GARTEN: Jetzt kommt die Frei-Koch-Kultur

Die Zeiten, als man im Sommer des Öfteren mal den Grill anwarf, sind vorbei. In Zukunft wird das ganze Menü unter freiem Himmel zubereitet in der heimischen Outdoor-Küche. Ein neuer Trend greift um sich.

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So sieht die moderne Gartenparty aus: Gegrillt und gekocht wird mitten im Geschehen. (Bild: PD)

So sieht die moderne Gartenparty aus: Gegrillt und gekocht wird mitten im Geschehen. (Bild: PD)

Annette Wirthlin

Wenn die «Giardina», die grosse Gartenmesse, am 11. März ihre Tore öffnet, wird das Publikum neben Gartenmöbeln, Springbrunnen und Pflanzen neu etwas zu sehen bekommen, was es bisher nicht unter freiem Himmel ­anzutreffen gewohnt war: nämlich ­Küchen. «Die heimische Innenküche samt allen Funktionen bahnt sich den Weg nach draussen», teilen die Organisatoren der Ausstellung mit. Und: «Hochfunktio­nale, mobile oder eingebaute Outdoor-Küchen eröffnen Möglichkeiten, die weit über das Bratwurstgrillen hinausgehen.»

Teamwork aller Anwesenden

Die Hausfrau oder der Hobbykoch von morgen soll sich also nicht mehr in der stickigen Küche abrackern, während die Gäste draussen im Garten oder auf der Terrasse den lauen Sommerabend geniessen. Künftig soll gleich die ganze Küche in den Garten verlegt werden, wo dann mitten unter den Gästen gerüstet, geschnippelt, ange­braten, gedämpft, gebacken und angerichtet wird oder die Menüzubereitung gleich zum Teamwork aller Anwesenden gemacht wird.

Die im deutschen Esslingen beheimatete Firma Outdoor Cooking Queen hat sich diesem neuen Trend voll und ganz verschrieben. Firmengründerin Nadine Pollex, ursprünglich Tourismus-Fachfrau, kochte selber schon immer liebend gerne für Gäste, ärgerte sich aber jedes Mal, wenn sie für die Vorbereitung einer Gartenparty den ganzen Tag in der Küche stehen musste. «Ich suchte schon seit längerem nach Möglichkeiten, wie man die ganzen Kochvorbereitungen an die frische Luft holen könnte», sagt sie. Was sie zu diesem Thema auf dem Markt antraf, überzeugte sie nicht. «Vor allem diese ‹Edelstahl-Boliden› von Grills ­gefallen mir nicht besonders und sowieso ging es mir ja nicht bloss ums Fleischbraten.» Eine Geschäftsidee war geboren.

Vor nur zwei Jahren habe sie im Gespräch mit Händlern noch sehr genau erklären müssen, was ihre Firma genau mache, sagt Nadine Pollex. Heute ist der Begriff Outdoor-Küche (auch Garten- oder Aussenküche) sowohl in der Küchen- als auch in der Gartenbaubranche in aller Munde. «Das Thema beginnt jetzt so richtig zu boomen», sagt Nadine Pollex.

«Auch wir sind an dem Thema dran», bestätigt Susanne Häfliger von Bulthaup, einem der führenden Küchenhersteller. Theoretisch könne jeder Küchenbauer eine outdoor-taugliche Küche individuell auf Wunsch anfertigen, was auch viele tun würden. «Wir können zwar noch keine standardisierte Aussenlösung präsentieren, doch unsere Küchenwerkstatt b2 kann, mobil und offen, wie sie ist, ebenso gut im überdeckten Aussenbereich eingesetzt werden.» (s. Bild r. u.)

Tag und Nacht draussen sein

Weltweit gesehen ist die Lust am Kochen im Freien kein neuer Trend. «In Australien und den USA ist das schon lange gang und gäbe, es schwappt einfach erst jetzt zu uns herüber», so Nadine Pollex. Dass man der Gartengestaltung mehr Zeit und auch finanzielles Engagement widmet, lässt sich auch hier schon seit längerem beobachten. Viele Menschen lieben es, sich in der warmen Jahreszeit praktisch Tag und Nacht draussen aufzuhalten. Mit Lounge-­Polstergruppen, die sich kaum noch von denjenigen im Haus drin unterscheiden, mit wetterfesten Teppichen und wärmenden Heizstrahlern entstehen ganze Wohnzimmer im Freien. «Und wo Menschen zusammenkommen», so Nadine Pollex, «da wird auch gegessen.» Man wisse ja: Die besten Partys enden immer in der Küche. Insofern war der Schritt zur praktischen Aussenküche nur eine logische Konsequenz.

Eine solche verstärkt aber nicht nur den Eventcharakter einer Einladung im Freundeskreis, indem alle bei der Essenszubereitung mitwirken können. Sie hat auch noch die praktische «Nebenwirkung», dass nach dem Festmahl nicht tagelang Fisch-, Käse- oder Fettgeruch in der Wohnung hängen bleibt.

Keine Zeltplatzromantik

Kochen in der Gartenküche hat wenig mit improvisierter Zeltplatzromantik und Campingkocher-Abenteuer zu tun. Es stehen extrem formschöne Lösungen zur Auswahl, die modernen Innen­küchen in nichts nachstehen. Die Küchen lassen sich je nach Bedürfnis und Platzverhältnissen modular zusammenbauen. Manch einer will sich die Aussenküche unter einem Vordächlein fix einmauern lassen, ein anderer zieht eine kleinere, bewegliche Variante für den Balkon vor. Zur Grundausstattung gehören ein Kochfeld, ein Arbeitstisch und eine Spüle, welche entweder an die Wasserleitung des Hauses oder einfach an den Gartenschlauch angeschlossen werden kann. Die Gasflasche für den Betrieb der Kochplatte wird schön hinter der Seitenabdeckung versteckt. Und die Rüstabfälle verschwinden sofern man dieses Modell wählt – elegant im «Müllschacht».

Punkto Materialien hat der Freiluftkoch die freie Wahl: Soll es beispielsweise Holz sein, was dann allerdings die Verwendung einer Wetterschutzhaube zwingend macht? Oder doch lieber die Ausführung mit sogenanntem High Pressure Laminate (s. Bild l. u.), dem auch sieben Tage Regenwetter nichts anhaben können? Ganz edel wirds mit der Version aus Natursteinblöcken.

Je nach Anbieter und Modell lässt sich eine Outdoor-Küche auch mit Kühlschrank, Backofen, Steamer oder gar Geschirrspüler ausstatten. Bei Outdoor Cooking Queen ist man besonders stolz auf das sogenannte Plancha-Element, eine bis zu 340 Grad heisse Platte, auf der man, so Nadine Pollex, «nicht nur Fisch an Knoblauchmarinade anbraten, sondern auch noch gleich die Omelettes mit heissen Heidelbeeren zum Dessert zubereiten kann».

Nur für Villenbesitzer?

Das klingt jetzt alles ziemlich luxuriös. Ist der Traum einer Outdoor-Küche vielleicht nur für Villenbesitzer mit ­dickem Portemonnaie realisierbar? Nadine Pollex verneint. «Wer durchschnittlich gut verdient und zufrieden ist mit einer einfacheren Kombination ­inklusive Spüle, Kochfeld und Arbeitsfläche, ist ab 3500 Euro dabei.» Für die voll ausgestattete wetterfeste Variante muss man bei Outdoor Cooking Queen bis zu 10 000 Euro aufwerfen. Richtig kostspielig wirds dann erst mit der Designpreis-gekrönten Variante aus Naturstein: Die kostet rund 18 000 Euro.

Hinweis

Die «Giardina» ist vom 11. bis 15. März in der Messe Zürich. Tageskarte für Erwachsene: Fr. 35.. EswerdenOutdoor-Küchenverschiedener­Hersteller präsentiert. Mehr Infos unter www.giardina.ch