, da ist gleichzeitig dieses wunderbare Flirren, das Gefühl, dass alles möglich ist, dass wir gerade etwas lange Ersehntes erleben.

Zurücklassen, was man für unabdingbar hält

Mit jedem Kilometer, den wir uns weiter von zu Hause entfernen, löst sich unsere Alltagswelt mehr auf. Und es wird uns bewusst, wie gewohnheitsgesteuert wir unter dem Jahr sind. Die fixen Zeiten, die sonst unseren Tagen Struktur geben, gelten plötzlich nicht mehr, jetzt, auf der Reise, sind Fahrpläne, Kilometerangaben oder die nächste Tankstelle die Faktoren, die zählen. Das verunsichert. Das befreit.

Und es wird uns bewusst, was Reisen auch noch bedeutet. Wenn wir aufbrechen, lassen wir nicht nur Gewohnheiten zurück, sondern ein ganzes Arsenal von Dingen, die wir zu Hause für unabdingbar halten. Vom Kochherd über den Weinkeller bis zur Badewanne, alles, was wir uns zwischen Haustüre und Dachboden eingerichtet haben, was uns lebenstauglich macht, ist weit weg. Nur das Nötigste, wie wir glauben, haben wir in einen Koffer gequetscht. Aber haben wir wirklich an alles gedacht?

So gehen wir nochmals alles durch in Gedanken. Alles in Ordnung mit der Hotelreservation? Wird es klappen mit dem Anschlusszug oder -flug? Wird das Wetter so sein, wie man es sich in den Ferien automatisch vorstellt? Im Vakuum des Unterwegsseins hat die Unruhe so richtig schön Raum, sich auszubreiten. Und wir realisieren, es ist nichts so selbstverständlich, wie wir es uns im Alltag gewohnt sind. Die Leitplanke des Alltagstrotts ist plötzlich weg, das ist etwas verstörend. Das ist spannend.

So geht der Reisetag dahin. Wir bleiben zwar über Handy oder Tablet vernetzt, und doch haben wir uns abgekoppelt, unsere Existenz ist reduziert auf die Dinge, die wir auf uns tragen, auf ein paar Sachen in einem Koffer. Und auf die Aussicht auf einige entspannte Tage.

Und dann, nach der Hälfte der Reise, nach dem Passieren der letzten Landesgrenze oder wenn der Name der Feriendestination erstmals auf einem Wegweiser erscheint, dann spüren wir beglückt, wie sich die Anspannung allmählich löst. Beim Aushändigen des Zimmerschlüssels oder beim ersten Bier auf der Piazza, zum ersten Mal ohne den Kontrollblick auf unsere Tasche, da stellen wir fest: Das Reisefieber legt sich. Dann die erste Nacht im fremden Bett, unruhig noch, als untrügliches Zeichen. Die Ferien können beginnen.

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