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FOTOGRAFIE: Hightech im Retrolook

Nach bald 10 Jahren sind die spiegellosen Systemkameras erwachsen geworden. Bislang wegen ihres geringen Gewichts fürs Reisen prädestiniert, finden sie mit Aufkommen grösserer Sensoren zunehmend bei Profis Anklang.
Peter Hummel und Bruno Eisenring

Peter Hummel und Bruno Eisenring

Im Zeitalter omnipräsenter Handys wird immer mehr fotografiert. Oder zumindest geknipst. Einfache Kompaktka­meras sind dadurch weitgehend am ­Verschwinden. Gleichwohl gibt es eine Klasse von Kompakten, die das einzige wachsende Kamerasegment in einem insgesamt stetig rückläufigen Fotomarkt bilden: die «kompakten Systemkameras» (CSC) – spiegellose Modelle für Wechselobjektive. Sie verdrängen ihrerseits immer mehr herkömmliche Einsteiger-Spiegelreflexkameras (DSLR), zumal sie von der Qualität weitgehend ebenbürtig sind, und zwar nicht nur im Foto-, sondern auch Videomodus, der heute schon vorwiegend mit 4K-Qualität glänzt. Mit Preisen ab knapp 400 Franken sind sie auch erschwinglich.

Kunststück, sind mittlerweile alle namhaften Kamerahersteller auf diesen Zug aufgesprungen – oder haben es mindestens versucht. So haben die beiden führenden DSLR-Marken Canon und Nikon nach ihrem späten und halbherzigen Einstieg das Feld wieder weitgehend den Mitbewerbern überlassen. Handy-Riese Samsung ist gar ganz ausgestiegen. Heute teilen vier Marken den Kuchen mehr oder weniger unter sich auf: die beiden Systemerfinder Panasonic (Lumix) und Olympus sowie Fujifilm und Sony.

Systemakzeptanz dank attraktivem Äusseren

Dass sich die Systemkameras nach zögerlichem Anfang durchgesetzt haben, hat vor allem zwei Gründe: das geringere Gewicht (gerade auch bei den Objektiven) und der attraktive Look. Fujifilm mit der X-Serie und Olympus mit der Pen-Serie (basierend auf dem Look der 1960er-Modelle) setzten von Anfang an voll auf Vin­tage. 2012 doppelte Olympus mit der OM-D-Reihe nach (einer Reinszenierung der OM-1-Spiegelreflexkameras aus den 1970ern), und wenig später lancierte Panasonic die Retrolinie GX.

Dass all diese Modelle perfekt den nostalgischen Zeitgeist bedienen, ist das eine. Ihre Beliebtheit rührt wohl aber auch von der grösseren Bedienungsfreundlichkeit her: Mit zwei, drei «altmödischen» Knöpfen lassen sich die wichtigsten Funktionen weit einfacher einstellen als irgendwo in der Tiefe komplizierter Menuführungen.

Unterschiede gibt es bei den Suchern: Während einige Modelle nur noch ein Display aufweisen (nachteilig bei Sonneneinstrahlung), gibt es einige mit elektronischem und wenige mit optischen Suchern, während Fujifilm als einziger Hersteller einen raffinierten hybriden Sucher anbietet (umstellbar von elektronisch auf optisch).

Alpha 9 und andere Überflieger

Einen andern Weg beging Sony mit einem modernen technischen Look – sowohl bei der NEX-Reihe mit APC-Sensor wie vor allem mit der Alpha 7R, die 2013 eine Qualitätsoffensive einläutete: Mit ihrem Vollformatsensor mit 36 MP erhob sie die Systemkameras in eine ganz neue Qualitäts- und Preisliga (3800 Franken). Sie gilt seither als Benchmark und wird zunehmend auch von Profis verwendet.

Heuer nun setzt Sony mit der Alpha 9 noch eins drauf. Durch einen revolutionären Bildsensor werden herkömmliche Kameramechanismen überflüssig. Es wird eine Geschwindigkeit und Performance erreicht, welche die Fähigkeiten von mechanischen Geräten weit übertreffen. Der Sensor besitzt einen integrierten Speicher, der als Puffer zur Speicherkarte dient. Zudem kann die Kamera ohne Verschlussauslösung fotografieren, ist also völlig geräuschlos und schnell (20 Bilder/Sek.). Darüber hinaus bleibt der Sucher immer hell, da keine Verschlussauslösung mehr erfolgt, ­geschweige denn ein Spiegel das Bild ­abdunkelt wie bei den herkömmlichen Reflexkameras. Also ein Traum für ­Actionfotografen. Dazu kommt eine Höchstempfindlichkeit von fast unvorstellbaren 204800 ISO – damit kann man buchstäblich schwarze Katzen in finsterer Nacht ablichten … Mit über 5500 Franken bewegt sich dieser Überflieger aber auch in einer Preisklasse wie sonst die teuersten DSLR.

Punkto Bildqualität auf gleichem Niveau kann die neue Leica M10 mitspielen – mit ihren Festbrennweiten und manuellen Schärfeeinstellung wohl aber nur unter Leica-Puristen …

Doch Qualität wird immer grenzenloser: Fuji mit der GFX 50S und Hasselblad mit der X1D lassen mit einer neuen Sensordimension von 43,8 × 42,9 mm mit satten 51 Megapixeln bei den Systemkameras das Mittelformat wieder aufleben. So wie es zu Filmzeiten als Mass aller Dinge galt, wird es auch heute die absolute Messlatte neu setzen (auch preislich, mit 7690 bzw. 9595 Franken). Allerdings: Selbst ein ambitionierter Amateur kann diese gigantische Auflösung bei normalen Anwendungen gar nicht ersehen.

Objektivauswahl wird immer breiter

Ein Handicap aus den Anfängen der Systemkameras ist inzwischen verschwunden: Die geringe Anzahl von Objektiven. Für das Format Micro Four Third (MFT), den die beiden Systemerfinder Olympus und Panasonic eigentlich als lizenzfreien Standard für alle Anbieter lancieren wollten, sind inzwischen über 60 Originalobjektive und in jüngster Zeit nochmals so viele Fremdprodukte erhältlich.

Neben traditionellen Objektivherstellern wie Tamron und Tokina und mehreren chinesischen Newcomern finden sich darunter auch alteingesessene deutsche Marken wie Voigtländer mit drei Objektiven der Superlichtstärke 0.95 oder Meyer-Optik-Görlitz. Das Feinoptische Werk Görlitz wurde nach der Wende aus dem VEB Carl-Zeiss ­her­ausgelöst und musste mangels ­Investoren liquidiert werden. 2014 folgte dann aber mit einer in der Branche noch unbekannten Kickstarterkampagne die Wieder­geburt. Die legendären Trio­plan-Objektive, die noch auf den Originalberechnungen aus den Fünfzigerjahren beruhen, erfreuen mit ihrem zauberhaften Seifenblasen-Bokeh (Tiefenschärfenverlauf) seither wieder viele alte und neue Liebhaber.

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