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FLUGOBJEKTE: Mit den Drohnen steigt das Misstrauen

Sie werden immer billiger und einfacher zu bedienen: Drohnen werden längst nicht mehr nur für Luftaufnahmen verwendet. Das bringt mehr Probleme.
Francisco Klauser und Silvana Pedrozo
Jean-Christophe Zufferey (40) (Bild: CEO und Mitgründer von Sensefly)

Jean-Christophe Zufferey (40) (Bild: CEO und Mitgründer von Sensefly)

Geschätzte 22 000 Drohnen bevölkern den Schweizer Himmel. Allerdings, Drohne ist nicht gleich Drohne. Aussehen, Preis und Verwendung variieren enorm. Einige Drohnen sind so klein wie Insekten, andere so gross wie Kleinflugzeuge. Drohnen können zum Warentransport, aber auch für Luftaufnahmen und Überwachungszwecke eingesetzt werden. Spielzeugdrohnen erfreuen Jung und Alt, Kampfdrohnen verbreiten Angst und Schrecken. Allgemein gilt hingegen: Unbemannte, kamerabestückte Luftfahrzeuge werden heute immer billiger, einfacher zu bedienen und vor allem leistungsfähiger.

Einsatz an 1.-Mai-Demo

Am bekanntesten sind wohl die Drohnen der Schweizer Armee. Dies vor allem deshalb, weil Armeedrohnen seit einigen Jahren zahlreiche Observationsaufgaben im Bereich des Grenzschutzes übernehmen. Rund 60 Drohneneinsätze werden diesbezüglich pro Jahr verbucht, wie Martin Affolter, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, sagt. Seit der Euro 2008, als Armeedrohnen über Bern, Zürich und Basel kreisten, werden zudem immer mehr polizeiunterstützende Einsätze über städtischem Gebiet geflogen, wie beispielsweise am 1. Mai in Zürich. Dabei geht es um die frühzeitige Erkennung unbewilligter Nachdemonstrationen und Ausschreitungen.

Umstrittenes Rüstungsprojekt

Am Dienstag entscheidet nun der Nationalrat über die Beschaffung neuer Armeedrohnen im Rahmen des Rüstungsprogramms 2015. Das Geschäft ist allerdings aufgrund der israelischen, kriegserprobten Herkunft der Drohnen umstritten. Strittig ist auch die Frage, inwieweit neue Armeedrohnen der Polizei bei der Kriminalitätsbekämpfung helfen könnten, wie dies bereits letztes Jahr vom Schweizerischen Polizeibeamtenverband gefordert wurde. Dabei ist nicht zu vergessen, dass immer mehr Polizeikorps selbst Drohnen oder Multi­copter besitzen, wie die Luftfahrzeuge im Polizeijargon genannt werden. Neben der Polizei und der Armee werden Drohnen immer häufiger auch von Feuerwehren und Rettungsdiensten respektive von privaten Betreibern eingesetzt. «Seit August 2014 wurden beim Bundesamt für Zivilluftfahrt 15 Gesuche für Drohnenflüge ohne Augenkontakt eingereicht. Bewilligt wurden 3 mit Auflagen. Weitere 15 Gesuche wurden geprüft für Operationen über Menschenansammlungen. Davon wurden 4 bewilligt. In allen Fällen dürfen die Drohnen nur angebunden fliegen», betont Urs Holderegger, Mediensprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl).

Zirkusnummer mit Drohnen

Tatsächlich sind Luftaufnahmen ­he­ute sehr gefragt. Egal ob private Hochzeit oder Miss-Schweiz-Wahl auf dem Bundesplatz, die Drohnenfotografie boomt. Der britische Medienwissenschaftler Rob Coley spricht deshalb gar von einer «Drohnenkultur» unserer Gesellschaft. Dies mag zwar etwas übertrieben tönen, unbestritten ist jedoch, dass Drohnen längst zu einem Bestandteil unseres Alltags geworden sind: Die britische Rockband Muse hat soeben ihr neuestes Album «Drones» veröffentlicht. Der Autohersteller Audi inszeniert derweil in seinem aktuellen Werbeclip eine Drohnen-Verfolgungsjagd. Sogar der Cirque du Soleil hat eine Nummer mit computergesteuerten Drohnen einstudiert.

Datenschutz ist das Problem

Die rasante Verbreitung von Drohnen eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten, sondern birgt auch neue Gefahren. Das Bazl erarbeitet deshalb zurzeit zusammen mit anderen Bundesämtern einen umfassenden Bericht zur Drohnenproblematik. Unklar ist allerdings noch, ob der Bericht auch öffentlich sein wird.

So oder so, die Risiken der Drohnenentwicklung sind bekannt. Ein Problem ist der Datenschutz, denn Hecken und Zäune bieten heute kaum noch Schutz vor neugierigen Nachbarsaugen. Ein anderes Problem ist die Sicherheit. Drohnen könnten für terroristische Anschläge missbraucht werden. Drohnen können aber auch schlicht abstürzen. Bereits eine Reihe von Unternehmen hat sich deshalb auf das Aufspüren und Abwehren von Drohnen spezialisiert. Dabei geht es um sehr unterschiedliche Massnahmen, von Fangnetzen bis zu Abwehrdrohnen.

Hinweis

Die beiden Autoren arbeiten am Institut de Géographie Université de Neuchâtel, wo sie sich unter anderem mit der Problematik von Drohnen beschäftigen.

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