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FERNSEHEN: Mehr als eine fromme Predigt

Einmal pro Monat hat die Luzerner Theologin Edith Birbaumer einen Auftritt als Sprecherin des «Wort zum Sonntag». Dahinter stecken viel Einsatz und Disziplin, wie ein Augenschein im Fernsehstudio zeigt.
Benno Bühlmann
Nach den letzten Besprechungen mit der Produzentin im Regieraum steht Edith Birbaumer vor der ­Kamera für ihr «Wort zum Sonntag».

Nach den letzten Besprechungen mit der Produzentin im Regieraum steht Edith Birbaumer vor der ­Kamera für ihr «Wort zum Sonntag».

Benno Bühlmann

redaktion@luzernerzeitung.ch

Es ist Freitag, 13.30 Uhr. Beim Empfang des Fernsehstudios in Zürich Leutschenbach ist es zu diesem Zeitpunkt noch verhältnismässig ruhig. In einer Stunde wird die Luzerner Theologin Edith Birbaumer im Studio 11 erwartet. Dort findet die Aufzeichnung der Sendung «Wort zum Sonntag» statt, die einen Tag später nach der Hauptausgabe der Tagesschau auf SRF 1 ausgestrahlt wird. Gelassen schaut sie diesem keineswegs alltäglichen Ereignis entgegen und zeigt kaum Nervosität. «In meiner Schulzeit war das noch ganz anders», erzählt Edith Birbaumer: «Da bin ich vor einem Vortrag fast gestorben vor Nervosität.» Doch durch ihre langjährige Pfarreiarbeit als katholische Pastoralassistentin in Cham und Luzern habe sie vielfältige Predigterfahrungen sammeln können und sei es mittlerweile gewohnt, hinzustehen und vor Publikum zu sprechen.

Auch kirchenfernes Publikum erreichen

Der bevorstehende Auftritt im SRF 1 – bei Einschaltquoten von etwa 300000 Zuschauerinnen und Zuschauern – stellt allerdings eine weit grössere Herausforderung dar: «Die Woche zuvor ist für mich jeweils sehr intensiv», meint die Theologin und lässt durchblicken, dass die Suche nach einem geeigneten Thema und das Ausformulieren des Textes mit viel Knochenarbeit verbunden sind. Vor allem dann, wenn das «Wort zum Sonntag» mehr als eine fromme Sonntagspredigt sein und auch ein kirchenfernes Publikum erreichen soll.

In der Empfangshalle des Fernsehstudios trifft wenige Minuten später Christine Stark ein, die als SRF-Redaktorin die inhaltliche Verantwortung für die Sendung trägt und deshalb den aktuellen Beitrag von Edith Birbaumer bereits am Dienstag zur Begutachtung erhalten hat. «Wir von der Redaktion üben keine Zensur aus, achten aber auf die Einhaltung der publizistischen Grundsätze des Schweizer Fernsehens.» Gerade unmittelbar vor Abstimmungen könnten politische Aussagen heikel sein, was aber nicht heisse, dass nicht auch politische Themen angesprochen werden sollen. «Beim ‹Wort zum Sonntag› handelt es sich um einen christlichen Kommentar zum Zeitgeschehen, der das Publikum zum Nachdenken anregen soll.»

Die Maske – eine Oase vor dem Auftritt

Die Zeit reicht gerade noch für einen kurzen Aufenthalt in der Cafeteria. Hier kommt es ganz unerwartet zu einem kurzen Schwatz mit Röbi Koller, der während der Vorbereitung für die kommende «Happy Day»-Sendung ebenfalls eine Kaffeepause eingelegt hat. Wenig später sitzt Edith Birbaumer bei der Maske. Es handelt sich hier gewissermassen um die Oase vor dem grossen Auftritt, die nebenbei auch eine psychologische Funktion übernimmt: Durch eine einfühlsame Betreuung und die «Streicheleinheiten» der Schminkpinsel beruhige sich so mancher vor seinem Auftritt, wie Markus Koller, Leiter der Maske bei SRF, betont. Nun sitzt hier auch die Luzerner Theologin auf einem der Stühle, wo so manche Berühmtheiten vor ihrem Auftritt im Schweizer Fernsehen schon Platz genommen haben. Im vergangenen Oktober sei auch der Dalai Lama vor dem Interview in der Sendung «Sternstunde Religion» hier gewesen, erzählt der Visagist nicht ohne Stolz.

Der Teleprompter leistet gute Dienste

Wenig später, pünktlich um 14.30 Uhr, steht Edith Birbaumer im Studio 11 und wird dort vom Techniker mit einem Mikrofon ausgestattet, während nebenan im Regieraum die Produzentin noch letzte Anweisungen für den Ablauf der Aufzeichnung gibt. Der Adrenalinspiegel ist in der Zwischenzeit ein wenig angestiegen.

Die Luzerner Theologin ist indes froh, dass sie auf die verlässliche Unterstützung des Teleprompters zählen darf, der ihr den Text über einen Einwegspiegel vor dem Objektiv einblendet. In ihrem heutigen «Wort zum Sonntag» will Edith Birbaumer über das Verhältnis von Weisheit und Wissen nachdenken und den Zuschauerinnen und Zuschauern die Bedeutung von Mythen und Märchen nahebringen.

Der Mensch braucht Nahrung für die Seele

Ausgangspunkt ihres maximal vier Minuten dauernden Gedankengangs bildet der Hinweis auf die Informationsflut, die täglich durch die Medien verbreitet wird und viele Menschen überfordert. Es gebe immer wieder Situationen im Leben, in denen der Mensch sprachlos sei – Wissen allein könne da oft nicht mehr weiterhelfen, betont die Theologin. Da seien oft Weisheitsgeschichten, Märchen und Mythen willkommen, die grundlegende Lebenserfahrungen thematisieren: «Unser Wissensdurst will zwar gestillt werden, aber wenn wir eine Durststrecke im Leben durchmachen, brauchen wir auch Nahrung für die Seele.»

Mit diesen Gedanken beschliesst Edith Birbaumer dieses Mal das «Wort zum Sonntag». – Und vom Regieraum nebenan vernimmt sie kurz darauf den Kommentar der Produzentin: «Wir nehmen diese Aufnahme – das haben Sie perfekt gemacht.»

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