GENFER AUTOSALON: Autohersteller setzen auf Öko-Image

Der 78. Autosalon gibt sich betont «grün». Die Hersteller sind stolz darauf, Greenpeace indes spricht vom «grünen Mäntelchen».

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Ex-Miss-Schweiz Lauriane Gilliéron wirbt in Genf für Erdgas-Autos. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ex-Miss-Schweiz Lauriane Gilliéron wirbt in Genf für Erdgas-Autos. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Fahrzeuge mit niedrigem Verbrauch und weniger Emissionen seien die «logische Antwort» auf steigende Benzinpreise und die wachsende Sorge um unser Klima, sagt Susanne Wegemann, Direktorin des Verbandes umweltfreundlicher Fahrzeuge «e'mobile». Das zunehmende Interesse an solchen besonders sparsamen und sauberen Autos schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder. Wegemann: «Letztes Jahr wurden in der Schweiz über 3200 Hybrid-Fahrzeuge verkauft, das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Und fast 2500 Erdgasfahrzeuge, 70 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Neu kamen im vergangenen Jahr rund 1500 Autos mit Bioethanol-Treibstoff auf den Markt.»

Ernüchternde Zahlen?
Das Interesse ist also da, die Verkaufszahlen bleiben aber noch bei gegen 300 000 im Jahr 2007 verkauften Autos in der Schweiz aber doch noch ernüchternd klein. «Wir müssen etwas machen, um unsere schöne Welt zu erhalten», sagte gestern Jutta Benz, die Ur-ur-Enkelin des Automobil-Pioniers Carl Benz, die gestern mit Daimler-Konzernschef Dieter Zetsche im historischen Dreirad zur Medienkonferenz einfuhr. Was macht sie selber? «In erster Linie müssen wir den Verbrauch senken. Mein Auto kommt mit sechs Liter Dieseltreibstoff auf 100 Kilometer aus. Und das ist ein Mercedes.»

Verbrauch sinkt immer mehr
In der Tat fällt am Salon auf, wie die Treibstoff-Verbrauchszahlen immer niedriger werden – und mit ihnen auch immer auffallender geworben wird. Laut der jüngsten Erhebung des Touring-Clubs der Schweiz (TCS) ist etwa der Smart-Fortwo mit 3,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer das Auto mit dem geringsten Verbrauch. Gefolgt vom VW Polo (3,9 Liter Diesel) und dem Toyota Aygo sowie dem Citroën C1 (je 4,1 Liter). Bei den Benzinern siegt der Toyota Prius-Hybrid (4,3 Liter) vor dem Toyota Aygo, dem Peugeot 107 und dem Citroën C1 (je 4,6 Liter). Und: Sämtliche Klassen, also auch die obere Mittelklasse sowie die Geländewagen, bleiben unter 10 Litern Verbrauch.

Verbesserte Technologien
Kommt dazu, dass die modernen Technologien wie Hybrid (Kombination von Benzin/Diesel- mit Elektro-Antrieb), Erdgas und andere Biotreibstoffe bei allen Marken immer mehr Einzug halten. Auch wie man das bestehende Diesel-Stickoxyd-Problem löst, wird am Salon gezeigt: Mit der BlueTec-Methode von Mercedes, die mit einem zusätzlichen Aggregat am Schluss Ammoniak aus Harnstoff einfliessen lässt und so das schädliche Stickoxyd in die natürlichen Elemente Sauerstoff und Wasser umwandelt.

Ein Auto für 2800 Franken
Das alles geht Greenpeace aber noch viel zu langsam und zu wenig weit. «Es wird geschätzt, dass bis 2050 die weltweit verkehrsbedingten Treibgas-Emissionen von heute 13 auf 30 bis 50 Prozent ansteigen werden», warnt die Umweltorganisation. Es müsse deshalb «dringend gehandelt» werden – und die Industrieländer hätten dabei eine «Vorreiterrolle» zu übernehmen. Und die Boom-Länder? Indien macht hier in Genf mit einem heiss umworbenen Salon-Star auf sich aufmerksam: Dem 5-Liter-Auto Tata Nano, 5 Türen, 3,1 Meter lang, 1,5 Meter breit, 1,6 Meter hoch und 2800 Franken teuer. Vorerst geplant für Indien, China, eventuell Japan – für Europa indes allein schon wegen den Sicherheitsvorschriften (noch) kaum geeignet?

André Häfliger, Genf

HINWEIS: Der 78. Genfer Autosalon dauert vom 6. bis 16. März und ist an Wochentagen von 10 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Infos: www.salon-auto.ch