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GESCHICHTE: Eine Tochter etablierte den Muttertag

Wer hat ihn denn nun erfunden, den Muttertag? Weder Hitler noch ein geschäftstüchtiger Florist, sondern eine US-Dame mit viel Gerechtigkeitssinn. Der Tag kam vor genau 100 Jahren auch in der Schweiz an.
Susanne Holz
Macht noch mehr Freude als ein Blumenstrauss – ein Gemälde vom Nachwuchs. (Bild: Karl-Josef Hildenbrand/Keystone)

Macht noch mehr Freude als ein Blumenstrauss – ein Gemälde vom Nachwuchs. (Bild: Karl-Josef Hildenbrand/Keystone)

Susanne Holz

Nein, es waren nicht die Nazis, wie so oft behauptet wird, die den Muttertag erfunden haben. Das deutsche Terrorregime der 30er- und 40er-Jahre instrumentalisierte den Tag aber für seine Zwecke. Zelebrierte kinderreiche Mütter nicht nur an diesem Tag als «Heldinnen des Volkes», als Garantinnen des «arischen Nachwuchses». Und führte 1938 zusätzlich noch das «Ehrenkreuz der Deutschen Mutter» ein.

Die Lust auf den Muttertag könnte einem deshalb so richtig vergehen, wäre da nicht die Tatsache, dass hinter der Idee, die Mütter zu feiern, eine Frau steckt, eine amerikanische, mit sozialer Ader und Sinn für Gerechtigkeit. Ann Maria Reeves Jarvis machte sich bereits 1865 für eine Mütterbewegung namens «Mothers Friendships Day» stark. An von ihr organisierten Treffen unter dem Titel «Mothers Day Meetings» sollten sich Mütter zu aktuellen Fragen austauschen können. Klingt ja fast schon feministisch. Zudem setzte sich Reeves Jarvis für den Frieden und bessere hygienische Verhältnisse für Gebärende ein.

In den USA ist der Muttertag seit 1914 nationaler Feiertag

Erst ihrer Tochter gelang es allerdings, den Muttertag zu etablieren: Anna Jarvis widmete sich – auch im Gedenken an ihre Mutter – vollkommen dem Ziel, ­einen offiziellen Ehrentag für alle Mütter zu schaffen. Sie schrieb Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und Frauenvereine. Und hatte Erfolg mit ihrer Hartnäckigkeit: Am 8. Mai 1914 beschloss der US-Kongress, als Zeichen der Wertschätzung aller Mütter jeweils am zweiten Sonntag im Mai einen Muttertag zu feiern. Dem Willen des Kongresses leistete Präsident Woodrow Wilson Folge – noch im gleichen Jahr beging man in den USA den Muttertag erstmals als nationalen Feiertag.

Kein Wunder, ist den Amerikanern der Muttertag heute auch finanziell mehr wert als den Europäern. Nur an Weihnachten geben die Amerikaner noch mehr Geld für Geschenke aus. 2007 liessen sich die US-Bürger den Muttertag durchschnittlich 139 Dollar (damals rund 100 Euro) kosten, während im gleichen Jahr Mütter in Deutschland Geschenke im Wert von 25 Euro bekamen.

Und in der Schweiz? Hier begeht man den Muttertag seit genau 100 Jahren. Es war die Heilsarmee, die erstmals im Sommer 1917 einen Aufruf erliess zur Begehung eines «Ehrentages für die Mutter». Zuvor hatten zwei Gruppierungen die Initiative ergriffen für die Einführung eines Muttertages in der Schweiz: die «Unions Chrétiennes de Jeunes Gens de la Suisse romande» (christliche und international ausgerichtete Jugendbewegung) sowie die erwähnte Heilsarmee.

Richtig Fuss fasste der Muttertag in der Schweiz aber erst in den 20er-Jahren, als die Verbände der Floristen, der Gärtner- und der Konditormeister begannen, sich für den Tag zu engagieren. Mit Hilfe von Presse, Flugblättern, Radio und schön gestalteten Schaufensterauslagen der Konditoren und Floristen wurde der Ehrentag für die Mütter von Jahr zu Jahr mehr zu einer festen Tradition – bei Romands wie Deutschschweizern.

Schon in der Antike verehrte man Mütter – von Gottheiten

Mehr europäische Länder zogen nach: Die Mütter beschenkte man alsbald auch in Finnland und Dänemark, in Griechenland und in Italien, in Belgien und in den Niederlanden, in Liechtenstein und in Österreich, am zweiten Sonntag im Mai. Dieses Datum ist das weltweit beliebteste, um die Mütter zu ehren. Am vierten Fastensonntag im Jahr begeht wiederum das Vereinigte Königreich den Muttertag. Die Briten verknüpfen den heutigen Ehrentag der Mütter nämlich mit dem Datum des traditionellen «Mothering Day», den König Heinrich III. im 13. Jahrhundert eingeführt hat. Allerdings nicht um die Mütter, sondern vielmehr um die Mutter Kirche hochzuhalten.

Ein grösseres Herz als der englische Regent hatte Napoleon Bonaparte für die Mütter. Der Franzose soll 1806 die Einführung eines Muttertages vorgeschlagen haben. Geht man noch viel weiter zurück, gelangt man in die Antike, als die alten Griechen Rhea verehrten, Mutter von Demeter, Hera, Poseidon, Hades und Zeus. Die Römer wiederum huldigten Kybele, «grosse Mutter» der Götter, Menschen und Tiere.

Einzig im Ostblock, zu Zeiten des Kalten Kriegs, hatte man nichts mit dem Mutterkult am Hut. Dort feiert man seit über 100 Jahren lieber den Internationalen Frauentag (8. März).

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