FREIBURG: Ex-Polizist wegen Ausnützung einer Notlage verurteilt

Ein ehemaliger Polizist aus dem Kanton Freiburg ist wegen Ausnützung einer Notlage und Bestechlichkeit zu 15 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

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Der Ex-Polizist wurde vom Strafgericht in Freiburg verurteilt. Im Symbolbild: Das Schweizerische Strafgesetzbuch. (Bild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Der Ex-Polizist wurde vom Strafgericht in Freiburg verurteilt. Im Symbolbild: Das Schweizerische Strafgesetzbuch. (Bild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Der 63-Jährige hatte von einem irakischen Asylbewerber sexuelle Dienste angenommen, im Gegenzug für das Versprechen, diesem bei der Aufenthaltsbewilligung zu helfen.
 
Der Generalstaatsanwalt und der Rechtsanwalt des Klägers verlangten beide eine Gefängnisstrafe von 24 Monaten auf Bewährung. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Sie wird gegen das am Mittwoch verkündete Urteil des Strafgerichts des Saanebezirks in Freiburg Berufung einlegen.
 
Der Fall geht auf das Jahr 2010 zurück, als der heute 63-Jährige noch im Dienst war. Er soll mit dem Kläger dreimal sexuellen Kontakt gehabt haben und ihm dafür versprochen haben, bei der Verwaltung ein gutes Wort für ihn einzulegen.

Aussage gegen Aussage

Der Angeklagte stritt die Vorwürfe vehement ab und bestritt auch jegliche homosexuelle Neigung. Mit dem Mann irakischer Herkunft sei er in Kontakt gewesen, weil ihm dieser interessante Hinweise auf Drogengeschäfte versprochen habe.
 
Der Asylbewerber sagte, er habe versucht, die ganze Sache zu verdrängen. Darüber zu sprechen, sei ihm sehr unangenehm. Er sei heterosexuell, stellte er klar. In der Tat hatte nicht er den Prozess ins Rollen gebracht, sondern eine dritte Person. Diese war Zeuge in einem anderen Gerichtsfall, welcher den Kläger betraf.

Hohe Glaubwürdigkeit des Asylbewerbers

Die Richter waren von der Glaubwürdigkeit des Asylbewerbers überzeugt. Seine Aussagen seien während des ganzen Verfahrens schlüssig und konsistent gewesen, sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilsverkündung. Es sei nicht einfach gewesen für den Kläger - sowohl sprachlich als auch kulturell bedingt -, über Homosexualität und Oralsex zu sprechen.
 
Demgegenüber waren die Aussagen des angeklagten Ex-Polizisten laut den Richtern manchmal wankelmütig und inkohärent. Dies sei besonders gravierend bei einem ehemaligen Polizeibeamten, der eigentlich mit beispielhaftem Verhalten vorangehen sollte.

sda