«GAULTMILLAU»-FÜHRER 2010: Der beste «Chinese» ist in Küssnacht

Der Bündner Andreas Caminada (32) ist am Montag in Basel zum zweiten Mal als Koch des Jahres geehrt worden. Aber auch die Zentralschweiz glänzt im neuen «GaultMillau»-Restaurantführer.

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Leo Kee Hock vom Chinarestaurant Min Kang Yuan in Küssnacht konnte seine «GaultMillau»-Punkte in diesem Jahr von 13 auf 14 Punkte steigern. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Leo Kee Hock vom Chinarestaurant Min Kang Yuan in Küssnacht konnte seine «GaultMillau»-Punkte in diesem Jahr von 13 auf 14 Punkte steigern. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Einer erntet bei der neusten Runde der wichtigsten Testesser im Land besonderen Applaus: Kee Hock, alias Leo, ist in Küssnacht am Rigi mit seinem «Min Kang Yuan» inzwischen zum besten chinesischen Restaurant der Deutschschweiz avanciert! «Hock und seine Crew verblüffen uns immer mehr», erklärte der Luzerner «GaultMillau»-Chefredaktor Urs Heller am Montag im «Stucki» in Basel, wo er Chefin Tanja Grandits gleich noch als Aufsteigerin des Jahres ehrte. «Der 14. Punkt geht somit wohlverdient nach Küssnacht.» Kee Hock ist dankbar: «Das ist eine grosse Ehre, Freude und Motivation für uns alle.»

Im Kanton Luzern sind die Spitzenpositionen bezogen (siehe auch auf der Liste ): Raphael Tuor («Adler», Nebikon) und Stefan Wiesner («Rössli», Escholzmatt, beide 17 Punkte) auf der Landschaft sowie Ulf Braunert («Jasper» im «Palace», 16 Punkte) in der Stadt sind die Leader. «So schnell lassen sich diese drei nicht verdrängen», so Heller. Ebenfalls in der Stadt legt das «RED» im KKL (neu 15 Punkte) stetig zu. «Christian Iten hätte hier indes eigentlich mehr Zuspruch verdient», urteilt Heller.

Doppelfreude in Weggis
Immer besser isst man am Vierwaldstättersee. Das Park Hotel Weggis von Direktor Peter Kämpfer steigt gleich doppelt auf: 16 Punkte fürs «Annex» und 14 fürs Zweitrestaurant «Sparks». Das «Beau-Rivage» in Weggis und das «Seehotel» in Kastanienbaum kommen ebenfalls auf 14 Punkte, das Park Hotel Vitznau werde man wegen dem Umbau «zwei lange Jahre vermissen», erklärte Heller. Neu aufgeführt mit 13 Punkten ist die «Krone» in Nottwil.

Zwei Zuger Aufsteiger
Im Kanton Zug gibt es zwei tolle Aufsteiger: Der «Falken» von Saucenkünstler Peter Doswald in Neuheim (neu 16 Punkte) und die italienische Spitzeküche im «Gulm» in Oberägeri (neu 15 Punkte). Die beiden Zuger Vorzeigeköche René Weder in Walchwil und Stefan Meier in der Stadt verteidigen ihre 16 Punkte, ebenso wie übrigens Thomas Huber in der nahen «Krone» in Sihlbrugg ZH.

Wiget bleibt Spitze
In den übrigen Innerschweizer Kantonen ist die Dichte an Toprestaurants nach wie vor dicht. Franz Wiget («Adelboden», Steinen, 18 Punkte) gehört zur nationalen Spitze, Werner Bürgi (Euthal, 17), Toni Schmidig (Lauerz) und Dani Jann (Ried-Muotathal, beide 16) verteidigen ihre Punkte. In Schwyz legen zwei zu: Der «Rathauskeller» (neu 14) sowie die «Obstmühle» (neu 13). In Stans schafft es die Brasserie «Le Mirage» erstmals in den Guide (12), der «Schlüssel» in Beckenried steht laut Heller «kurz vor dem Sprung» ins Buch.

Wie trifft die Stars die Krise?
Der gross gefeierte Star war am Montag in Basel Andreas Caminada. Der Bündner mit Romantsch als Muttersprache ist nach 2008 als erster Schweizer zum zweiten Mal als Koch Jahres geehrt worden. Gleichzeitig darf sich das Restaurant Schloss Schauenstein des 32-jährigen Aufsteiger des Jahres 2005 in Fürstenau GR mit 19 Punkten schmücken. Die höchste Schweizer Punktezahl erreichen sonst nur sieben weitere Topköche. Wie stark hat sie denn die Krise getroffen? «Sicher verzeichnen auch wir etwas Umsatzrückgang», erklärte Horst Petermann, der in seiner «Kunststuben» in Küsnacht ZH seit 20 Jahren (!) mit 19 Punkten glänzt. «Aber wir stehen auf soliden Füssen und profitieren von unserem internationalen Renomée. Grund zum Klagen gibt es nicht.»

Rochat rechnete mit 15% Minus?
19-Punkte-Star Philippe Rochat hat die Krise in Crissier VD weniger stark getroffen wie erwartet. «Ich dachte, es werde 15 Prozent Einbusse geben. Effektiv sind 5 Prozent eingetroffen.» Wie kämpft er erfolgreich an gegen die Krise? «Wir machen in der gewohnten Art weiter, lassen uns nicht verrückt machen und setzen auf unsere bewährte Spitzenqualität», erklärte Rochat. Dieses Rezept brachte auch 19-Punkte-Topkoch Bernard Ravet («L' Ermitage», Vufflens-le-Château) den gewünschten Erfolg in der Krise. «Von Dezember 2008 bis im Sommer 2009 brach unser Umsatz um 10 Prozent ein, danach ging es in gewohnter Art der vergangenen Erfolgsjahre weiter», sagte Ravet. Er habe indes die Preise um bis zu 20 Prozent gesenkt, mit einem Angestellten weniger gearbeitet und die Menukarte reduziert.

Jaeger schuftete so hart wie nie
Gar nicht klagen kann 19-Punkte-Star André Jaeger, der in seiner «Fischerzunft» in Schaffhausen sogar noch «zwischen 5 und 10 Prozent» zulegen konnte in diesem Jahr. Sein Rezept? Jaeger: «Man muss flexibel bleiben, unerbittlich an der Qualität arbeiten und einfach mehr für weniger leisten. Man muss hart ran: Ich selber habe noch nie mehr gearbeitet als in den vergangenen zwei Jahren.»

André Häfliger, Basel

HINWEIS
Der neue «GaultMillau»-Guide kann unter Telefon 062 746 48 49, per Mail ( aboservice@ringier.ch ) oder in jeder Buchhandlung bezogen werden.