FLUGZEUGABSTURZ: Sogar die Passagierliste ist nur provisorisch

Die Passagierlisten zeigen: An Bord der Unglücksmaschine, die am Dienstag in den französischen Alpen zerschellte, waren wahrscheinlich 150 Passagiere aus 16 Ländern. Schweizer waren keine darunter.

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Ein Helikopter überfliegt die Absturzstelle in den französischen Alpen. (Bild: Keystone)

Ein Helikopter überfliegt die Absturzstelle in den französischen Alpen. (Bild: Keystone)

Beim Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 in Südfrankreich sind am Dienstag mit allergrösster Wahrscheinlichkeit alle 150 Menschen, die an Bord waren, ums Leben gekommen. Die Opfer kamen nach vorläufigen Angaben aus 16 Ländern. Teilweise unterscheiden sich die Angaben der Airline von den Regierungsangaben.

Die folgende Liste weist zusammengerechnet 151 Opfer aus. Womöglich führen doppelte Staatsbürgerschaften zu Mehrfachzählungen.

  • 72 Deutsche, nach Angaben von Germanwings-Chef Thomas Winkelmann,
  •  51 Spanier, nach Angaben aus spanischen Regierungskreisen,
  • 3 US-Amerikaner, nach Angaben des Aussenministeriums,
  • 3 Briten, nach Angaben des britischen Aussenministers Philip Hammond,
  • 3 Kasachen, nach Angaben des kasachischen Aussenministeriums,
  • 3 Argentinier, laut Medienberichten,
  • 2 Australier, nach Angaben des australischen Aussenministerium,
  • 2 Kolumbianer, nach Angaben des Aussenministeriums,
  • 2 Mexikaner, nach Angaben des Aussenministeriums,
  • 2 Japaner, nach Angaben der japanischen Regierung,
  • 2 Iraner, 2 Venezolaner, 1 Niederländer, 1 Däne, 1 Belgier, 1 Israeli, nach Angaben von Germanwings.

Schusssichere, blockierbare Türe

Nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen ist das Geschehen im Cockpit in den Fokus des Ermittlungsinteresses geraten. Der Pilot soll nach zunächst unbestätigten Medienberichten versucht haben, wieder ins Cockpit zu gelangen, aber an der Tür gescheitert sein. Das kommt nicht von Ungefähr: Wenn die Person im Innern des Cockpit es will, kommt dort niemand hinein.

Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 sind die Cockpit-Türen in Flugzeugen besonders gesichert worden, um unerlaubtes Eindringen zu verhindern. Die Türen halten Schüsse ins Cockpit ab und können von der Crew nur mit einem bestimmten Code geöffnet werden. Jede Airline hat diesbezüglich ihre speziellen Regelungen. Zudem zeigt nach Angaben des Flugzeugherstellers Airbus eine Video-Kamera der Besatzung , wer gerade Einlass begehrt.

Bei einer Bedrohungslage können die Piloten die Tür schliesslich auch dann blockieren, wenn aussen der korrekte Code eingegeben wird. In besonderen Notfällen besteht nach Angaben der Vereinigung Cockpit technisch zwar die Möglichkeit, auch von aussen die Cockpit-Tür zu öffnen. Aus Sicherheitsgründen öffnet sich die Tür dann meist aber erst nach einer Zeitverzögerung. Je nach Programmierung kann die Verzögerung Sekunden oder auch Minuten dauern. Und sie versagt, wenn der Pilot im Cockpit den Zugang blockiert.

Viel Erfahrung an Bord

Über den Copiloten der Germanwings-Maschine, der beim Absturtz offenbar alleine im Cockpit sass, ist bekannt, dass er seit September 2013 für die Fluggesellschaft tätig war. Er habe 630 Flugstunden absolviert, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Donnerstag. Vor der Anstellung sei der Mann an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa, der Muttergesellschaft von Germanwings, in Bremen zum Piloten ausgebildet worden.

Der Flugkapitän der Unglücksmaschine war nach früheren Angaben von Germanwings ein sehr erfahrener Pilot. Er war seit über zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings geflogen und hatte auf dem A320 mehr als 6000 Flugstunden absolviert.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich suchen Ermittler nach den Ursachen. Aus dem Stimmenrekorder der Maschine wurden am Mittwoch erste Daten gesichert. Demnach soll zum Zeitpunkt des Absturzes nur ein Pilot im Cockpit gewesen sein. Die Ursache für das Unglück bleibt ungeklärt.

Was weiss man, was weiss man nicht?

Beim Wissensstand von Donnerstag Mittag war über den Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich als Fakt gesichert:

  • Der Airbus A320 ist am Dienstag um 10.01 Uhr mit 150 Menschen an Bord in Barcelona gestartet. Die meisten Flugzeuginsassen kamen aus Deutschland und Spanien. - Kurz nach dem Erreichen der regulären Reiseflughöhe von 38'000 Fuss (11,5 Kilometer) ging die Maschine ohne Hinweis an die französische Flugkontrolle oder ein Notsignal in einen schnellen Sinkflug über.
  • Das Flugzeug zerschellte in den französischen Alpen bei Seyne-les-Alpes.
  • Ermittler haben am Mittwoch auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber sicherstellen können. Nach Informationen der «New York Times» und der Nachrichtenagentur AFP geht aus den Aufzeichnungen hervor, dass zum Zeitpunkt des Absturzes nur ein Pilot im Cockpit war. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.
  •  Die Maschine flog bis zum Aufprall, ohne dass es eine Explosion gab, wie die französische Untersuchungsbehörde BEA mitteilte.

Diese Fragen sind noch unbeantwortet

  • Warum verliess einer der beiden Piloten das Cockpit?
  • Warum konnte er nicht mehr zurück?
  • Wieso reagierte der zweite Pilot nicht?
  • Warum gab es keine Kommunikation der Piloten mit der Flugkontrolle mehr und auch kein Notsignal?
  • Widersprüchliche Angaben gibt es zur zeitlichen Abfolge von Flughöhe und Sinkflug.

(sda/cv)

Ein Bild der gefundenen Blackbox des Airbus A-320 (Bild: Keystone)
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Mitarbeiter der Firma Delphi trauern während einer Schweigeminute in Barcelona um ihre beim Flugzeugabsturz verunglückten Kollegen. (Bild: EPA)
Frankreichs Präsident Françcois Hollande und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel versprachen umfassende Aufklärung. (Bild: Keystone)
Mittwoch, 10.53 Uhr am Schalter der Lufthansa in Düsseldorf: Angestellte gedenken mit einer Schweigeminute der Opfer des Germanwings-Absturzes. (Bild: Keystone)
Die Flaggen in Berlin wurden auf Halbmast gesetzt. (Bild: Keystone)
Schüler trauern im Joseph-König-Gymnasium in Haltern um ihre Kollegen. (Bild: Keystone)
Grosses Medieninteresse in Seyne-les-Alpes, in der Nähe der Absturzstelle. (Bild: Keystone)
Polizisten bei der Arbeit an der Unglücksstelle. (Bild: Keystone)
Unter Hochdruck suchen Ermittler nach der Ursache für den verheerenden Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen: Ermittler haben am Mittwoch das unwegsame Gelände der Absturzstelle durchkämmt und mit der Auswertung des Stimmenrekorders begonnen. (Bild: Keystone)
Nach einem Unterbruch in der Nacht nahmen die Bergungsmannschaften am frühen Morgen ihre Arbeit wieder auf. Mehrere Helikopter starteten zur schwer zugänglichen Unglücksstelle. (Bild: Keystone)
Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die die Nacht am Bergmassiv in Biwaks verbracht hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort. (Bild: Keystone)
Die Bergung der 150 Toten in der Hochgebirgsregion wird nach Einschätzung der Polizei extrem schwierig werden. Am Mittwoch sollten noch keine Opfer geborgen werden. (Bild: Keystone)
Blick auf ein Wrackteil. (Bild: Keystone)
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (3. von links) sprach mit Einsatzkräften und informierte sich aus erster Hand über die schwierige Bergung von Trümmern und Opfern. Sie wird von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und dem französischen Präsidenten François Hollande begleitet. (Bild: Keystone)
«Das war mit Abstand das Schlimmste der letzten 20 Jahre - seit ich in dieser Branche bin», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch nach dem Treffen mit den Angehörigen am Düsseldorfer Airport. (Bild: Keystone)

Ein Bild der gefundenen Blackbox des Airbus A-320 (Bild: Keystone)

Tausende Trümmerteile liegen verteilt über mehrere Kilometer. (Bild: Keystone)
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Die Trümmerteile liegen weit verstreut herum. (Bild: Keystone)
Rettungskräfte bereiten sich auf ihren Einsatz vor. (Bild: Keystone)
Frank-Walter Steinmeier zeigt sich nach einem Flug über den Absturzort der Germanwings-Maschine entsetzt: «Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens», sagt er. «Die Trauer der Familien und Angehörigen ist unermesslich». (Bild: Keystone)
Ein Rettungshelikopter hebt in Seyne-les-Alpes ab, um zur Absturzstelle zu fliegen. (Bild: Keystone)
Helikopter der französischen Luftwaffe und der Zivilschutzdienste in Seyne. (Bild: Keystone)
Die Einsatzkräfte versammeln sich nahe der Absturzstelle in Seyne-Les-Alpes. (Bild: Keystone)
Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf mit Flug 4U9525 aus Barcelona. (Bild: Keystone)
Trauernde auf dem Flughafen in Barcelona. (Bild: Keystone)
Kollegen trauern am Joseph-König-Gymnasium in Haltern um ihre Kollegen. Unter den 150 Todesopfern befinden sich 16 Schüler sowie 2 Lehrer. (Bild: Keystone)
Ein Flugzeugabsturz als Medienereignis: Übertragungswagen am Düsseldorfer Flughafen. (Bild: Keystone)
Care-Team bringt Angehörige auf dem Flughafen Düsseldorf weg. (Bild: Keystone)
Angesichts des Unglücks brach Spaniens König Felipe VI. einen auf drei Tage angesetzten Staatsbesuch in Frankreich ab. Dies verkündete er vor dem Elysée-Palast in Paris, wo er kurz zuvor angekommen war. Der König sprach in einer Erklärung von einer «fürchterlichen Katastrophe». Der König drückte allen betroffenen Familien und Angehörigen der Opfer sein aufrichtigstes Beileid aus. Staatspräsident François Hollande hatte das spanische Königspaar wenige Stunden nach dem Absturz des Airbus im Elysée-Palast empfangen. Die Begrüssung im Hof des Präsidentensitzes fiel entsprechend ernst aus. (Bild: Keystone)
«Flightradar24.com» zeigt die Flugroute der Unglücksmaschine. (Bild: Keystone)
Präsident François Hollande: «Es gibt keine Überlebende». (Bild: Keystone)
Die Unglücksstelle liegt bei Digne-les-Bains in Südfrankreich. (Bild: Keystone)
Bundeskanzlerin Merkel sagte alle Termine nach dem Flugzeugabsturz ab. (Bild: Keystone)
Lufthansa-Chef Carsten Spohr: «Es ist ein schwarzer Tag für die Airline». (Bild: Keystone)
Die deutsche Regierung richtete einen Krisenstab ein. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (links) sagte, das Auswärtige Amt stehe "in engstem Kontakt" zu den französischen Behörden. Zu möglichen deutschen Todesopfern machte er zunächst keine Angaben. (Bild: Keystone)
Bei der Absturzmaschine handelt es sich um einen Airbus des Typs A320. (Bild: Keystone)

Tausende Trümmerteile liegen verteilt über mehrere Kilometer. (Bild: Keystone)