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GESELLSCHAFT: Schlechte Scherze mit roten Nasen

Nach den USA und Kanada ist der groteske Spuk nun auch wieder bei uns angekommen: Unheimliche Clowns erschrecken und verletzen Passanten. Was steckt hinter dem Phänomen?
Christian Satorius
Clownmasken, die derzeit in Chicago zu Halloween angeboten werden. Ob sich dieses Jahr viele Käufer finden, ist eher fraglich.Bild: Getty

Clownmasken, die derzeit in Chicago zu Halloween angeboten werden. Ob sich dieses Jahr viele Käufer finden, ist eher fraglich.Bild: Getty

Die Clowns sind da, doch das findet längst nicht jeder lustig. Immer häufiger werden zurzeit in den USA und in Kanada wieder ­sogenannte Horror-Clowns gesichtet, die Kindern und auch ­Erwachsenen in gruseliger Verkleidung auflauern, sie mit Spielzeugwaffen bedrohen oder literweise Kunstblut verspritzen.

Vielen Amerikanern geht der Spass zu weit, und so hat der eine oder andere weiss getünchte «Spassmacher» auch schon eine Tracht Prügel bezogen, oder er wurde sogar von verängstigten Anwohnern mit scharfer Munition beschossen.

Inzwischen ist der groteske Spuk auch wieder bei uns angekommen. Im Kanton Zürich wurden soeben drei Fälle gemeldet, einer verbunden mit einem Schlag in die Magengegend. In Deutschland kam es durch Clowns zu Verletzungen von Messerstichen und Baseballschlägern. Ebenso im schwedischen Skänninge, wo zwei Horror-Clowns eine Frau mit dem Messer verletzt haben, in Grossbritannien und Frankreich stehen die ersten Clowns bereits vor Gericht.

Angesichts der Tatsache, dass Halloween erst noch bevorsteht (31. Oktober), fragt man sich natürlich: Was soll das Ganze? So ganz genau weiss das anscheinend niemand zu sagen. Die Erklärungsversuche reichen von gelangweilten Teenagern bis hin zu verunglückten Marketingideen für kommende Horrorfilme. Zum Beispiel für das für 2017 anberaumte Remake des Stephen-King-Klassikers «It» («Es»), in dem der überaus gruselige Clown Pennywise sein Unwesen treibt. Autor Stephen King beeilte sich auf Twitter vorsichtshalber schon einmal zu betonen, dass es wohl allmählich an der Zeit sei, dass sich die «Clown-Hysterie» etwas abkühle. Ganz so einfach scheint das aber nicht zu sein.

Ronald McDonald macht vorerst Pause

Die Fast-Food-Kette McDonald’s lässt die hauseigene Werbefigur Ronald McDonald lieber erst einmal pausieren, denn auch die kommt schliesslich im Clownkostüm daher, wenn auch in einem lustigen, das Kindern Spass machen soll. Die Vereinigung professioneller Komiker «Clowns of America International» im US-amerikanischen Minnesota distanzierte sich schon im Jahr 2014 ganz offiziell von den Horror-Clowns, als sich Ähnliches wie heute ereignete. Präsident Glenn Kohlberger: «Wir lehnen alles ab, was der Angst vor Clowns beziehungsweise der Coulrophobie förderlich ist.»

Wurzeln der Angst liegen in der Kindheit

Die krankhafte Angst vor Clowns, also die Coulrophobie, könnte sogar verbreiteter sein als bisher gedacht. Das legt zumindest eine Studie der Universität von Sheffield nahe. Im Jahre 2008 befragten Psychologen dort 250 Kinder und Heranwachsende im Alter von 4 bis 16 Jahren über ihr generelles Verhältnis zu Clowns. Hintergrund war eigentlich das sogenannte Clinic-Clowning, das getreu dem Motto «Lachen ist die beste Medizin» die Genesung der Kinder während eines Spitalaufenthalts verbessern soll.

Das Ergebnis der Studie überraschte die Experten allerdings. «Wir fanden heraus, dass die Clowns bei den Kindern auf eine breite Ablehnung stiessen», resümiert Penny Curtis, die Leiterin der Untersuchung. «Manche fanden das, was Clowns so machen, überhaupt nicht lustig. Andere ängstigten sich sogar vor ihnen.» Die Psychologin Brenda Wiederhold aus San Diego weiss auch warum: «Die Angst vor Clowns hat ihre Wurzeln zumeist im Kindesalter von etwa zwei Jahren. Die Kleinen sind in diesem Alter noch nicht in der Lage, Realität und Fiktion voneinander zu unterscheiden.»

Das weiss geschminkte Gesicht, das keine echten Emotionen erkennen und somit das Gegenüber im Ungewissen lässt, sowie überraschendes und von der Norm abweichendes Verhalten machen einen Clown zwar gerade erst zu dem, was er ist, aber genau das kann eben auch Angst erzeugen, da sind sich die Experten einig.

Aus diesem Grund sind wohl auch die aktuellen Horror-Clowns so verstörend: Die seltsame Maskerade und das gruselige Gebaren wirken auf den ersten Blick derart echt und unheimlich, dass der Schock erst einmal da ist – auch bei Erwachsenen.

Jüngere sind mit bösen Clowns aufgewachsen

Vor allem die älteren Generationen denken bei einem Clown zwar in erster Linie noch an einen mehr oder weniger lustigen Spassmacher im Zirkus, bei den Jüngeren ist das offenbar anders. Viele von ihnen wuchsen mit bösen Clowns praktisch auf, wie etwa mit der unheimlichen Clownpuppe in Stephen Spielbergs Film «Poltergeist» von 1982, dem gruseligen Clown Pennywise in Stephen Kings Roman «Es» (1986) und der Verfilmung des Stoffs mit Tim Curry «Stephen Kings Es» aus dem Jahr 1990 oder aber auch mit Rob Zombies Film «Haus der 1000 Leichen» aus dem Jahre 2003.

All diese Filme und Bücher kann man nun gruselig finden oder aber auch nicht, schliesslich handelt es sich um reine Fiktion. So manch einer amüsiert sich angesichts der kunstbluttriefenden Übertreibungen sogar prächtig und findet das Ganze eher zum Lachen als zum Erschaudern – jedenfalls solange er nicht selber erschreckt wird.

Ein schreckliches reales Vorbild

Im realen Leben war es vor allem der US-amerikanische Serienmörder John Wayne Gacy, der in den 1970er-Jahren dafür sorgte, dass die Clowns ihr blüten­weisses Image verloren. Als Clown Pogo verkleidet, erschlich er sich das Vertrauen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 1978 wurde er in Chicago für nicht weniger als 33 Morde zum Tod verurteilt. Die genaue Anzahl seiner Opfer ist bis heute nicht bekannt. Wenn es einen Clown gibt, der einem wirklich Angst machen muss, dann ist es der Clown Pogo, John Wayne Gacy. Dagegen nehmen sich die Horror-Clowns der Neuzeit fast schon harmlos aus. Aber lustig sind auch sie nicht.

Christian Satorius

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