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GEDICHTE: Die Obsession des Christian Uetz

Er bleibt sich treu, der Dichter der philosophischen bis erotischen Wortkapriolen. Seinem neuen Band «Engel der Illusion» legt Christian Uetz einen klärenden Essay bei.
Christian Uetz (Bild: Hanspeter Schiess)

Christian Uetz (Bild: Hanspeter Schiess)

Christian Uetz’ Texte bringen «Ekstasen der Sinnlichkeit und die Trunkenheit der Vernunft» hervor. Sagt der Klappentext zu seinem neuen Gedichtband «Engel der Illusion». Was soll der Thurgauer, der Philosophie, Komparatistik und Altgriechisch studiert hat, auch anderes tun. Auswendig und in einem rasenden Tempo rezitiert er seine ­Texte bei Auftritten, dass einem ­Hören und Verstehen vergeht. Das ist gewollt. Einzig die Wortkraft zählt und die Suggestivkraft der Sätze, kaum deren Inhalt. Von seinem Hörer oder Leser fordert Uetz bedingungslose Hingabe an sein Lob der Sprache.

Seinem jüngsten Werk stellt er einen Satz Horatios aus «Hamlet» voran: «Stay, illusion!» Als wolle auch er ein Phantom bannen: nicht den Geist von Hamlets Vater, sondern die Illusion der Beständigkeit. Oder die Diskrepanz zwischen Anwesenheit und Abwesenheit und ihre Auflösung im Ich: Wer bist du? Ich / aus dir. Hier mit mir bei dir / ankommen. Und: Wo bist du? Im / Nichtda. Im Recht, nicht / da du da.

Verse als Essenz, Intensität als Lichtorgasmus

Für Uetz gibt es ohne Sprache kein Leben, ohne sprachgewordenes Leben weder Liebe noch Sinnlichkeit. Dutzendfach sind des Dichters Wortschöpfungen: Der Wahn familliardenfacht die Dichte; da Vinci liefert einen Gedichtanfang: Lies Mona: Es ist / dies Lächeln, ewig; «Wo bist du?» endet auf vollkommender Idiodiot; und das Du thront über dem Begehren in deiner hymnenhymen, wortüpppigen Lust.

Wenige Verse lang sind die meisten Gedichte, verknappt zu reiner Essenz. Ein Gedicht steht gleichsam für den Dichter und seine Mission: Posthumes / Ewig. Dann bist du wunderbar, das Wort / ist kein Wunder, dann bist du, / das Wort ist ein Wunder. Und / jetzt im Dann unverwannbar / verwundet. / Unheilbar.

Uetz geht sehr frei um mit der Sprache und der Poetik: Er setzt keine Titel über die freien Verse, verwendet oft intransitive Verben mit einem Objekt, narrt uns mit scheinbar falscher Syntax, spielt mit Binnenreimen und dezenten Rhythmen, wird gar persönlich, wenn er die sieben Gedichte im siebenten Kapitel «Neugeborene» Eric widmet; wird ruhiger im achten Kapitel «Nahe».

Dann schliesst er mit dem Essay «Engel der Illusion». Er sieht die Illusion als «universale Theatralik in all unserem Verhalten». Das Wunderbare bleibe auf die Illusion angewiesen, «das Wunder ist Illusion der Sprache». Uetz streift die Evolution ebenso wie die erotische Sehnsucht: «Intensität bis zur Ohnmacht: ein Lichtorgasmus, eine Sterbenshelle, eine Erschöpfungsverzückung, ein Verschwendungsgeschenk.» Christian Uetz glaubt, «dass es das rückhaltlos Offene und Freie ist, was deine Liebe will».

Dieter Langhart

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