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FRANKREICH: Paris kämpft gegen Ratten

Paris stand nie im Ruf besonderer Sauberkeit. Doch jetzt will Bürgermeisterin Hidalgo die Lichterstadt ausmisten. Ihr Kampf gilt in erster Linie den grossen Nagern.
Stefan Brändle, Paris
Paris kämpft gegen Ratten. (Bild: Keystone / Str)

Paris kämpft gegen Ratten. (Bild: Keystone / Str)

Stefan Brändle, Paris

Anne Hidalgo kündigte am Sonntag in einem Interview einen Zehnpunkteplan für die Reinigung der französischen Hauptstadt an. Allein 1,5 Millionen Euro fliessen in die «dératisa­tion» – zu Deutsch etwa «Entrattifizierung». Die flinken Nager sind in den vergangenen Jahren zu einer eigentlichen Plage an der Seine geworden. Ihre Zahl wird in der Innenstadt auf drei Millionen geschätzt – mehr, als Paris Einwohner zählt.

Im zentralen Châtelet-Park kann man etwa den Ratten zuschauen, wie sie sich über die Keh­richtsäcke hermachen, die wegen der Bombengefahr – Paris be­findet sich nach wie vor im Ausnahmezustand – nur aus durch­sichtigen Plastiksäcken bestehen dürfen. Japanische Touristen machen einen weiten Bogen darum, und auch aus der Pariser Einwohnerschaft gehen immer mehr Beschwerden ein.

Einzelne der 30000 Abfalleimer in Paris sollen nun Holzsockel oder Plexiglas-Einfassungen erhalten. Offene Einrichtungen wie Sandkästen werden modifiziert, damit sie schneller trocknen. Das soll die Ausbreitung von Krankheiten wie der Leptospirose durch Rattenurin verhindern. Hingegen ist nicht geplant, in den Kanalisationsschächten mehr Giftköder auszulegen; laut dem städtischen Beauftragten für Umwelt und Gesundheit, Georges Salines, würden die Ratten dadurch offenbar nur noch resistenter. Generell meint Salines, die Ratten seien nicht die schlimmen Menschenfeinde, als die man sie gerne hinstelle. Die Vielfrasse entsorgten jährlich 800 Tonnen Abfälle in der Pariser Kanalisation. Im Unterschied zu Hasen oder Wildschweinen werden Ratten von der Stadtpräfektur auch nicht als Schädlinge geführt.

Tierfreunde wehren sich für die Nagetiere

Der Feldzug der Bürgermeisterin hat unter Tierfreunden sogar eine Petition bewirkt: Diese intelligenten Nager seien ähnlich wie die Spinnen blosse Opfer menschlicher Phobien; in Wahrheit warnten sie die Hauptstadtbewohner durch ihr Verhalten vor Wasser- oder Gasleitungsbrüchen. Anne Hidalgo zog einen Vergleich mit Tokio: Die japanische Hauptstadt sei vollkommen sauber, obwohl es dort nicht einmal Abfalleimer gebe, aber die Menschen ihren Abfall mit nach Hause nähmen, um ihn dort zu entsorgen.

Hidalgo sagt ohnehin nicht nur der Rattenplage den Kampf an. Die 57-jährige Sozialistin verschreibt ihrer Stadt ein allgemeines Reinemachen. Sie stellt 100 neue Kehrichträumer an und bestellt 50 zusätzliche Elektromobile zur Trottoirreinigung. Und sie heuert Hygienekontrolleure an, welche fehlbare Raucher und Hundehalter systematisch büssen sollen. Denn in Paris sammeln die städtischen Strassenreiniger jedes Jahr 200 Tonnen Hundedreck und Zigarettenkippen ein. Und daran sind nun wirklich nicht die Ratten schuld.

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