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FIDGET SPINNER: Ein Hype kommt aus dem Nichts

Was dieses Jahr der Handkreisel ist, waren früher Zauberwürfel, Slime, Tamagotchis oder Pokémon-Sammelkarten. Irgendwo wird eine Flamme entfacht. Am Schluss ist’s ein grosses Feuer.
Jacqueline Schilling
Fidget Spinner, Slime, Rubik Cube und Rainbow Looms. Sie alle wurden zu Spielzeug-Hits auf der ganzen Welt. (Bilder: PD)

Fidget Spinner, Slime, Rubik Cube und Rainbow Looms. Sie alle wurden zu Spielzeug-Hits auf der ganzen Welt. (Bilder: PD)

Jacqueline Schilling

«Äh, sind das die Dinger, die jetzt alle Kinder haben müssen?», fragt die ältere Frau am Kiosk und zeigt auf die Schachtel mit den bunten Fidget Spinners. Was man denn damit tue, will sie wissen. «Sie lassen sich drehen –und sind im übrigen sinnleer», erklärt die Verkäuferin. «Aha», kommentiert die Kundin, schüttelt den Kopf und nimmt vier Päckli aus dem Ständer – für die Enkelkinder. Fidget Spinners sind der Hype (= überschwängliche Begeisterung) dieses Sommers. An der grössten Spielzeugmesse der Welt in Nürnberg Anfang dieses Jahres hatte noch niemand ihr Potenzial erkannt. Bereits einen Monat später explodierten die Verkaufszahlen. Immer wieder waren die Handkreisel ausverkauft. «Fidget» bedeutet zappeln, «Spinner» kreiseln oder wirbeln. Erfunden hat den Kreisel in den Achtzigerjahren angeblich die Amerikanerin Catherine Hettinger. 2005 lief das Patent aus. Jetzt gibt’s die Fidget Spinners überall zu kaufen – im Spielzeuggeschäft, beim Grossverteiler und an der Tankstelle. Eines haben alle gemeinsam: ein Kugellager in der Mitte. Es gibt Modelle mit zwei Armen oder drei, solche, die aufblitzen oder im Dunklen leuchten. Manche drehen sich minutenlang. Tipps und Tricks gibt’s auf Youtube. Die Zahl der Aufrufe ist beeindruckend.

Küken füttern nicht vergessen

Trendspielzeuge gibt’s immer wieder. Da war in den Siebziger- und Achtzigerjahren der Rubikwürfel aus 27 bunten Würfelsteinen. Die einzelnen Würfelchen müssen so lang gedreht werden, bis alle sechs Seiten eine einheitliche Farbe haben. In Anbetracht von errechneten 43 Trillionen (43 000 000 000 000 000 000) Ausgangspositionen ist das ein schwieriges Unterfangen. Jahre später werden erste Lösungswege publiziert. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anleitungen, wie man den Zauberwürfel in wenigen Minuten knackt. Bis heute sollen 350 Millionen Rubik Cubes verkauft worden sein.

Nichts mit Knobeln zu tun hatte ein weiterer Trend: Slime. Slime heisst «Schleim» und genau das ist er auch. Grün und zähflüssig in einer ebenfalls grünen «Mülltonne» brachte ihn Mattel als Spielzeug auf den Markt. Den Sinn dahinter muss man suchen. Vornehmlich sei es eine taktile Erfahrung – also eine, die mit Berührung zu tun hat –, heisst es. Dazu kommt der Ekelfaktor. Das Hantieren mit dem zähflüssigen, dehnbaren Material könne Kurzweil bieten. Definitiv kurzweilig war das Spiel mit den Tamagotchis, den virtuellen Küken in den Neunzigerjahren. Sie wollen fressen, schlafen, gehätschelt und gepflegt werden, wann immer sie danach verlangen. Wird das Tier vernachlässigt, stirbt es, kann aber durch das Drücken des Reset-Schalters wiederbelebt werden. Jetzt, zwanzig Jahre später, ist das Kult-Ei zurück. Immer noch da sind die Pokémon-Sammelkarten. Die ersten Pokémon-Spiele waren 1996 von Nintendo in Japan veröffentlicht worden und hatten es geschafft, den totgeglaubten Gameboy wiederzubeleben. Später kamen unter anderem eine Fernsehserie und eben die Sammelkarten dazu. 21,5 Milliarden Exemplare sind in 74 Ländern verkauft worden. Gekommen und wieder verschwunden sind die Loom Bands. Die bunten Gummiringe, die zu Armbändern und Anhängern verwoben wurden, waren im Tausenderpack verkauft worden.

Was zu einem Spielzeug-Hype werden soll, muss für Kinder auf der ganzen Welt funktionieren und bei den Jugendlichen «zünden», sagen Fachleute. So werde aus einer Schneeflocke eine Lawine.

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