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FUSSBALL: Für wen geht die WM flöten, Sir James?

Die Schweiz tritt am Donnerstag (20.45, Belfast) zum 1. Entscheidungsspiel gegen Nordirland an – es geht um die WM-Teilnahme 2018. Der weltberühmte Flötist Sir James Galway, seit rund 40 Jahren wohnhaft in der Innerschweiz, drückt den Nordiren die Daumen.
Turi Bucher
Sir James Galway spielt vor dem Anpfiff von Nordirland – Schweiz noch etwas auf der Querflöte. (Bild: Nadia Schärli (Meggen, 31. Oktober 2017))

Sir James Galway spielt vor dem Anpfiff von Nordirland – Schweiz noch etwas auf der Querflöte. (Bild: Nadia Schärli (Meggen, 31. Oktober 2017))

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Während wir mit James Galway Kontakt aufzunehmen versuchen, weilt er auf Konzert-Tournee in Chicago. Galways Personal Assistent, eine mit englischem Akzent Schweizerdeutsch sprechende Dame aus Bournemouth, nimmt für uns per Mail Kontakt nach Chicago auf und erhält weit nach Mitternacht Antwort. Galway reagiert auf die Anfrage für das Fussballinterview so: «Let’s do it!» Drei Worte, aber die Assistentin weiss sie zu interpretieren: «Er ist begeistert!»

Wir haben Glück. Denn bevor es für den 77-jährigen Galway weiter zum nächsten Konzert nach Padua in Italien und danach in die Toskana-Ferien geht, weilt er zusammen mit seiner Frau Jeanne für einige Tage daheim in Meggen. Dort lebt er seit rund 25 Jahren, zuvor 15 Jahre lang in der Stadt Luzern. Die Personalassistentin kontrolliert den gedrängten Terminplan des berühmtesten Flötisten unserer Zeit: Galway muss noch zum Augenarzt, er muss noch zum Coiffeur, die Grippeimpfung wartet, er muss auch noch Zeit aufwenden für das alljährlich im Sommer in Weggis stattfindende «Galway Flute Festival» für talentierte Flötenspieler aus aller Welt. Aber ein bisschen Zeit für Fussball muss sein. Wir bekommen: 15 Minuten für das Interview, 15 Minuten für die Fotografin. Am Schluss werden es dann mehr als eine Stunde Gespräch sein. Auch als sich die Fotografin an diesem Nachmittag ein wenig verspätet, bleibt der Star der klassischen Musik locker und ist zu Scherzen aufgelegt: «Ach, ich dachte, Sie seien vom Pizzalieferdienst.»

Die Assistentin, die schon 13 Jahre für Galway arbeitet, erwähnt, dass sie ihren Chef darüber aufdatieren musste, um was es in den beiden Spielen zwischen der Schweiz und Nordirland überhaupt geht. «Auf Konzertreise ist er immer ein bisschen fernab von den News. Dann muss ich ihm berichten. Da ist ein Vulkan ausgebrochen, dort ist eine Bombe explodiert, oder eben – dass Nordirland und die Schweiz gegeneinander um die WM-Teilnahme spielen», erzählt sie.

Sie weist ausserdem darauf hin, dass James Galway im Jahr 2001 von Queen Elizabeth II. zum «Knight Bachelor» geschlagen wurde und wir ihn der Etikette halber am besten mit «Sir James» ansprechen sollen. Die guten Freunde würden ihn Jimmy rufen, wie zum Beispiel einst der legendäre Dirigent Herbert von Karajan. Aber dazu kommen wir später noch.

«Mein Denken ist irisch, meine Knochen sind irisch»

Wir sprechen ein wenig über seine letzten Konzertauftritte in den USA, dann spielt Galway uns auf einer unbezahlbaren japanischen Muramatsu-Querflöte etwas von Johann Sebastian Bach vor. Galway erklärt, dass er momentan auch den Blues-Akzent übe, weil er auf dem nächsten Album von Van Morrison, des ebenso berühmten nordirischen Bluesmusikers, Flöte spielen werde.

«Wollten wir nicht über Fussball reden?», fragt Sir James und gibt gleich einmal mit dem Namen George Best einen Steilpass. Der 2005 verstorbene Best ist der berühmteste Fussballer, den Nordirland vorzuweisen hat, und Sir James gibt zu verstehen: «Mein Denken ist irisch, meine Knochen sind irisch. Deshalb hoffe ich natürlich, dass Nordirland die Schweiz schlägt. Zum Andenken und zu Ehren von George Best.» Nun, wenn Galway als «The Man with the Golden Flute» bezeichnet wird, weil er in den 70er-Jahren als Solist als erster mit einer goldenen Flöte spielte, dann könnte man George Best als «The Man with the Golden Foot» bezeichnen. Der wie Galway in Belfast geborene Best verzauberte damals die britischen Fussballfans mit seinen Dribblings und Toren, einen wie ihn hatten die Nordiren seither nie mehr im Angriff.

«Pech» für Nordirlands Coach Michael O’Neill

Zum letzten Mal selber in einem Stadion war Sir James vor rund drei Jahren, als sein Lieblingsteam Manchester United gegen Blackburn gewann. Auch David Beckham, den er namentlich kurz mit Beckenbauer verwechselt, hat er noch live im Stadion gesehen. Galway erinnert sich, dass er in Cincinnati einmal via Mikrofon seinem Publikum mitten im Konzert ein Schlussresultat von einem wichtigen Spiel mitteilte. «Das war allerdings nicht Fussball, sondern ein Baseballspiel der Cincinnati Reds.» Galway erkundigt sich, wo das Hinspiel zwischen Nordirland und der Schweiz stattfindet. Im berüchtigten Windsor Park in Belfast. Galways Augen beginnen zu leuchten: «Vor 70 Jahren bin ich als kleiner Junge nur ein paar Strassen weiter, in der Roden Street, aufgewachsen.» Für wen also wird denn nun in dieser Barrage die WM-Teilnahme flötengehen? Galway meint, es wird ein knappes, hartes, enges Duell. Er konsultiert seine Agenda und lacht: «Ich denke, ich habe am 9. und 12. November keine Termine. Ich werde beide Spiele am TV verfolgen können.»

Der Flöten-Virtuose hat auch mitbekommen, dass Nordirlands Coach Michael O’Neill vor ein paar Wochen in angetrunkenem Zustand autofahrend von der Polizei gestoppt wurde. «Bad luck – Pech», sagt Galway schmunzelnd, «wir alle wissen, dass so viele Menschen das tun, nun hat es O’Neill erwischt.»

Auf die Frage, was er, könnte er für diese beiden Barrage-Partien Nationaltrainer von Nordirland sein, seinen Spielern raten würde, antwortet Galway: «Unit! Eine Einheit zu sein, ist das Wichtigste.» Und lachend fügt er an: «Den Schweizern rate ich, in Belfast nicht zu viel Guinness zu trinken. Und die Iren sollen in der Schweiz gefälligst nicht zu viel Fondue essen …»

Rund 40 Jahre lebt James Galway schon in der Innerschweiz. Als 30-Jähriger war er von Wales nach München gereist, um in der von Herbert von Karajan dirigierten Berliner Philharmonie als Flötist zu spielen. Weil er sich um fünf Minuten verspätete, schickte das Philharmonie-Management ihn mit der Bemerkung weg, es sei bereits ein anderer Flötist ausgewählt worden, er bekäme jedoch die Reisespesen vergütet. «Selbstverständlich bekomme ich die Reisespesen bezahlt», entgegnete Galway, «das steht so in meinem Vertrag geschrieben.» Das Orchester votierte dann für Galway, sodass Karajan den Mann aus Belfast zurückrief. Einige Jahre später entschied Galway sich für die Solokarriere mit der Querflöte.

Galway tippt fürs Hinspiel auf einen Sieg von Nordirland

Sich zur Ruhe setzen, das mag er nicht. Er will weiter auf Konzerttournee gehen. «Es ist ein Vollzeitjob, James Galway zu sein», pflegt er zu sagen. «Weshalb ich in meinem Alter weiter auf Konzertreisen gehe? Weil ich es kann. Ich habe Kollegen in der klassischen Musik, die es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr können oder die Motivation verloren haben. Ich will weiter musizieren, weil ich es kann.»

Den Wunsch der Fotografin, mit der Muramatsu-Querflöte in den wunderbaren Garten zu stehen, kann er aber nicht erfüllen. «Es ist zu kalt. Nicht für mich, für die Flöte!» Ein rascher Temperaturunterschied kann dem Instrument schaden. Also postiert sich Galway nahe der Balkontür. Und spielt schon wieder etwas vor. War es etwas aus Mozarts Konzert in D-Dur KV 314? Dieses Konzert empfiehlt der Musiker aus Belfast nämlich jedem interessierten Einsteiger in die Querflötenmusik.

Ja, wer bringt denn nun im Duell zwischen der Schweiz und Nordirland wem die Flötentöne bei? James Galway tippt für das Barrage-Hinspiel vom kommenden Donnerstag in Belfast einen 2:1-Sieg für Nordirland. Wer weiss, vielleicht wird sich Sir James dann auch ein Guinness genehmigen.

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