FRANKREICH: Co-Pilot brachte Flugzeug zum Absturz

Zwei Tage nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ist gemäss den französischen Behörden klar: Der Co-Pilot war alleine im Cockpit und brachte die Maschine zum Absturz.

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Blick in das Cockpit eines Airbus A320. (Bild Airbus)

Blick in das Cockpit eines Airbus A320. (Bild Airbus)

Der Sinkflug der abgestürzten Germanwings-Maschine ist nach ersten Erkenntnissen absichtlich eingeleitet worden. Der allein im Cockpit zurückgebliebene Co-Pilot habe den Hebel dafür selbst betätigt, sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag. Der Pilot war zu diesem Zeitpunkt aus dem Cockpit ausgeschlossen.

«Es sieht so aus, als habe der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört», sagte der zuständige Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille.

Der Pilot sei auf die Toilette gegangen. Der Co-Pilot habe das Kommando gehabt und am Flight-Monitoring gespielt. Dann habe ein Alarm die rasche Annäherung der Maschine an den Boden signalisiert. Doch der Pilot konnte nicht mehr ins Cockpit zurück.

Der Co-Pilot habe kein Wort gesprochen, es seien nur Atemgeräusche zu hören gewesen. «Unsere wohl plausibelste Deutung geht dahin, dass der Co-Pilot sich weigerte, die Tür zu öffnen», sagte der Staatsanwalt. So habe der Pilot nicht mehr ins Cockpit gelangen können.

Der Code an der Cockpit-Tür der Unglücksmaschine war nach Angaben des Staatsanwalts kein Code zum Öffnen, sondern einer, mit dem sich der jeweils Zugangsberechtigte identifiziert. Die Tür verriegele sich ganz automatisch und werde dann von innen geöffnet.

Die Passagiere bekamen den Absturz offenbar aber erst in letzter Sekunde mit. «Die Schreie der Passagiere hören wir erst in den letzten Sekunden auf dem Band», erklärten die Ermittler.

DNA-Proben Angehöriger für Identifizierung

Nicht nur die Ermittlungen zur Ursache des Flugzeugabsturzes kamen am Donnerstag voran. Auch an der Identifizierung der Opfer arbeiteten Experten mit Hochdruck. Die Auswertung der DNA-Analysen der Opfer habe begonnen, sagte Robin.

Für die Identifizierung der Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine nahmen französische Experten DNA-Proben der Angehörigen.

Am Donnerstagmorgen waren Angehörige der Opfer mit zwei Flugzeugen aus Düsseldorf und Barcelona in Marseille gelandet. Die rund 50 Angehörigen waren in Düsseldorf gestartet, um in die Nähe des Absturzortes zu gelangen.

Angehörige auf dem Weg an den Absturzort

Mit an Bord reiste auch ein Betreuer-Team, bestehend aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen, wie die Lufthansa mitteilte. Ausserdem war ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Aus Barcelona wurde ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

Für die Angehörigen sollte es jedoch keine Möglichkeit geben, an die Absturzstelle zu gelangen: «Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich», sagte der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron, der Nachrichtenagentur dpa.

Zusammen mit der Polizei und Helfern vor Ort bereitete er die Ankunft von Angehörigen in Le Vernet vor. Diese Siedlung liegt in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle.

Das Sportzentrum des Unglücksortes Seyne-les-Alpes, in dem eine Art Kapelle als Trauerraum für die Angehörigen eingerichtet wurde, war abgeriegelt. Polizisten kontrollierten den Zugang. Die Familien sollten Ruhe haben für ihre Trauer. Im Rathaus erstellten Mitarbeiter eine Liste von Einheimischen, die Menschen aufnehmen können.

Gedenkminute um 10.53 Uhr

Der Germanwings-Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. An Bord waren 150 Menschen, darunter 72 Deutsche.

Exakt um 10.53 Uhr gedachten am Donnerstag viele Menschen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in aller Stille der 150 Todesopfer. Behörden, Schulen und Unternehmen beteiligten sich an der Schweigeminute, zu der die Regierungen der deutschen Bundesländer aufgerufen hatten. Mancherorts stand auch der Verkehr still.

Genau um 10.53 Uhr war am Dienstag die Funkverbindung zu der Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U9525 abgebrochen. Bundestagspräsident Norbert Lammert hielt am Morgen beim Gedenken des Parlaments eine Ansprache.

Steiles und rutschiges Gelände erschwert Bergung

Am Unfallort ging die Bergung der Leichen weiter. Neben der Bergrettung sind Soldaten und Feuerwehrleute an dem Einsatz beteiligt. «Die Arbeit ist extrem schwierig, das Gelände ist gefährlich. Es ist steil und rutschig», sagte der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin.

Insgesamt waren rund 70 Menschen an der Unglücksstelle. Rund zwölf Ermittler waren unterwegs, um die Spuren zu sichern und die zweite Blackbox zu finden. Etwa sechs weitere suchten nach Leichenteilen.

(sda/dpa/afp/reu)

Ein Bild der gefundenen Blackbox des Airbus A-320 (Bild: Keystone)
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Mitarbeiter der Firma Delphi trauern während einer Schweigeminute in Barcelona um ihre beim Flugzeugabsturz verunglückten Kollegen. (Bild: EPA)
Frankreichs Präsident Françcois Hollande und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel versprachen umfassende Aufklärung. (Bild: Keystone)
Mittwoch, 10.53 Uhr am Schalter der Lufthansa in Düsseldorf: Angestellte gedenken mit einer Schweigeminute der Opfer des Germanwings-Absturzes. (Bild: Keystone)
Die Flaggen in Berlin wurden auf Halbmast gesetzt. (Bild: Keystone)
Schüler trauern im Joseph-König-Gymnasium in Haltern um ihre Kollegen. (Bild: Keystone)
Grosses Medieninteresse in Seyne-les-Alpes, in der Nähe der Absturzstelle. (Bild: Keystone)
Polizisten bei der Arbeit an der Unglücksstelle. (Bild: Keystone)
Unter Hochdruck suchen Ermittler nach der Ursache für den verheerenden Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen: Ermittler haben am Mittwoch das unwegsame Gelände der Absturzstelle durchkämmt und mit der Auswertung des Stimmenrekorders begonnen. (Bild: Keystone)
Nach einem Unterbruch in der Nacht nahmen die Bergungsmannschaften am frühen Morgen ihre Arbeit wieder auf. Mehrere Helikopter starteten zur schwer zugänglichen Unglücksstelle. (Bild: Keystone)
Zugleich setzten rund 50 Spezialkräfte, die die Nacht am Bergmassiv in Biwaks verbracht hatten, ihren Aufstieg zum Absturzort fort. (Bild: Keystone)
Die Bergung der 150 Toten in der Hochgebirgsregion wird nach Einschätzung der Polizei extrem schwierig werden. Am Mittwoch sollten noch keine Opfer geborgen werden. (Bild: Keystone)
Blick auf ein Wrackteil. (Bild: Keystone)
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (3. von links) sprach mit Einsatzkräften und informierte sich aus erster Hand über die schwierige Bergung von Trümmern und Opfern. Sie wird von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und dem französischen Präsidenten François Hollande begleitet. (Bild: Keystone)
«Das war mit Abstand das Schlimmste der letzten 20 Jahre - seit ich in dieser Branche bin», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch nach dem Treffen mit den Angehörigen am Düsseldorfer Airport. (Bild: Keystone)

Ein Bild der gefundenen Blackbox des Airbus A-320 (Bild: Keystone)

Tausende Trümmerteile liegen verteilt über mehrere Kilometer. (Bild: Keystone)
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Die Trümmerteile liegen weit verstreut herum. (Bild: Keystone)
Rettungskräfte bereiten sich auf ihren Einsatz vor. (Bild: Keystone)
Frank-Walter Steinmeier zeigt sich nach einem Flug über den Absturzort der Germanwings-Maschine entsetzt: «Vor Ort zeigt sich ein Bild des Grauens», sagt er. «Die Trauer der Familien und Angehörigen ist unermesslich». (Bild: Keystone)
Ein Rettungshelikopter hebt in Seyne-les-Alpes ab, um zur Absturzstelle zu fliegen. (Bild: Keystone)
Helikopter der französischen Luftwaffe und der Zivilschutzdienste in Seyne. (Bild: Keystone)
Die Einsatzkräfte versammeln sich nahe der Absturzstelle in Seyne-Les-Alpes. (Bild: Keystone)
Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf mit Flug 4U9525 aus Barcelona. (Bild: Keystone)
Trauernde auf dem Flughafen in Barcelona. (Bild: Keystone)
Kollegen trauern am Joseph-König-Gymnasium in Haltern um ihre Kollegen. Unter den 150 Todesopfern befinden sich 16 Schüler sowie 2 Lehrer. (Bild: Keystone)
Ein Flugzeugabsturz als Medienereignis: Übertragungswagen am Düsseldorfer Flughafen. (Bild: Keystone)
Care-Team bringt Angehörige auf dem Flughafen Düsseldorf weg. (Bild: Keystone)
Angesichts des Unglücks brach Spaniens König Felipe VI. einen auf drei Tage angesetzten Staatsbesuch in Frankreich ab. Dies verkündete er vor dem Elysée-Palast in Paris, wo er kurz zuvor angekommen war. Der König sprach in einer Erklärung von einer «fürchterlichen Katastrophe». Der König drückte allen betroffenen Familien und Angehörigen der Opfer sein aufrichtigstes Beileid aus. Staatspräsident François Hollande hatte das spanische Königspaar wenige Stunden nach dem Absturz des Airbus im Elysée-Palast empfangen. Die Begrüssung im Hof des Präsidentensitzes fiel entsprechend ernst aus. (Bild: Keystone)
«Flightradar24.com» zeigt die Flugroute der Unglücksmaschine. (Bild: Keystone)
Präsident François Hollande: «Es gibt keine Überlebende». (Bild: Keystone)
Die Unglücksstelle liegt bei Digne-les-Bains in Südfrankreich. (Bild: Keystone)
Bundeskanzlerin Merkel sagte alle Termine nach dem Flugzeugabsturz ab. (Bild: Keystone)
Lufthansa-Chef Carsten Spohr: «Es ist ein schwarzer Tag für die Airline». (Bild: Keystone)
Die deutsche Regierung richtete einen Krisenstab ein. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (links) sagte, das Auswärtige Amt stehe "in engstem Kontakt" zu den französischen Behörden. Zu möglichen deutschen Todesopfern machte er zunächst keine Angaben. (Bild: Keystone)
Bei der Absturzmaschine handelt es sich um einen Airbus des Typs A320. (Bild: Keystone)

Tausende Trümmerteile liegen verteilt über mehrere Kilometer. (Bild: Keystone)

Staatsanwalt Brice Robin informiert die Medien. (Bild: Keystone)

Staatsanwalt Brice Robin informiert die Medien. (Bild: Keystone)