FLORENZ: «Wasser marsch!» gegen Touristen

Die Hauptstadt der Toskana will mit Wasser Touristen zu vertreiben, die sich nicht benehmen. Denn: Geldstrafen seien unoriginell, findet der Bürgermeister. Er denkt nun über den Einsatz von Benimm-Stewards nach.

Dominik Straub, Rom
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Ein Arbeiter spritzt die Treppe vor der Santa-Croce-Basilika in Florenz mit Wasser ab. (Bild: Maurizio Degl’Innocenti/EPA (Florenz, 31. Mai 2017))

Ein Arbeiter spritzt die Treppe vor der Santa-Croce-Basilika in Florenz mit Wasser ab. (Bild: Maurizio Degl’Innocenti/EPA (Florenz, 31. Mai 2017))

Dominik Straub, Rom

«Kirchen und Baudenkmäler sind keine Restaurants», begründet der Florentiner Bürgermeister Dario Nardella seine neue Anweisung, die Treppen und Plätze vor einigen besonders beliebten und gut besuchten Basiliken und Monumenten immer mal wieder mit Wasser abzuspritzen. Mit der Massnahme sollen freche Touristen daran gehindert werden, sich auf den Boden zu setzen und zu picknicken.

Um zu verdeutlichen, wo das Problem liegt, ergänzte Nardella: «Als ich kürzlich Istanbul besuchte, habe ich vor der Blauen Moschee auch kein Mortadella-Brötchen gegessen und das Papier und die Cola-Büchse anschliessend auf den Boden geworfen.»

Verdatterte Reisende suchten das Weite

Und so hiess es diesen Mittwoch um 13 Uhr vor der prächtigen Santa-Croce-Kirche im Herzen von Florenz erstmals «Wasser marsch!». Angestellte der Stadtreinigung öffneten die Schläuche und Hochdruckreiniger, die sie zuvor an Hydranten angeschlossen hatten, und fluteten die Treppe vor der Basilika, auf der Dutzende Touristen sassen. Die verdatterten Florenz-Reisenden suchten das Weite und verstanden die Welt nicht mehr.

«So etwas habe ich noch nie erlebt», sagte eine junge Amerikanerin in einem Lokalradio. Sie verstehe durchaus, dass diejenigen, die Abfall hinterlassen, bestraft werden müssen. «Aber ich habe ja nur dagesessen und mich ausgeruht.»

Das Problem mit Touristen, die sich nicht zu benehmen wissen und die historischen Baudenkmäler mit Imbissbuden verwechseln, kennt nicht nur Florenz. In Rom musste unlängst die Spanische Treppe mit grossem finanziellem Aufwand von Millionen festgeklebten Kaugummis, Essensresten, Weinflecken und menschlichen Körperflüssigkeiten befreit werden.

Man könne das Vorgehen des Florentiner Bürgermeisters zwar tollpatschig finden, schrieb gestern die Römer Zeitung «La Repubblica» in einem Kommentar. «Aber der mangelnde Anstand vieler Touristen ist eine Realität, der man dringend etwas entgegensetzen muss.»

Die Frage ist nur: was? Nardella sagt, er finde Geldstrafen für die Problemgäste, wie sie etwa Venedig kennt, unoriginell. Neben der sporadischen Flutung der einschlägigen Treppen und Plätze will er die Touristen deshalb auch «erziehen» – mit entsprechenden Schildern und eventuell auch durch den Einsatz von Stewards, die den Touristen, die es nötig haben, die elementarsten Benimmregeln beibringen. In Rom wiederum hatte die Stadtregierung zunächst erwogen, die Spanische Treppe nach der Restaurierung einfach abzusperren. Von der Idee ist man aber wieder abgekommen, und nun wird dort wieder gesessen und gegessen.

Ähnliches passiert übrigens auch in Florenz, trotz der Flutungen. Dario Nardella hat nämlich ein nicht ganz unwesentliches Detail übersehen: Wasser hat, besonders in diesen hochsommerlich warmen Tagen, die Tendenz zu verdunsten. Die Treppen, Plätze und Trottoirs, die in der Stadt seit Mittwoch mit grossem Bierernst alle paar Stunden benetzt werden, sind denn auch im Handumdrehen wieder trocken und laden erneut zum Verweilen ein. «Bürgermeister ist kein einfacher Job», meinte die «Repubblica» gestern ironisch.